Ein normal funktionierender Beckenboden unterstützt die Beckenorgane und stabilisiert das Becken. Er ist in der Lage, anzuspannen, um die Kontinenz zu gewährleisten, beziehungsweise zu entspannen beim Wasserlösen und beim Stuhlgang. Aus verschiedenen Gründen kann der Beckenboden zu viel oder zu wenig Spannung aufweisen oder schlecht beweglich sein.

«Eine Beckenbodenrehabilitation umfasst die physiotherapeutischen Massnahmen, die bei Harn- und Stuhlinkontinenz, bei Blasen- und Darmentleerungsstörungen, bei chronischer Verstopfung, bei Senkungen der Beckenorgane, Störungen der Sexualfunktion und bei Schmerzen im Genital- und Beckenbereich angewendet werden», erläutert die Fachspezialistin und Physiotherapeutin Jacqueline de Jong.

«Die Beckenbodenrehabilitation kann Beschwerden vorbeugen oder sie vielfach lindern», fasst de Jong zusammen»

Wesentlich für die Behandlung sei die Befunderhebung. «Danach werden die Beckenbodenspannung und die Beckenbodenmuskelfunktionen mit vaginalen oder analen Messmethoden untersucht und eventuell durch einen Ultraschall ergänzt.»

Das Ziel der Therapie ist das Normalisieren der Beckenbodenspannung. Dies kann erreicht werden durch eine Verbesserung der Muskelfunktion.

Trainiert werden dabei Muskelkraft, Ausdauer, Koordination und Entspannung sowie das Optimieren von Harn- und Stuhlverhalten. «Die Beckenbodenrehabilitation ist ein Gesamtkonzept von Massnahmen, welches sich über die Beckenbodenübungen hinaus auf Haltung, Atmung und Verhaltenstraining ausdehnt», sagt de Jong.

Funktionelle Störungen

Ob eine Harn- oder Stuhlinkontinenz mit einer Beckenbodenrehabilitation erfolgreich therapiert werden kann, habe mit der richtigen Diagnosestellung zu tun, betont die Fachspezialistin.

«In der Beckenbodenrehabilitation werden vor allem funktionelle Störungen behandelt, etwa wenn bei Patienten eine Funktionsstörung der Blase, des Darms und von Sexualfunktionen vorliegt oder ein Schmerzsyndrom auftritt, ohne dass ein Nachweis auf eine pathologische Erkrankung erbracht werden kann.»

Bei einer Harn- oder Stuhlinkontinenz sowie bei einer Entleerungsstörung der Blase oder des Darms spielen neben der Beckenbodenmuskulatur auch die Schliessmuskeln eine wichtige Rolle, die mit einem Beckenbodentraining therapiert werden können.

«Dabei muss beachtet werden, dass auch ein überaktiver Beckenboden diese Probleme verursachen kann», sagt de Jong.

Übergewicht vermeiden

Als Ursachen von Beckenbodenfunktionsstörungen kommen unter anderem Folgen von Geburten oder Operationen infrage, aber auch neurologische Erkrankungen sowie Veränderungen durch das Auftreten von Alterungsprozessen. Auch bei Übergewicht, Bewegungsmangel und schwerer körperlicher Arbeit kann es zu einer Dysfunktion des Beckenbodens kommen.

«Unter Senkungen der Beckenorgane verstehen wir ein Tiefertreten entweder der Blase, Gebärmutter, Vagina oder des Darms, welches häufig auch kombiniert auftreten kann», erläutert de Jong.

Die inneren Organe werden durch verschiedene Haltebänder und den Beckenboden auf ihrer Position gehalten. Wenn Defekte auftreten, hat das zur Folge, dass sich die betroffenen Organe mehr oder weniger tief senken können. Wenn zum Beispiel die Blase sich senkt, kann eine Blasenentleerungsstörung auftreten und als Folge davon wiederholte Blasenentzündungen.

«Die Beckenbodenrehabilitation kann Beschwerden vorbeugen oder sie vielfach lindern. Mit einer Kombination aus Verhaltens- und Beckenbodentraining können dabei gute Behandlungserfolge erzielt werden», fasst de Jong zusammen.