Beide Arten von Sprüchen – positive und negative – hört man oft über das Altern. Zweifellos bringt das Altern Herausforderungen mit sich, aber braucht es wirklich Mut, älter zu werden? Ist umgekehrt der Herbst des Lebens, das Alter, auch die Erntezeit, wo man die wohlverdienten Früchte pflücken kann?

Eine Frage der Ansicht und des Lebensstils

Beides kann richtig sein, alternativ oder auch kombiniert. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist in der Schweiz nicht nur die absolute Lebenserwartung, sondern die gesunde Lebenserwartung ohne erhebliche gesundheitliche Einschränkungen um mehrere Jahre gestiegen.

Für viele ältere Menschen ist insbesondere das frühe Rentenalter, vielfach sogar das hohe Alter, die Lebensphase mit dem höchsten psychologischen Wohlbefinden und der grössten allgemeinen Lebenszufriedenheit.

Gemäss Vergleichsstudien ist der Anteil glücklicher Menschen in der Schweiz auch und gerade im Alter höher als in allen anderen europäischen Ländern.

Auf der anderen Seite nehmen im Alter – manchmal bereits vor der Pensionierung, manchmal erst weit jenseits des Alters von 70 Jahren – gesundheitliche Beschwerden zu.

Diese können sich auf den Bewegungsapparat, auf die inneren Organe, auf die Sensorik, auf die Kognition oder auf die Psyche beziehen; im ungünstigsten Fall auf mehreres zugleich.

Einige Beschwerden lassen sich ursächlich behandeln, mit anderen muss man lernen, im Alltag umzugehen und sie mit menschlicher oder technischer Unterstützung zu kompensieren.

Auch für Gesundheitsförderung und Prävention ist es nie zu spät: Bewegung und eine gesunde Ernährung sind gerade auch im Alter wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten.

Vorbereitung auf die goldenen Jahre

Die Beiträge der vorliegenden Kampagne behandeln viele der skizzierten Aspekte: Welche gesundheitlichen Beschwerden sind im Alter häufig, wie kann man ihnen vorbeugen, sie behandeln oder mit ihnen umgehen?

Für das Dazugehören, für die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und die gesellschaftliche Beteiligung sind das Sehen, das Hören, aber auch Kompetenzen im Umgang mit neuen Kommunikationsmitteln zentral.

Wie kann man allfällige Verluste so kompensieren, dass die Funktion erhalten bleibt? Wie gelingt der Einstieg in die digitale Welt der Kommunikation – wenn man das überhaupt möchte und nicht absichtlich darauf verzichtet?

Lässt sich die eigene Umwelt – insbesondere die Wohnsituation – so umgestalten oder wählen, dass man den gewünschten Lebensstil (fort-)führen kann ohne unnötige Einschränkungen der Mobilität und der Selbstbestimmung?

Wie findet man erfüllende, sinngebende Aktivitäten nach dem Ausstieg aus dem Beruf, nach seinen eigenen, individuellen Präferenzen? Reicht das Geld, um sich im Alter so einzurichten, wie es einem behagt?

Und wie stellt man sich die letzte Lebensphase vor, wie möchte man sterben, was möchte man wem hinterlassen – in materieller und immaterieller Hinsicht?

Lebenszufriedenheit

Die eingangs erwähnte hohe Lebenszufriedenheit im Alter weist darauf hin, dass viele alternde Menschen solche Herausforderungen gut bewältigen. Dies kann Folge von Neubeurteilungen und Neuorientierungen sein: Welche Aktivitäten und Sozialkontakte sind mir wirklich wichtig, was möchte ich weiterführen, und was belastet mich eher und kann künftig unterbleiben?

Welche bestehenden oder neuen Kompetenzen benötige ich für einen zufriedenstellenden Alltag? Wie kann ich diese trainieren oder erlernen? Mit wem zusammen möchte ich das tun, wer hilft mir dabei? Kann ich Aufgaben, die mir schwerer fallen, von anderen erledigen lassen, oder gibt es Geräte, die mir dabei helfen?

Nicht zuletzt hängt die Lebenszufriedenheit vom Verhältnis zwischen Ansprüchen und Erwartungen auf der einen und Einschätzungen der eigenen Person und Situation auf der anderen Seite ab.

Ein solcher Vergleich findet nicht isoliert und statisch statt, sondern beinhaltet auch Vergleiche mit anderen sowie Anpassungen auf Ebene der Situation und der Erwartungen. Lebenssinn im Alter als Basis der «goldenen Jahre» ist etwas sehr Subjektives und zugleich Soziales.