Stéphanie Berger, heute sind Sie hauptsächlich als Comedian unterwegs. Waren Sie schon immer lustig?

Stéphanie Berger: Ich war schon früher der Klassenclown, später ging das so weiter. Erst der Missen-Titel bremste mich aus. Da ging es nicht mehr ums Lustigsein.

Der Titel als Miss Schweiz bremste Sie aus? War er nicht die Startrampe für Ihren Erfolg?

Kann eine Miss lustig sein? Das fragen sich doch viele. Deshalb  nein. Auf der anderen Seite öffnen sich durch meine Bekanntheit die „Medientüren“ sicher einfacher. Ich bin aber überzeugt, dass ich auch ohne den Titel auf der Bühne stehen würde. Comedy und die Bühne – das ist meine Stärke, hier liegt mein Talent. Dafür habe ich auch hart gearbeitet.

Also ist  Comedy nicht nur Talent, sondern auch Arbeit?

Oja! Klar, man muss grundsätzlich lustig sein. Taktgefühl und Timing haben, hemmungslos sein. Aber die Pointe richtig zu betonen, das passende Tempo zu haben, eine Bühne auszufüllen, das ist pures Handwerk.

Welchen Comedian finden Sie selbst richtig witzig?

Marco Rima. Sein Slapstick ist einfach nur grossartig. „Pleiten, Pech und Pannen“-Shows hingegen mag ich nicht. Da gehen die Lacher auf Kosten anderer, die sich weh tun, hinfallen oder blamieren.

Worüber haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?

Über meinen vierjährigen Sohn Giulien. Er ist neu im Kindergarten. Die anderen kannten sich schon und so war er anfangs nicht dabei in der Gruppe. Da wollte er von mir, dass ich mit den anderen Kindern rede, um ihn zu integrieren. Ich sagte ihm, er schaffe das schon ganz alleine. Da ging er zu den anderen und sagte: „Ihr dörfed mich nöd abschlüsse, das isch nöd nett!“ Ich habe mich kaputt gelacht.

Bringt Sie Ihr Sohn oft zum Lachen?

Ja, wenn er mich nachahmt oder Wörter verdreht.

Wann lacht Giulien über Sie?

Wenn ich ihm als „Stöff de Töff“ aus meinem neuen Programm «Höllelujah!» einen Rap vortrage.

Kennt er Ihr Comedy-Programm? Sitzt er jeweils im Programm?

Einmal durfte er mitkommen. Es war sein grosser Wunsch. Giulien liebt es, meine Perücken und Kostüme zu tragen.

Sie treten jeweils am Abend auf. Wer bringt Giulien ins Bett?

Da ich meist am Wochenende auftrete, passt das perfekt in den Plan. Mein Ex-Mann und ich teilen das Sorgerecht, von Donnerstag bis Sonntag ist Giulien bei ihm. Wenn er bei mir ist, bin ich für ihn da, wenn er ins Bett geht. Dann kriegt er von mir den Gutenachtkuss.

Weiss er denn, dass sein Mami berühmt ist?

Nein, und das ist auch gut so. Ich mache mir auch keine Sorgen, dass er später beneidet oder gefoppt wird. Er wächst ganz normal auf. Ich bin ein normales Mami, dass mit den anderen Müttern im Dorf gemeinsam lebt. Nicht anders oder besser.

Wie sieht denn ein gemeinsamer Tag mit Ihrem Sohn aus?

Wir verbringen viel Zeit draussen. Tollen herum, gehen auf den Spielplatz, fahren Rad. Zu zweit oder mit anderen Müttern und Kindern. Giulien liebt das Tramfahren. Shoppen langweilt ihn.

Zocken Sie auch zusammen an der Playstation?

Nein. Ich brauche Grünes, Natur, Erholung. Ich setze mich auch nicht hin und sage nur: „Los, geh du mal spielen!“ Wir bewegen uns zusammen, er lernt von mir die Leidenschaft für den Sport.

An den Gefahren der neuen Medien kommen aber auch Sie nicht vorbei. Wie wollen Sie Giulien im Umgang mit dem Computer erziehen?

Ich habe noch keine genaue Strategie. Ich kann nicht mehr tun, als ihm zu sagen, was ich gut finde und was nicht. Ich hoffe, er behält seine Freude am Sport und nicht nur am Surfen im Internet. Er geht übrigens schon ins Breakdance.

Sie sind Vegetarierin. Giulien auch?

Nein. Er weiss: Ich koche ihm kein Fleisch. Bei seinem Vater darf er gerne Fleisch essen. Im Restaurant mit mir auch. Ich schaue darauf, dass sich Giulien richtig ernährt. Zwiebeln und Aubergine mag er nicht, Broccoli aber schon.

Wie tickt Giulien denn?

Er ist liebevoll und selbstbewusst, kann sich gut selbst einschätzen. Er ist freundlich und nicht nervig. Aber manchmal braucht er mehrere Aufforderungen, bis er tut, was ich ihm sage. Wenn ich laut werde, sagt er: „Mami, bis bitte nöd luut.“

Sind Sie denn ein strenges Mami?

Ja! Ich erwarte viel von meinem Sohn. Ich lasse ihm aber auch Freiheiten. Ich sage ihm, was gut ist für ihn, aber er muss es dann selbst machen. Ob er die rote oder die blaue Jacke auswählt, überlasse ich ihm – aber ich bestimme, dass er eine Jacke anzieht.

Wann kommen Sie bei ihm an Ihre Grenzen?

In den ersten beiden Jahren war ich enorm gefordert, auch überfordert. Manchmal hätte ich ihn am liebsten zurückgegeben. Die Verantwortung ist einfach riesig, wenn man Kinder anständig grossziehen will.

Wie haben Sie es geschafft?

Ich habe mich an Experten gewendet, ging zweimal zur Erziehungsberatung.

Wow, bestimmt ein grosser Schritt, sich zu überwinden.

Nein, ich habe keine Mühe, Schwäche zuzugeben. Ich bin nicht anders als andere. Wer an die Grenze stösst, soll Hilfe in Anspruch nehmen. Giulien hat nur noch geschlagen und gebissen, ich wusste nicht mehr weiter. Ich wurde aggressiv, das ist nicht gut.

Fühlten Sie sich nicht als Versagerin?

Nein. Wer Schwäche zeigt, ist stark. Eine Versagerin wäre ich, wenn ich Gewalt angewendet hätte. Das ist keine Lösung.

Wünschen Sie sich eigentlich noch Geschwister für Giulien?

Hmm... Ich bin nun 37-jährig, zu spät wäre es noch nicht. Für mich ist ein Kind genug, Giulien hat auch noch nie nach einem Brüderchen oder Schwesterchen gefragt. Wobei ich sicher bin, dass er ein toller Bruder wäre. Er liebt Babys. Aber zurzeit bin ich eh Single. Bei einem neuen Partner, der noch kinderlos ist, könnte ich mir noch ein weiteres Kind vorstellen.

Kommt auch eine Patchwork-Familie infrage?

Sicher. Wer mit 37 Jahren Single ist, muss sich damit abfinden. Wobei, das klingt mir zu negativ. Patchwork-Situationen können einen grossen Mehrwert geben.

Als Giulien zur Welt kam, schrieben Sie auf Ihrer Website: „Endlich ist er da!“ Wie lautet die heutige Schlagzeile über Ihren Sohn?

„Mein grösster, wertvollster Schatz!“ Die bedingungslose Liebe zum eigenen Kind ist das Allerschönste, was es gibt.