In der Schweiz sind rund 30 000 Personen nach ihrem 50. Altersjahr auf Stellensuche und haben oftmals kaum mehr eine Chance, sich in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Dabei kann die Wirtschaft von der Generation 50+ und ihrem Erfahrungsschatz profitieren. «In der reiferen Generation steckt grosses Potential. Leider sind viele Unternehmen heute sehr zurückhaltend in der Anstellung älterer Personen», sagt Markus Blättler, Leiter Passerelle 50plus und Mitglied der Geschäftsleitung der Stiftung Speranza. Diese Zurückhaltung resultiert häufig aus Unsicherheiten seitens der Unternehmen. «Oftmals wird die Leistungs-, und Lernfähigkeit der älteren Bewerber hinterfragt. Auch die Gesundheit und die höheren Kosten sind natürlich Hürden, die bei der Einstellung einer reiferen Person eine Rolle spielen.» Am Ende sei es aber schlicht eine Einstellungssache, ob ein Unternehmen älteren Menschen eine Chance für den beruflichen Neuanfang gibt.

25 Prozent aller Erwerbslosen sind 50plus
Für die Menschen hinter den Bewerbungen ist die Situation sehr belastend und manchmal gar aussichtslos. «Wenn auf 150 Bewerbungen nur Absagen folgen, nagt das massiv am Selbstwertgefühl. Und tatsächlich landen diese Menschen häufig in der Langzeitarbeitslosigkeit», sagt Blättler. Das Paradoxe daran ist sicherlich, dass es in Zukunft einen Mangel an Arbeitskräften geben wird und die ältere Generation gebraucht wird. «Die demografische Entwicklung zeigt, dass wir am Anfang einer neuen Phase stehen. Die unter 45-jährigen und insbesondere die neu ins Erwerbsleben Tretenden werden knapper. Die fehlenden personellen Ressourcen werden vor allem durch die Älteren gedeckt werden ­müssen.»

Standortbestimmung ist wichtig
Wer mit 50plus arbeitslos wird, sollte denn als Erstes ein Ressourcenprofil erstellen, rät Blättler. Dabei sollte man sich ehrlich folgende Fragen stellen: Wo sind meine Stärken, wo meine Schwächen? Wo stehe ich beruflich? Welche Kompetenzen und Erfahrungen habe ich? Was will ich wirklich und welche Möglichkeiten bestehen, diesen Wünschen möglichst nahe zu kommen? Erst wenn man weiss, wo Defizite bestehen, kann man auch Weiterbildungen in Angriff nehmen. «Wichtig ist, dass man sich Neuerungen, auch in technischer Hinsicht, nicht verschliesst. Man muss am Ball bleiben und die Bereitschaft zeigen, sich neues Wissen anzueignen.» Eine Beratung durch das RAV ist in dieser Situation zentral.