Die Menopause ist die Beendigung der zyklischen Eierstocksfunktion und somit der Fruchtbarkeit der Frau. Ursache dafür ist eine Veränderung des Hormonhaushalts. Der biologische Vorgang, der nüchtern in diese zwei Sätze zusammengefasst werden kann, ist für die betroffenen Frauen um ein Vielfaches emotionaler: Stimmungsschwankungen, Unruhe, Gereiztheit, Hitzewallungen, trockene Haut, Haarausfall… Um solche Symptome zu minimieren oder gar Folgeerkrankungen vorzubeugen, ist es wichtig, den Hormonspiegel, den eine Frau um ihre Monatsblutung herum in niedrigen Konzentrationen hat, wiederherzustellen. «Die hohen Hormonmengen, die während des Zyklus produziert werden, sind hingegen nur zur Fortpflanzung, nicht aber für die Gesundheit einer Frau relevant», erklärt Privatdozent Doktor Alexander Römmler, Gynäkologe, Androloge und Ehrenpräsident der German Society of Anti Aging Medicine in München.

Die Zeichen der Zeit
Eingeläutet wird die Menopause durch den Ausfall des Progesterons. Neben den psychischen Folgen, wie Unausgeglichenheit, macht sich dieser Vorgang auch physisch bemerkbar. Es bilden sich etwa Wassereinlagerungen und Bluthochdruck. Nach der Reduktion des Östrogens kommen zusätzlich Schlafstörungen, körperliche Trockenheit von Haut und Schleimhäuten, Gelenkschmerzen, Hitzewallungen und Schweissausbrüche hinzu. «Kalter Schweiss oder Dauerwärme haben übrigens nichts mit Hitzewallungen zu tun, sondern sind in vielen Fällen eher auf Unterzuckerung, Stress oder Melatoninmangel zurückzuführen», erklärt der Fachmann. Durch den Hormonabbau entstehen aber nicht nur unangenehmen Symptome. «Das Risiko an Gebärmutterkrebs zu erkranken schnellt in den Vierzigern eklatant in die Höhe», warnt Römmler. Der Grund dafür ist der Ausfall des schützenden Progesterons, während weiterhin Östrogen gebildet wird. Dadurch vergrössert sich die Gefahr von Wucherung, Polypen und bösartigen Entartungen massgeblich. Erst einige Jahre nach Beginn der Menopause fallen schliesslich auch die männlichen Hormone – die Androgene – weg. Die Lust nimmt immer mehr ab, der Schrumpfungsprozess an Haut und Organen verstärkt sich, das Verhältnis zwischen Fett- und Muskelmasse verändert sich unvorteilhaft.

Hormone bieten die Lösung
«Frauen suchen ihren Arzt häufig ­wegen akuten psycho-vegetativen Symptomen wie etwa Hitzewallungen auf. Diese sind aber gesundheitlich eher nebensächlich. Viel kritischer sind  die organischen Folgen der Ausfallerscheinungen», klärt Römmler auf. Durch den Hormonausfall können chronisch degenerative Erkrankungen, wie Arthrose oder Osteoporose entstehen. «Solchen Problemen wollen wir mit der Anti-Aging-Medizin vorbeugen», sagt Römmler weiter. Dank Hormonersatzbehandlungen können die Veränderungen des Hormonhaushalts korrigiert und die Lebensqualität dadurch erheblich gesteigert werden. Studien haben in den vergangenen Jahren allerdings gezeigt, dass die bisherige Form der Hormonersatztherapie grossen Schaden anrichten kann. Die Hauptrisiken sind Thrombosen, Lungenembolien, eine erhöhte Schlaganfall- und mittelfristig verdoppelte Brustkrebsrate.
Die Medizin hat erkannt, dass es nicht ausreicht, den Frauen natürliche Hormone zu verabreichen. «Auch tierische oder pflanzliche Hormone sind natürlich. Wir brauchen jedoch ‚artgerechte’ also menschliche beziehungsweise körperidentische Hormone», hält Römmler fest. Doch nicht nur die Substanz selbst ist für den Erfolg der Behandlung entscheidend – auch die Art der Zuführung ist relevant. Östrogen wurde bisher vorwiegend als Kapsel oder Tablette verabreicht. Das Hormon musste sich folglich den Weg durch den Magen-Darmbereich bahnen und wurde in der Leber zu einem grossen Teil abgebaut. Aufgrund der grossen Mengen, die wegen dieses Abbaus eingenommen werden mussten, haben sich erhebliche gesundheitliche Nachtteile ergeben. «Heute wird das Östrogen als Pflaster, Gel oder Salbe über die Haut abgegeben», so Römmler. Auf diese Weise kann das Hormon in kleinsten Mengen verabreicht werden. Das Progesteron hingegen sollte als Tablette oder Kapsel aufgenommen werden, denn dieses kann seine volle Wirkung im Vergleich zum Östrogen nur mittels der Leber entfalten. Von dort aus werden beruhigende und angstlösende Botenstoffe an das Gehirn gesendet. Dank erster Studien lassen sich die Erfolge dieser revolutionierten Therapieformen bereits partiell nachweisen. Bei transdermaler Einnahme von Östrogen besteht kein erhöhtes Risiko mehr Thrombosen oder Schlaganfälle zu erleiden. Noch nicht ganz so eindeutig, aber in der Tendenz positiv, sieht es beim Brustkrebsrisiko aus. Eine seit acht Jahren andauernde Studie zeigt, dass das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, durch die Einnahme von körperidentischen Progesteron – im Gegensatz zu den körperfremden Gestagenen – nicht erhöht wird. Für Anti-Aging-Mediziner Römmler kommen diese Resultate nicht überraschend: «Jede gesunde Frau hat jahrzehntelang genau diese Hormone produziert und litt dennoch nicht unter Thrombosen, Embolien oder dergleichen. Und so ist es kein Wunder, dass körperidentische Hormone in geeigneter Darreichung dieses Risiko ebenfalls nicht steigern.»