Die Auswahl an Immobilien ist derzeit gross. Zudem befinden wir uns bei den Zinsen auf einem historischen Tiefpunkt: 10-jährige Festhypotheken werden unter 1,5 Prozent angeboten. Als Eigentümer ist man folglich auf der sicheren Seite, sollte man meinen. Wohneigentum ergänzt, ersetzt aber keine Rente, betont demgegenüber der Finanzplaner Reto Spring. «Die regulatorische Verschärfung bei der Hypothekarvergabe hat zwar keine unmittelbaren Folgen für bestehende Kreditnehmer. Allerdings kann es bei der nächsten Verlängerung, Anpassung oder der geplanten Aufstockung unliebsame Überraschungen geben.»

Demografische Entwicklung

Trotz «goldener» Zeiten scheitern viele Interessenten beim Erwerb von Immobilien. Knackpunkte sind die erhöhten Anforderungen an Eigenmittel und die raschere Amortisation. Hinzu kommt, dass Banken keine Risiken mehr bei Bewertungen eingehen wollen und die Preise äusserst konservativ einschätzen. Das führt dazu, dass Käufer verunsichert sind. In der Schweiz wohnen 45 Prozent der Rentner im Eigenheim. Und sie erfreuen sich aktuell noch immer eines sicheren Einkommens. Wer sich deshalb auf der Sonnenseite wähnt, könnte bei der Neubeurteilung rasch auf dem harten Boden der Realität landen. Für Banken sind gesicherte Einkommen massgebend und zwar auf der Zinsbasis von 5 Prozent. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, von der die Pensionskassen betroffen sind: Diese weisen, zusammen mit der AHV, für das Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von über 110 Milliarden Franken auf. Vier gescheiterte Reformpakete in den letzten 10 Jahren stimmen zudem auch nicht gerade optimistisch, dass die nötigen Veränderungen rasch angegangen werden.

Frühzeitig planen

Somit bleibt es dem Immobilien-Besitzer überlassen, die Finanzierbarkeit auch vor diesen Aspekten überprüfen zu lassen und durch langfristige Planung frühzeitig Massnahmen einzuleiten. Diese Standortbestimmung kann zusätzlich dazu beitragen, zu eruieren, ob die Wohnsituation auch künftigen Bedürfnissen Rechnung trägt und ob die Nachlassregelung wunschgemäss getroffen wurde. Vorsorge-Auftrag und Patienten-Verfügung sind diesbezüglich die entscheidenden Stichworte, damit auch in Zukunft gilt: «Ich bestimme, was mit mir passiert.»

Optimierungspotenzial

Wer noch 10 bis 15 Jahre Arbeitsleben vor sich hat und mit 6,8 Prozent Umwandlungssatz und 3 Prozent Zins rechnet, tut gut daran, eine Zweitmeinung von einem Spezialisten einzuholen, empfiehlt Spring. «Mancher gibt sich der Illusionen hin, dass er genügend gespart hat. Nach 60 ist es indes oft zu spät, Korrekturen vorzunehmen, weil kein Spielraum mehr vorhanden ist, Vorsorgelücken zu schliessen.» Zudem besteht heute oft der Wunsch nach mehr Flexibilität beim Übertritt in den Ruhestand. Bei knappen Finanzmitteln ist diese aber stark eingeschränkt, dazu kommen die Unwägbarkeiten des Arbeitsmarkts. «Das grösste Optimierungspotenzial liegt vorwiegend bei der Pensionskasse und der dritten Säule», erläutert Reto Spring. Das 3a-Sparen sollte soweit möglich immer voll ausgeschöpft werden. Einkäufe in die zweite Säule können vor allem in den letzten Jahren vor der Pension grosse steuerliche Vorteile bieten: Eine gestaffelte Einzahlung reduziert das steuerbare Einkommen und die Einkäufe erhöhen die lebenslange BVG-Rente. Allerdings gilt es, zuvor den Zustand der eigenen Pensionskasse zu prüfen.

Vertrauen wieder aufbauen

«Geld ist zwar nicht alles. Aber ohne Geld ist alles nichts», gibt Reto Spring zu bedenken. Viele freuen sich in unserer schnellleben Zeit auf das «Alters-Geschenk». Man hat mehr Zeit für sich und für die Familie. Eine individuelle und weitsichtige Finanzplanung legt den Grundstein für den Wohlstand, insbesondere im Alter. Das sei das A und O bei der Vorsorge, sagt Spring. «Dann kann man sich auf den dritten Lebensabschnitt freuen.» Was das Altersguthaben betrifft, muss man sich aber auf die Banken verlassen können. Dazu braucht es das entsprechende Vertrauen. Und dieses, so Spring, müsse sich die Finanzbranche erst wieder verschaffen.