Es scheint, dass dem verbreiteten Bild widersprochen werden kann, das das Alter als Zeit der Schwäche oder des Leids zeichnet. Ist es allenfalls gar ein Paradies der Zufriedenheit? Tatsache ist sicherlich, dass es eine grosse Vielfalt gibt im Alter. Wie zufrieden sind ältere Menschen mit ihrem Leben?

Die Antwort auf diese Frage hängt auch davon ab, wie man «Alter» definiert. Gibt es jemanden, der sich mit 60 Jahren wirklich als «alt» bezeichnet? Eher nein. Die heutigen Senioren sind körperlich und geistig jünger als ihre Vorgängergenerationen – dies ist sicherlich dem medizinischen Fortschritt und dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein zu verdanken.

Wann beginnt denn das Alter? Fängt das eigentliche Alter erst mit 70, 80 Jahren an? Sinkt in diesen Lebensjahren die Zufriedenheit leicht ab?

Eine allfällige Erklärung wäre allenfalls ein schlechterer Gesundheitszustand, damit verbunden mit abnehmender Selbstständigkeit zu erklären. Aber auch im hohen Alter gibt es viele Menschen, die glücklich sind mit ihrem Leben.

Verändert sich das «Glücklichsein» mit dem «Älterwerden»? Ich bin überzeugt, dass die Zufriedenheit im Laufe des Lebens recht stabil bleibt. Wer mit 80 Jahren ein glücklicher Mensch ist, war das wahrscheinlich auch schon mit 30 Jahren. Selbst Krisen können dem wenig anhaben. Leider gibt es in diesem Zusammenhang noch zu wenig Antworten aus der Forschung.

Trotz dieser persönlichen Glücks-Konstante hängt es von mehreren Faktoren ab, wie glücklich oder unglücklich jemand seinen Lebensabend erlebt. Dabei kommt es neben körperlicher und geistiger Gesundheit vor allem darauf an, die eigenen Lebensumstände anzunehmen und sein Leben selbstbestimmt zu führen.

Entscheidungen selbst treffen?

«Während Jüngere eine produktive Unzufriedenheit antreibt, haben Ältere gelernt, was sich ändern lässt und was nicht»

Selbstbestimmtheit bedeutet, dass ein Mensch eigenständig die für ihn relevanten Entscheidungen treffen kann. Diese Fähigkeit ist sehr wichtig für die innere Zufriedenheit, wissen Gerontologen. Oft ist sie das Letzte, was bleibt. Im Alter scheint die Selbstbestimmtheit aber zunehmend bedroht zu sein.

Es gibt Tendenzen, die ältere Generation zu bevormunden (KESB, Fahrausweisabgabe und vieles mehr). Weiter sind es Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit, die sie einschränken. Diese Angst vor diesem Verlust kann zu Unzufriedenheit führen.

Eigene Erwartungen zu hoch?

Eine wichtige Eigenschaft ist eine gewisse Gelassenheit, die das Alter oft mit sich bringt. «Während Jüngere eine produktive Unzufriedenheit antreibt, haben Ältere gelernt, was sich ändern lässt und was nicht», sagt ein Gerontologe. Diese Akzeptanz führt dazu, dass es immer besser gelingt, Ansprüche und Möglichkeiten einander anzugleichen – und damit letzten Endes mehr Zufriedenheit zu erlangen.

Wie vorteilhaft es bisweilen ist, die eigene Erwartungshaltung herunterzuschrauben, konnten Altersforscher selbst in einer Studie feststellen, die im März 2013 veröffentlicht wurde. Dieser zufolge blicken ältere Erwachsene über 60 Jahren nicht nur weniger optimistisch in ihre Zukunft als jüngere.

Mit dem Leben im Reinen?

Ist ein vorsichtiger Blick in die Zukunft oft von Vorteil, scheint ein positiver Rückblick auf das bisherige Leben ebenfalls wichtig für die individuelle Zufriedenheit. Wahrscheinlich jeder kennt Situationen in seinem Lebenslauf, bei denen er sich heute anders entscheiden würde. Wichtig ist, dennoch unter dem Strich eine positive Bilanz zu ziehen und nicht verpassten Gelegenheiten nachzutrauern.

Lässt sich Glücklichsein im Alter erlernen?

Wie gelassen jemand sein Leben und die eigenen Umstände akzeptiert, ist vor allem eine Charakterfrage. Einige bringen diese Einstellung von sich aus mit, andere nicht. Und nicht jeder, der diese Eigenschaften nicht besitzt, wird sie sich vollständig aneignen können.

Es lohnt sich aber, daran zu arbeiten: «Ein gutes Leben im Alter geschieht nicht einfach von allein, sondern ist auch eine besondere Leistung, die uns etwas abverlangt.»