Wo, Pepe Lienhard, stehen Sie heute im Leben?
Ich habe gerade eine neue Phase eingeläutet und bin in den Kanton Thurgau gezogen, wo ich zusammen mit meiner Frau ein wunderschönes Haus gekauft habe. Mit andern Worten: Ich bin jetzt zum zweiten Mal glücklich verheiratet und freue mich darauf, gemeinsam mit meiner Frau noch einmal richtig durchzustarten.

Was bedeutet es denn für Sie, älter zu werden?
Damit habe ich keine Probleme. Man muss es einfach akzeptieren, denn es geht doch allen gleich. Ich auf jeden Fall habe keinen Grund zum Hadern, und es fällt mir nicht schwer, Veränderungen zu akzeptieren, die mit dem Älterwerden verbunden sind. Ich kann damit gut umgehen, sowohl im Privatleben wie auch im Beruf. Klar ist, dass man nicht mehr alles machen kann wie mit 20, 30 oder mit 40 Jahren. Daran gewöhnt man sich aber und geniesst das Leben trotzdem.

Pepe Lienhard
Saxophonist und Flötist

Und was hält Sie jung?
Da gibt es verschiedene Faktoren. In erster Linie natürlich die Freude an der Musik. Das Schönste für mich ist immer noch, wenn ich zusammen mit der Band auf der Bühne stehen darf und das Publikum zum Staunen bringen und ihm Freude bereiten kann. Und dann natürlich, dass ich von dem leben kann, was ich seit meinen Jugendjahren am liebsten mache: nämlich Musik. Dafür bin ich dankbar. Jung hält mich sicher auch die Tatsache, dass ich mit meiner um 23 Jahre jüngeren Frau in einen neuen Lebensabschnitt gestartet bin. Jung, wenn Sie so wollen, halten mich auch meine beiden 21 und 23 Jahre alten Töchter aus erster Ehe. Ich nehme aktiv an ihrem Leben teil und geniesse das sehr. Auf Trab schliesslich halten mich auch meine Musiker. Da sind viele unter 30. Sie könnten also meine Söhne sein.

Was bedeutet Ihnen Ihre Musik?
Die Frage lässt sich kurz und bündig beantworten: Die Musik ist der rote Faden, der sich durch mein ganzes bisheriges Leben zieht. Bereits mit 12 Jahren habe ich meine erste Band gegründet. Als Bandleader benötigt man viel Organisationstalent. Ein unverzichtbares Talent ist es auch, das Können und das Potenzial der Band einschätzen zu können. Sonst besteht die Gefahr, dass man die Musiker je nachdem überschätzt oder unterfordert. Dann geht die Motivation schnell verloren. Früher übrigens gab es noch landauf, landab Dancings und Tanzlokale. Da konnte man sich problemlos durch die ganze Hitparade spielen und die Leute bestens unterhalten. So etwas gibt es heute in dieser Form leider nicht mehr. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir damals elf Monate pro Jahr ununterbrochen aufgetreten sind und nur einen Monat Urlaub gemacht haben. Das waren tolle Zeiten.

Konzerttourneen sind für manche Künstler mit Stress verbunden.
Wie gehen Sie heute damit um?

Klar gibt es, wenn ich etwa mit Udo Jürgens auf Tournee bin, Stress. Dieser spielt sich aber auf einem professionellen Level ab. Wir touren mit einem superneuen Bus, verfügen über ein hervorragendes Catering und checken in guten Hotels ein. Da ich sehr gerne reise und mich gern in Hotels aufhalte, hält sich der Stress in Grenzen. Zudem bin ich ein sehr interessierter Mensch und lerne gerne andere Leute kennen. Als grosser Tierfreund lasse ich zudem keine Gelegenheit aus, während der Tourneen Zoos und Tierparks zu besuchen. Auch heute noch macht es mir gros­sen Spass auf Tournee zu gehen. So leide ich eigentlich nicht unter Stress. Das war schon immer so.

Wie ist es denn um Ihre Gesundheit bestellt?
Ich schaue mehr zu meiner Gesundheit und gehe regelmässig ins Fitness. Nicht vergiftet, sondern in Massen. Da ich ein ausgesprochener Gourmet und manchmal halt auch ein Gourmand bin, habe ich gelernt, mehr Disziplin zu entwickeln. Ich habe zudem nie geraucht und Alkohol nur eingeschränkt und massvoll genossen. Heute gilt für mich: Lieber ein hervorragender Wein, den man nicht gleich gläserweise trinkt.

Sie tragen ein Hörgerät. Weshalb?
Ich bin zwar regelmässig zum Hörcheck
gegangen, habe aber längere Zeit ignoriert, dass ich unter Abnützungserscheinungen leide. Auf der Bühne spielt das keine Rolle. Wenn man aber in Gesellschaft ist, ist es lästig, wenn man plötzlich nicht mehr alles versteht. Heute sage ich mir, es wäre gescheiter gewesen, schon früher für Abhilfe zu sorgen. Wenn meine Frau und meine Töchter zu mir sagen, endlich hörst du wieder zu, ist das ein grosses Kompliment für mich. Dank dem Hörgerät, das man nicht einmal sieht, habe ich wieder mehr Lebensqualität gewonnen und schon manchen Freund in einer ähnlichen Situation davon überzeugen können, sich ebenfalls eine Hörhilfe anzuschaffen.

Sie haben es erwähnt: Kürzlich haben Sie zum zweiten Mal geheiratet und zwar eine wesentlich jüngere Frau. Heisst das, dass Sie sich mit 66 ebenfalls noch jung fühlen?
Das liegt weniger daran, dass meine Frau 23 Jahre jünger ist als ich. So gesehen reicht es sicher nicht, wenn Sie einfach eine jüngere Frau heiraten. Viel wichtiger ist eine gute und harmonische Beziehung. Ich sage immer wieder, eine tragfähige Beziehung ist das A und O für eine gute Gesundheit und ein erfülltes Leben.