Wir möchten hier keine ideologische Debatte anstossen, aber auf einige demografische und soziale Gegebenheiten in unserem Land aufmerksam machen:

  • Die Erwerbtätigkeit der Mütter entspricht 78,8 Prozent. Dies bedeutet, dass heute vier von fünf Frauen arbeiten!
  • Seit einigen Jahren besuchen mehr Frauen als Männer die Hochschule.
  • Die Arbeitgeber beklagen sich über einen Mangel an qualifizierten Fachkräften.
  • Man schätzt, dass sich der Verlust, der durch die fehlende Nutzung der Kompetenzen der Frauen resultiert, sich in der Schweiz auf 25 Milliarden Franken pro Jahr beläuft.
  • Mit einer Geburtenrate von aktuell 1,51 Kindern pro Frau kann die Erneuerung der Generationen nicht sichergestellt werden.
  • Die Scheidungsrate ist gestiegen (41 Prozent) und hat zur Konsequenz, dass immer mehr Frauen ihre Erwerbstätigkeit erhöhen müssen. Dies bedeutet, dass insbesondere Frauen verstärkt mit den Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie konfrontiert sind.
  • Immer mehr Haushalte sind auf zwei Einkommen angewiesen.

In der Debatte um die Familienpolitik können diese Aspekte nicht ignoriert werden. Es ist wichtig, eine Politik zu fördern, die das Nebeneinander von Beruf und Familie erlaubt. In der Realität ist dies jedoch schwierig, weil die Rahmenbedingungen dazu oft fehlen.

Die öffentlichen Ausgaben für Kindertagesstätten in der Schweiz sind beispielsweise bescheiden und belaufen sich lediglich auf 0,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (Schweden investiert 0,88 Prozent).

Das Angebot an Tagesbetreuungsstrukturen variiert von Kanton zu Kanton stark

Das Angebot an Tagesbetreuungsstrukturen variiert von Kanton zu Kanton stark. Grosse Städte, wie Genf oder Zürich, haben viel höhere Quoten als zum Beispiel Städte in der Zentralschweiz. Auch die Finanzierung in den einzelnen Kantonen unterscheidet sich stark. In der Stadt Zürich entspricht die Unterstützung zugunsten der Eltern 66 Prozent, im Kanton Waadt dagegen nur 38 Prozent.

In Ländern wie Deutschland, Österreich oder Frankreich liegt die Familienunterstützung zwischen 14 und 25 Prozent. In diesem Zusammenhang gilt es, auch die positiven pädagogischen Aspekte einer «Politik der Frühförderung» zu erwähnen.

Leider bietet das Modell der Finanzierung von Tagesbetreuungsstrukturen keine Anreize für diejenigen Personen, die arbeiten. Frauen haben oft kein steuerliches Interesse daran, mehr als 60 Prozent zu arbeiten, da die Erhöhung der Erwerbstätigkeit auf 80 bis 100 Prozent progressiv Mehrkosten verursachen kann.

Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird von manchen Unternehmen als Mehrkosten und/oder administrativer Mehraufwand wahrgenommen.

In zwei Studien, die bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie Grossunternehmen durchgeführt wurden, kann man jedoch nachlesen, dass die umgesetzten Massnahmen gleichzeitig zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zu einer Erhöhung der Produktivität und Rentabilität geführt haben. Eine dieser Studien erwähnt einen «Return on Investment» von acht Prozent.

Wir möchten dieses Editorial nicht abschliessen, ohne einen zweiten Schwerpunkt für die zukünftige Familienpolitik zu erwähnen, der in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird: die intergenerationelle Solidarität.

In unserer Gesellschaft leben heute manchmal vier Generationen zusammen. Daraus stellt sich eine bedeutende Frage: Sind wir uns dessen bewusst, dass wir das Leben von älteren Angehörigen in Zukunft aktiv mitgestalten und mitfinanzieren müssen? Pro Familia Schweiz wird am 15. Mai eine nationale Tagung zu diesem Thema organisieren.