Auf die Idee, eine Grossmütter-Rockband zu gründen, kamen die fünf Bandmitglieder vor sechs Jahren. Anlass dazu war die «Grossmütterrevolution», ein Projekt, das sich an Frauen der heutigen Grossmüttergeneration wendet.

Die fünf Musikerinnen mit unterschiedlichem musikalischem Background wie Rock, Jazz oder Klassik sind davon überzeugt, dass man nie zu alt ist, um etwas Neues zu wagen. Mit ihrer Freude an lauten und leisen Tönen begeistern sie ihr Publikum.

«Wir werden anders alt als unsere eigenen Mütter, sind länger fit und können nach der Pensionierung noch einmal richtig Fahrt aufnehmen», sagt Frontsängerin Esther Rothen.

Mit ihren sechs Enkeln geht sie gerne auf Reisen. Daneben geniesst sie heute aber vor allem die Freiheit, das zu tun, woran sie Spass hat, und das ist unter anderem Rock ’n’ Roll, den sie zusammen mit ihren Bandmitgliedern auslebt.

Verschiedene Anlässe

Das Repertoire der Band umfasst Lieder mit eigenen und witzigen Texten – und packenden Rhythmen. «Unsere Musik beinhaltet sowohl samtene als auch feurige Elemente, wie es unserem Bandnamen entspricht», erklärt Rothen.

Der Applaus des Publikums ist ein grosser Ansporn für die fünf begeisterten Musikerinnen

Die fünf Musikerinnen in der heutigen Besetzung – Sylvia Voegeli (Piano), Beatrice Haller (Accordion), Ilse Schmid (Drums), Ruth El Maghrabi (Guitar) und Esther Rothen (Voice) – lieben Auftritte auf grossen und kleinen Bühnen und treten an unterschiedlichen Anlässen wie zum Beispiel Tagungen, Geburtstagen oder im Rahmen von Kulturprogrammen auf.

Die Bandmitglieder haben ursprünglich eine klassische Ausbildung absolviert. Doch dann hat das Projekt einer Grossmütter-Rockband alle fünf begeistert. Sylvia Voegeli ist auf Umwegen zur Rockmusik gekommen. Aufgewachsen ist sie mit Bach und Mozart. «Als meine Mitschüler die Beatles entdeckt haben, habe ich eine kirchenmusikalische Ausbildung absolviert», blickt Voegeli zurück.

Während vieler Jahre begleitete sie als Organistin die Gottesdienste in verschiedenen Kirchgemeinden. Vor rund 20 Jahren fand dieses Engagement sein Ende. Nach ihrer Pensionierung als Lehrerin suchte sie sich eine neue Herausforderung und trat der Grossmütter-Rockband bei.

Applaus des Publikums

«Crème brûlée» haben in den vergangenen Monaten viel Aufmerksamkeit erzielt – und gleichzeitig für ebenso viel Aufmerksamkeit gesorgt. Im April waren sie zu Gast in der TV-Sendung von Kurt Aeschbacher. Das Interesse an der Band liegt unter anderem sicher auch daran, dass die Formation nicht dem gängigen Bild einer Rockband entspricht.

«Die Hauptsache ist, dass uns das Ganze Spass macht»

Die fünf Bandmitglieder, alle zwischen 57 und 72 Jahre alt, begeistern heute ihr Publikum mit mitreissendem Sound. Das Bandprojekt heisst aber auch, harte Arbeit nicht zu scheuen. Die Auftritte sind mit viel Aufwand verbunden. «Instrumente und die notwendige Technik bringen wir meist selber mit zu den Veranstaltungsorten.

Die meisten Bandmitglieder besuchen zudem wieder den Musikunterricht und bei unserem Coach belegen wir regelmässig musikalische Workshops», erklärt Esther Rothen. Der Applaus des Publikums ist ein grosser Ansporn für die fünf begeisterten Musikerinnen. «Crème brûlée» spielen unter anderem Coverversionen berühmter Rocksongs.

Speziell gut beim Publikum kommen aber Stücke an, bei denen der englische Originaltext durch einen Mundarttext von Sängerin Esther Rothen ersetzt wird. In den Medien werden die Bandmitglieder gerne als Botschafterinnen ihrer Generation bezeichnet. Sylvia Voegeli sieht das anders. «Das trifft so nicht zu», hält sie fest. «Wir machen in erster Linie Musik für uns und für unser Publikum», sagt sie.

Hauptsache Spass

Langjährige Erfahrung mit Pop und Rock bringt Schlagzeugerin Ilse Schmid mit. Sie war eine der ersten Drummerinnen der Schweiz und bereits vor 30 Jahren Mitglied einer Frauen-Rockband. Sie habe sich durch die Frauenbewegung der 80er-Jahre inspirieren lassen, sagt Schmid. Deshalb lasse sie sich auch im Alter nicht verbiegen.

«Crème brûlée» lieben Auftritte in kleinerem oder grösserem Rahmen vor Publikum jeglichen Alters. Akkordeonistin Beatrice Haller und Gitarristin Ruth El Maghrabi ergänzen das Quintett. «An unserem Beispiel zeigt sich, dass es durchaus möglich ist, auch im Alter noch einmal etwas Neues zu wagen und anzupacken», sind sich die fünf Musikerinnen einig. «Die Hauptsache ist, dass uns das Ganze Spass macht.»