Die digitale Arbeitsumgebung ist eine Realität. Sie prägt die Wissensvermittlung, den Arbeitsrhythmus, die Effizienz und ist Teil der Wertschöpfung. Die digitale Arbeitswelt wird spätestens ab 2020, wenn die Baby-Boomer-Generation durch die Digital Natives in den Führungsetagen abgelöst wird, eine neue Unternehmenskultur hervorrufen.

Neue Arbeits- und Kommunikationsformen

Die Vorteile dieser Digitalisierung der Arbeitswelt liegen auf der Hand: Neue Arbeitsformen und Kommunikationswege, gesteigerte Orts- und Zeit-Flexibilität prägen den Alltag vieler Menschen. Die Digitalisierung wird von der grossen Mehrheit der Mitarbeitenden denn auch geschätzt, wie verschiedene Studien belegen. Doch diese erhöhte Flexibilität hat wie jeder Januskopf zwei Seiten: Die modernen Kommunikationsmittel erleichtern unseren Erwerbsalltag, führen aber zu einer permanenten Erreichbarkeit auch ausserhalb der regulären Erwerbszeit.

Verwischte Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben

Die klare Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben verwischt sich für eine wachsende Zahl von Erwerbstätigen. Somit verlieren die früheren klaren kulturellen Muster, wie Arbeit und Familie organisiert sein sollen, ihren Stellenwert. Die komfortable Trennung zwischen Berufsalltag und Privatleben verschwindet zusehends. Stress scheint allgegenwärtig zu sein. Stress erfahren jedoch längst nicht alle nur als eine positive Beanspruchung, die Energie freisetzt, sondern auch als belastend, namentlich durch die Mehrfachbelastung als erwerbstätige Eltern oder als erwerbstätige pflegende Angehörige.

Work-Life-Balance

Angesichts der demografischen Herausforderungen wächst zunehmend auch der Druck auf die Erhöhung des Erwerbspotenzials der Frauen oder auf ihren Wiedereinstieg in den Berufsalltag. Beides erfordert ein gesellschaftliches und unternehmerisches Umdenken. Es braucht eine gelebte partnerschaftlich orientierte Unternehmenskultur, in welcher auch Männer/Väter ihre Erwerbszeit reduzieren können und Frauen mit höheren Teilzeitstellenpensen Zugang zu Weiterbildung und Karriereoptionen haben. Die so vorhandene Kompetenzvielfalt setzt ferner voraus, dass zunehmend die Präsenzzeit durch die Vertrauensarbeitszeit ergänzt wird. Diese muss Auswirkungen auf die Unternehmenskultur, auf die betriebsinterne Zusammenarbeit und auf das Führungsverhalten haben. Ziel jeder Arbeitszeitgestaltung sollte es sein, über alle beruflichen Lebensphasen hinweg eine gute Work-Life-Balance zu ermöglichen. Daher braucht es nebst neuen Arbeitszeitmodellen mehr familienergänzende Angebote für Kleinkinder, Einführung von Tagesschulen, Eltern-, Pflege- und Betreuungszeiten, Home-Office-Möglichkeiten, Teilzeitstellen auch für Väter sowie eine Unternehmenskultur, die kontinuierlichere Erwerbsverläufe ermöglicht. Es gilt weiter die Unternehmen und alle Mitarbeitenden zu sensibilisieren, der Weiterbildung aller grosse Beachtung zu schenken. Dies gilt auch für ältere Mitarbeitende, denn auch sie müssen mit aktuellen und arbeitsmarktfähigen Qualitäten ausgestattet sein.

Personalgewinnung- und bindung

Wir stellen fest – spätestens seit wir den Family Score, das dreisprachige Vereinbarkeitsbewertungstool für Mitarbeitende, lanciert haben (www.jobundfamilie.ch / www.familyscore.ch) –, dass die Kluft zwischen den Wünschen der Arbeitnehmenden und dem Angebot der Unternehmen nach wie vor bedeutend ist. Vereinbarkeit und Familienfreundlichkeit werden im Wettkampf um gute und qualifizierte Mitarbeitende aller Altersgruppen eines der wichtigsten Handlungsfelder der kommenden Jahre. Arbeitgeber, die dies erkannt haben, profitieren im Zeitalter des Fachkräftemangels von einer höheren Reputation als attraktiver Arbeitgeber und einer grösseren Innovationskraft. Sie wissen, dass sie der Personalgewinnung und -bindung eine hohe Aufmerksamkeit schenken müssen, und suchen heute nach Wegen und Lösungen, um den Bedürfnissen der jüngeren Generationen gerecht zu werden.