Besitzen Sie ein E-Reader, Herr Németh?
András Németh: Ja, und zwar vier verschiedene. Ich muss schliesslich testen, was auf dem Markt ist. Als Vielleser schätze ich ein leichtes und handliches Gerät, auf dem das Schriftbild von guter Qualität ist. Daneben kaufe ich aber nach wie vor Bücher. Jedoch eher schöne Bildbände und gebunden Ausgaben, kaum noch Taschenbücher.

Droht Ihren dasselbe Schicksal wie der Musikbranche?
Das Beispiel der Musikbranche liegt wie ein Mahnmal in der Luft. Es muss unserer Branche gelingen, die Fehler nicht zu machen, die in der Musikbranche passiert sind. Wir sind auf gutem Weg. Es entsteht ein Markt, noch bevor die Piraterie überhand nimmt. Die Zahlbereitschaft für gut strukturierte Inhalte und den sicheren und einfachen Zugang ist vorhanden. Innerhalb eines Jahres haben sich ausserdem die Gerätepreise halbiert und das Angebot ist stetig gewachsen.
 
Glauben Sie, dass Software das traditionelle Buch ersetzen kann?
Nein, dass Buch wird durch E-Books nicht verdrängt, sondern ergänzt. Bücher haben eine sehr hohe Wertschätzung bei Lesern.
Ist das E-Book die höchste ­Verkörperung der Wegwerfgesellschaft?
E-Books sind ein Ausdruck davon, dass man jederzeit von überall her Zugang zu Informationen und Unterhaltung haben möchte. Dies ist ein Megatrend, der das Leben vereinfachen wird, gleichzeitig aber neue Herausforderungen bringt.

E-Books imitieren lediglich Altbewährtes mittels neuer Technologie. Wäre es nicht sinnvoller Neues zu schaffen?
Jedes neue Medium hat zunächst die Regeln und Usanzen des alten Mediums kopiert. Es wird eine neue Form von E-Books geben. Erste Experimente gibt es bereits. Beispiele wären Musikuntermalung von Textstellen, kleine Videos innerhalb des Textes und Verlinkungen.
 
Was würde für Sie persönlich der Verlust des Buchs bedeuten?
Eine Welt ohne Bücher wäre eine Katastrophe. Früher wurden Menschen verbrannt, weil sie bestimmte Bücher geschrieben haben und es gab Zeiten, da wurden Bücher verbrannt. In Büchern steckt die unbestechliche Kraft des menschlichen Geistes. Und im Gegensatz zu digitalen Dateien, können sie nicht geändert, gefälscht oder versehentlich gelöscht werden.