Befürworter argumentieren: Ohne anhaltende Bemühungen bleiben viele Kinder und Jugendliche ohne Schutz und gefährden andere. Gegner kritisieren: Eine Pflicht zur Immunisierung wäre ein Eingriff in die Grundrechte. Seit Jahren tobt ein Glaubenskrieg rund um Impfungen für Kinder.

Die Gegner halten es für unnatürlich, dem Körper eine Infektion «vorzuspielen», wie das beim Impfen geschieht. Fürs Impfen spricht, dass es viel Leid erspart und kaum je negative Auswirkungen hat.

Bereits zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes müssen junge Eltern sich entscheiden: Sollen sie ihr Kind impfen lassen oder darauf verzichten?

«Das Problem dabei ist, dass diese Frage derart kontrovers diskutiert wird wie kaum ein anderes Thema der Medizin. Wer sich beispielsweise im Internet informieren will, wird bald einmal feststellen, dass dort unzählige Argumente für und gegen das Impfen zu finden sind, deren Stichhaltigkeit nur schwer zu beurteilen ist – ja, dass mit der Impffrage zum Teil ganze Weltanschauungen verknüpft sind», erläutert der Facharzt Jan Cahlik.

Bevor man sich für oder gegen das Impfen entscheidet, sei es sicher hilfreich, sich darüber zu informieren, wie eine Impfung überhaupt funktioniert und was sie im Körper auslöst.

Schäden nicht bekannt

«Das Prinzip einer Impfung ist so einleuchtend wie einfach: Man spritzt den Kindern den Krankheitserreger in abgetöteter oder stark abgeschwächter Form oder gar nur Teile von diesem und lässt das körpereigene Abwehrsystem seine Arbeit erledigen», erklärt Cahlik.

Das Abwehrsystem produziert in der Folge Antikörper gegen den Erreger und ist dann so bei einem möglichen Angriff durch einen krankmachenden Erreger bereits für die Abwehr gerüstet.

«Bevor man sich für oder gegen das Impfen entscheidet, sei es sicher hilfreich, sich darüber zu informieren, wie eine Impfung überhaupt funktioniert»

Da der Erreger im Impfstoff nie vermehrungsfähig ist, kann die Erkrankung durch eine Impfung höchstens in einer sehr milden und ungefährlichen Form ausgelöst werden.

Tatsache ist: Eine Krankheit durchzumachen ist unvergleichbar risikoreicher als eine Impfung. Vom Impfen abzuraten ist nur dann, wenn bekannt ist, dass eine Allergie auf Inhaltsstoffe besteht.

Bei fiebrigen Erkrankungen sollte der Impftermin vorsichtshalber verschoben werden. Ausgeprägte unerwünschte Wirkungen durch Impfungen sind eher selten, bleibende Schäden heutzutage nicht mehr bekannt.

Impfungen nicht verdammen

Krankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung waren früher gefürchtet und haben viele Menschenleben gekostet.

Heute sind sie durch die Impfungen sehr selten geworden. Gleichzeitig wissen die meisten von uns nicht mehr, wie schwer der Krankheitsverlauf sein kann.

Vielen ist zum Beispiel nicht bekannt, dass die Masern schwerste Lungenentzündungen und lebensgefährliche Hirnentzündungen zur Folge haben können.

Auch in der Schweiz kommt es wegen unterlassener Impfungen immer wieder zu kleinen Epidemien, in deren Folge regelmässig Kinder wegen Komplikationen ins Spital eingeliefert werden müssen.

«Zwei Spritzen im Kleinkindalter könnten das verhindern», betont Cahlik. Impfungen sind also nicht zu verdammen. Vielmehr sind sie eine äusserst erfolgreiche Errungenschaft der Medizin, die seit ihren Anfängen Ende des 18. Jahrhunderts Millionen von Kindern und Erwachsenen vor schweren Krankheiten wie Pocken bewahrt hat.

Eine gute Impfquote trägt entscheidend dazu bei, dass gefährliche Krankheiten eingedämmt werden können. Sinkt hingegen die Durchimpfungsrate, so kommen die Erkrankungen schnell wieder zurück und bringen unter anderem Menschen in Gefahr, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Schwangere oder Menschen mit einer Immunschwäche.