Dr. med. dent. Jens Tartsch
Zahnmediziner in Kilchberg/ZH

Gerade im fortgeschrittenen Alter spielen gesunde und intakte Zähne eine gros­se Rolle, denn sie tragen zu einem guten Wohlbefinden und zur Erhaltung der Gesundheit bei. Zudem möchten auch ältere Menschen auf ihr Umfeld attraktiv wirken. Wer über schlechte Zähne oder sogar über eine Zahnlücke verfügt, empfindet dies meist als beschämend und meidet oft soziale Kontakte. Implantate, das heisst «künstliche Zahnwurzeln» aus Titan oder Keramik, können heute fehlende Zähne auch im Alter ersetzen. «In der Zahnmedizin kommen Implantate als künstliche Zahnwurzeln in den letzten Jahren immer mehr zum Einsatz. Sie gelten als erprobtes Standardverfahren für den Ersatz fehlender Zähne», sagt  Zahnmediziner Jens Tartsch. Gemäss einer aktuellen Studie der Universität Basel liegt die Erfolgsquote über einen Zeitraum von 10 Jahren bei mindestens 98,5 Prozent. Besonders wichtig für diesen Langzeiterfolg sind gute Pflege und Reinigung der Implantatzähne zuhause sowie regelmässige Nachkontrollen beim Zahnarzt mit Dentalhygiene (am besten 2 Mal pro Jahr).

Gesunde Zähne unangetastet
Eine Zahnimplantation ist dann möglich, wenn das Knochenwachstum abgeschlossen ist, das heisst etwa ab dem 20. Lebensjahr. «Es sollte jedoch genügend Kieferknochen von guter Qualität vorhanden sein, um aufwändigere Massnahmen zur Knochenneubildung zu vermeiden und die Belastung für den Patienten möglichst gering zu halten. Ebenso muss der Patient gesund sein und eine gute Mundhygiene möglich sein», erläutert Tartsch. Ist dies der Fall, existiert keine Altersbegrenzung nach oben. Einschränkungen gibt es allenfalls bei bestimmten Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder Osteoporose. Auch bei starken Rauchern muss die Indikation für Implantate sorgfältig eruiert werden.

«Der Ersatz fehlender Zähne durch Implantate ist heute ein fester Bestandteil der Zahnmedizin.»

Mussten früher, wenn ein einzelner Zahn fehlte, gesunde Nachbarzähne beschliffen werden, um eine Brücke zu befestigen, so wird heute in der Regel nur der fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt. Die gesunden Zähne bleiben dabei unangetastet. Wenn die hinteren Zähne auf einer oder auf beiden Seiten fehlen, kann in den meisten Fällen mit Implantaten eine herausnehmbare Prothese vermieden werden. «Beim zahnlosen Kiefer können schon zwei Implantate eine lockere Prothese fest fixieren. Im Idealfall ist sie sogar überflüssig», betont Tartsch. «Wieder fest in einen Apfel beis­sen oder eine frische, knusprige Brotrinde essen zu können, bedeutet nicht nur im fortgeschrittenen Alter ein Plus an Lebensqualität.»

Extrem bruchfest
Wegen der guten Körperverträglichkeit wird bei den Implantaten heute Titan verwendet. «Die ausgezeichnete Biokompatibilität, das heisst die Verträglichkeit mit dem Organismus, macht dieses Material zum favorisierten Werkstoff in der Implantat-Medizin», sagt Jens Tartsch. Es werde vom Körper ohne Abstossungsreaktionen akzeptiert, da Titan an seiner Oberfläche sofort eine schützende Oxidschicht bildet, welche einen direkten Kontakt des Metalls mit dem Körper verhindert. Auch eine echte Allergie auf Titan ist extrem selten. Nach neuesten Erkenntnissen scheinen individuelle Unverträglichkeitsreaktionen auf Titan zwar eine Rolle zu spielen, die jedoch bereits im Vorfeld getestet werden können. Als Material der Zukunft für metallfreie Versorgungen oder bei Unverträglichkeiten gilt gemäss Tartsch Keramik. Bereits in den 1970er-Jahren gab es die ersten Keramik-Implantate. Auf Grund hoher Verlustraten durch unzureichende Materialien spielten sie kaum eine Rolle. «Durch die Werkstoffverbesserung von Keramik sind seit kurzem aber neue und sehr stabile Implantate aus spezieller Zirkonoxid-Keramik verfügbar», so Jens Tartsch. Sie gelten als extrem bruchfest. Ein weiterer Vorteil der Keramikimplantate liegt in der Zahnfarbe. Ein leicht dunkles Durchschimmern des Implantats, wie dies bei Titanimplantaten vereinzelt möglich ist, kann ausgeschlossen werden. Zudem haben die neuen Keramikimplantate durch eine besondere Oberflächen- und ihre zweiteilige Gestaltung nicht nur ideale Bedingungen für das Einwachsen im Knochen, sondern auch ein gutes Weichgewebsverhalten, was sich an der Durchtrittsstelle des Implantats von Vorteil erweist. In Verbindung mit Vollkeramik-Kronen können heute Zähne komplett metallfrei und festsitzend ersetzt werden.

Verwachsen und eingeheilt
Bei der Behandlung in der Zahnarztpraxis wird zunächst in einem kleinen chirurgischen Eingriff das Zahnfleisch schonend eröffnet. Wie eine Schraube in der Wand wird danach das Implantat im Knochen verankert. Innerhalb von 8 bis 12 Wochen ist das Implantat in der Regel fest mit dem Knochen verwachsen und eingeheilt. Nach einem Abdruck und der Herstellung im Labor kann die neue Krone eingesetzt werden. Ein Implantat hat in seiner zylindrischen Form einen gewissen Durchmesser. Ist der eigene Knochen schmaler oder sind andere Defekte vorhanden, muss zunächst neuer Knochen geschaffen werden, damit die Implantat-Oberfläche vollständig im Knochen verankert werden kann. Diesen Knochenaufbau nennt man Augmentation. Der fehlende Anteil an Knochen wird mit eigenem Knochen aus der Umgebung oder mit künstlichem Knochen aufgefüllt und mit einer Kollagenmembran als Schutz abgedeckt. Der grosse Vorteil dieser Behandlungsmöglichkeit besteht darin, dass der künstliche Knochen und die Membran vom Körper abgebaut und innerhalb von 3 bis 6 Monaten grösstenteils durch eigenen Knochen ersetzt werden.