Bauchredner Urs Kliby und seine Stoffpuppe Caroline: Das Duo ist schon jahrzehntelang ein unzertrennliches Paar, das mit seinen Sprüchen bei unzähligen Vorstellungen im In- und Ausland für Heiterkeit sorgte.

Inzwischen wurde es ein bisschen ruhiger um den heute 67-jährigen Ostschweizer aus Kreuzlingen und seine Puppe. «Ich erhalte aber immer noch zahlreiche Anfragen, unter anderem für Seniorenanlässe», schmunzelt er.

Neue Altersstufe

Ja das Alter. Als er vor rund zwei Jahren offiziell die AHV-Grenze überschritt, merkte Urs Kliby anhand mehrerer Reaktionen, dass er eine neue Altersstufe erreicht hatte.

Seine Bank schickte ihm am Geburtstag einen Brief mit dem Hinweis, dass sein normales Konto nun in ein Senioren-Sparkonto umgewandelt werde. Im Kino profitiert er von Senioren-Rabatten, und in Restaurants weiss er jetzt heute, was die Sternchen bedeuten: «Diese Menüs gibt’s auch als Seniorenteller.»

Trotz mehrerer gesundheitlicher Tiefschläge, die nicht nur ihn, sondern auch seine Ehefrau betrafen, will er überhaupt nicht klagen. Immer wieder relativiert er seine gesundheitlichen Probleme, verweist auf Bekannte, die beim gleichen Härtefall noch viel schwerer getroffen wurden.

Schon mehrere Jahre sind es her, seit ihm wegen eines Schlaganfalls von einem Tag auf den anderen die Stimme versagte, das wertvollste Kapital eines Bauchredners.

Dank sofortiger medizinischer Betreuung habe er sich aber glücklicherweise wieder sehr gut erholen können, ganz im Gegensatz zu seinem Vater und zwei Brüdern, die alle an Schlaganfällen gestorben seien.

Im Gespräch mit dem Künstler merkt man überhaupt nichts mehr von seinen früheren Sprachgebresten, als er zum Beispiel das Telefonbuch noch Teflontuch nannte. Auch eine Herz-OP habe er gut überstanden.

 

 

«Spüre das Alter schon»

«Ich kann noch jeden Tag aufstehen, alle Glieder bewegen, spazieren gehen, alles machen, wie vor 50 Jahren», listet er die positiven Seiten des Lebens auf. Aber er gibt zu, das Alter schon ein bisschen zu spüren, was sich auch in einem vorsichtigeren Verhalten zeige.

«Früher habe ich noch zwei Treppenstufen auf einmal genommen, jetzt nur noch eine.» Auch halte er sich inzwischen beim Treppensteigen immer am Geländer fest, um eine allfällige Sturzgefahr zu minimieren.

Und wenn er im geliebten Bodensee, wo er ein Schiff besitzt und viel Freizeit verbringt, schwimmen gehe, gehöre eine Schwimmweste heute zum unverzichtbaren Inventar.

Das Leben und das Alter nehmen, wie es ist. Seine positive Grundeinstellung dürfte auch mit seinem Privatleben zusammenhängen. Urs Kliby ist unendlich froh, dass er vor über 40 Jahren seine Ruth gefunden hat, mit der er auch heute noch verheiratet ist.

Wie lautet sein Erfolgsrezept für eine gute, langanhaltende Ehe? «Zuerst muss man die richtige Frau finden», sagt er und lacht. Im Gespräch redet er immer von «meinem Schatz». Kennengelernt hatten sie sich übrigens an einem Fest in Thun, an dem er der Ehrendame und späteren Frau eine Rose anstecken durfte.

 

Grosses Hobby Gartenarbeit

«Obwohl wir viel gemeinsam machen, lassen wir uns auch Freiheiten», räumt er ein. Um dann mit einem Schmunzeln anzufügen: «Ich habe im Haus oft Aussendienst und sie Innendienst.» Zu seinem liebsten Hobby im Rentenalter ist die Gartenarbeit geworden.

Auch sozialen Kontakten mit Freunden messe er eine grosse Bedeutung bei. «Im Alter wird das sogar wichtiger.» Mit einigen Menschen würden sie einen sehr intensiven, sogar fast wöchentlichen Kontakt pflegen.

Vorteile des Alters

Mit dem Älterwerden habe er keine Probleme. Gibt es im Alter aber auch Vorteile? «Weniger Verantwortung», fällt ihm als Erstes ein. Der fünffache Grossvater ist stolz auf den Nachwuchs, aber auch froh, ihn immer wieder den Eltern zurückgeben zu können.

Positiv wertet Urs Kliby zudem, dass er seine Zeit viel freier einteilen und einfach einmal spontan für ein paar Tage verreisen könne. Ebenso sei er ruhiger und gelassener geworden.

Und der Tod – beschäftigt ihn dieses Thema? Er gibt offen zu, dass er dieses Thema weitgehend verdränge.