Es werden Jahr für Jahr mehr Gelenkersatz-Operationen durchgeführt. Ist eine solche Operation zum Routineeingriff geworden?
Es ist sicher so, dass es in den Gros­sen Zentren ein Routineeingriff ist. Solche Eingriffe werden oft mehrmals täglich durchgeführt. Trotzdem kann man nicht von einer Banalität sprechen. Die Anforderungen für die Chirurgen haben bei den Eingriffen zugenommen. Heute operiert man wesentlich gewebeschonender. Das heisst aber auch, dass man viel präziser arbeiten muss.

Gibt es auch beim ­Einsetzen ­eines neuen Hüftgelenks eine ­minimal-invasive Operations­methode, die schonender ist als konventionelle Methoden?
Ja. Wir sprechen heute aber lieber von gewebeschonenden Eingriffen. Minimal-invasiv wird oft nur auf die Schnittlänge reduziert. Viel wichtiger ist aber, dass man möglichst wenig Gewebe verletzt. Besser ein etwas grösserer Schnitt und dafür bleiben die Sehnen und die Muskeln heil.

Was unterscheidet die ­minimal-invasive Methode von der konventionellen Technik?
Im Gegensatz zu herkömmlichen Eingriffen werden bei der minimal-invasiven Methode weder Sehnen noch Muskulatur durchtrennt oder gelöst. Gerade bei älteren Leuten ist diese Methode vorteilhaft. Diese Menschen verfügen nicht mehr über die gleichen Reserven. Je mehr bei einem Eingriff geschädigt wird, umso schwieriger wird die Regeration nach der Operation. Können auch Revisions­ein­griffe, beispielsweise der ­Wechsel der Prothese, mit der minimal-­invasiven Methode durchgeführt werden? Das kommt auf den einzelnen Fall an. Es ist sicherlich nicht immer möglich, aber auch hier machen wir Fortschritte. Diese Techniken müssen sich noch etablieren.

Welche Schwierigkeiten gilt es bei der minimal-invasiven ­Methode zu beachten?
Diese Eingriffe bergen grundsätzlich nicht mehr Risiken als andere Eingriffe. Im Gegenteil: Insgesamt sind die Risiken sogar kleiner. So verringern sich beispielsweise das Infektionsrisiko und die Schädigung der Gefässe. Dafür ist es technisch anspruchsvoller. Deshalb braucht es Chirurgen, die eine gewisse Routine für solche Eingriffe vorweisen können.

Gibt es bei älteren Menschen auch noch andere Möglichkeit bei einer beginnenden Abnutzung der Hüfte als ein Gelenkersatz?
Der Gelenkersatz sollte sicherlich der letzte Schritt sein, ist doch das eigene Gelenk immer noch das ­beste. Oft können Beschwerden auch mit einer guten Physiotherapie behandelt oder durch eine Gelenkspiegelung behoben werden. Letzterer Eingriff (auch Arthroskopie genannt) ist heute auch bei älteren Menschen möglich und wird auch zunehmend eingesetzt.