Max Frisch, Martin Suter und Urs Widmer – all ihre Werke passen in ein kleines mobiles Gerät. Und beim Lesen muss sich niemand mehr mit kleiner Taschenbuch-Schrift plagen, sondern kann das Schriftbild so vergrössern, wie es den Augen angenehm ist. Notwendig ist nur, die Bücher im Internet zu kaufen und herunterzuladen. Spezielle Lesegeräte, die an sich nichts anderes als kleine Computer sind und auf denen die Inhalte abgespeichert werden, dienen letztlich als elektronische Bücher. Diese bieten Raum für eine ganze Bibliothek, machen diese sogar reisetauglich und ermöglichen zudem, dass die Schriftgrösse der eigenen Sehstärke angepasst werden kann. Und immer mehr Menschen ziehen Elektronik dem Staubfänger vor: In den USA haben die e-books den Durchbruch schon geschafft. Der Online-Buch-Anbieter Amazon  gab schon im letzten Juli bekannt, dass bei ihnen erstmals mehr E-Books als gebundene Bücher verkauft wurden. Auch hierzulande wären die technischen Voraussetzungen gegeben, auch wenn der grosse Boom noch auf sich warten lässt: Die Lesegeräte, auch E-Reader genannt, sind in immer grösserer Auswahl erhältlich. Und das deutschsprachige Angebot an E-Books in der Schweiz vergrössert sich beständig.

Verschiedene Technologien
Die meisten Geräte basieren auf der e-Ink-Technologie. Die elektronische Tinte auf den Bildschirmen ist echter Tinte auf dem Papier nachempfunden. In den Bildschirmen schwimmen kleine schwarze und weisse Pigmentkügelchen und durch gezielte elektrische Ladung werden entweder die weissen oder die schwarzen Kügelchen auf die obere Seite des Trägermediums gezogen. Die Vorteile: Die Geräte verbrauchen wenig Strom und auch bei Sonneneinstrahlung kann gelesen werden. Der Nachteil ist hingegen, dass bei den heute schon erhältlichen Geräten die Darstellung nur in Schwarz und Weiss erfolgt. Bald soll es jedoch E-Reader auf e-Ink-Basis in Farbe geben. Daneben sind verschiedene Tablet-Computer erhältlich, Mini-Computer, die die Funktion des E-Readers übernehmen können. Der bekannteste ist das iPad von Apple. Aber auch Samsung, Fujitsu, Toshiba, Archos, HP und andere haben vergleichbare Geräte im Angebot. Noch muss der Interessierte jedoch tief in die Tasche greifen, will er digital lesen: Die günstigsten E-Reader kosten bei Orell Füssli 279 Franken oder bei Thalia 189 Franken. Die Tablets sind noch etwas teurer, bieten dafür aber Funktionen wie reguläre Computerprogramme oder Internetzugang.

Angebot wächst beständig
Die Schweizer E-Book-Anbieter sind überzeugt, dass die elektronischen Bücher kurz vor dem Durchbruch stehen, denn die Downloadzahlen nehmen auch in der Schweiz zu. Bisher sind die grössten Anbieter für digitalisierte Bücher in der Schweiz Books.ch, Thalia.ch und Buch.ch. Orell Füssli hat bisher auf books.ch rund 195.000 E-Books, davon 20.000 deutsche Titel im Angebot. Thalia.ch und Buch.ch bieten in ihrem Sortiment von insgesamt 210.000 E- Books sogar 95.000 in deutscher Sprache an. Während man in Deutschland und in den USA im Apple-Store schon eine grosse Auswahl an Büchern findet, müssen die Schweizer noch hinten anstehen. In der Schweizer Version sind bisher nur rund tausend Bücher verfügbar, die dem Gutenberg Projekt entstammen – einer Internetbibliothek, die Bücher anbietet, deren Urheberrechte schon abgelaufen sind oder solche, die nie eines hatten. Generell ist das Angebotswachstum stark abhängig von Verlagen, die darüber befinden müssen, ob ihre Bücher auch als E-Book erscheinen sollen. Doch auch wenn E-Books in Zukunft Marktanteile gewinnen, werden sie wohl kaum reelle Bücher verdrängen. Eher ist ein Nebeneinander wahrscheinlich, wobei parallel zu den elektronischen Büchern die ‚echten’ Bücher bestehen bleiben. Denn die Lust am Lesen wird schliesslich durch die neuen Technologien beflügelt.