Eine Familie zu gründen und musikalisch meinen Lebensunterhalt zu verdienen – so wollte ich schon immer mein Leben gestalten. Nun bin ich bereits seit 17 Jahren Vater, und genauso lange und ohne Unterbruch gehören Windeln auf die Einkaufsliste. Meine Frau und ich lernten uns mit 16 kennen, und unser Glück hält seit 20 Jahren an. Unsere Liebe ist der Grundstein für all das, was wir bis heute erlebten und erreichten. Inzwischen haben wir drei Söhne und fünf Töchter. Kein Wunder, gehören Sätze wie «Bitte nicht zu lange im Badezimmer verweilen» bei uns zum Alltag.

Als achtfacher Vater habe ich natürlich vieles erlebt: Schwangerschaften, Geburten, Kinderarztbesuche, Zeugnisse – das alles ist niemals zur Routine geworden, aber eine gewisse Ruhe und Gelassenheit gegenüber früher hat sich schon eingestellt. Ich habe im Lauf der Jahre die wichtige Erfahrung gemacht, dass jedes Kind, auch wenn man es identisch zu erziehen versucht, anders ist, eben ein Individuum. Schon die Geburt war bei jedem Kind unterschiedlich, wenn auch immer ein fantastischer Moment. Und natürlich gab es auch Überraschungen: Unsere Tochter «Eden» kam im Auto am Strassenrand zur Welt. Es war die sechste Geburt, und ich verspürte keine Spur von Routine. Im Gegenteil: So viel Adrenalin, Nervenkitzel, Freude und Angst in so kurzer Zeit – einfach unbeschreiblich schön, diesen Moment erleben zu dürfen.

«Wie schafft ihr das mit so vielen Kindern?»
Das werden wir häufig gefragt. Zum Glück bekommt man nicht am selben Tag acht Kinder, vielmehr wächst man langsam in die Elternrolle hinein. Das ist ja auch das Schöne: Schicksal und Überraschungen prägen das Leben, nichts ist selbstverständlich. Meine Frau und ich waren gerade knappe 20 Jahre alt, als unser Ältester zur Welt kam. Für uns war es selbstverständlich, dass man bescheiden leben, mit wenig auskommen und trotzdem miteinander glücklich sein kann. Ferien? Ein Fremdwort. Aber wozu Ferien, wenn man in einer Gegend wohnt, wo im Sommer täglich Ferienstimmung herrscht? Wir haben unser Leben so aufgebaut, dass wir uns an den kleinen Dingen erfreuen und Energie und Lebensmut tanken. Klar, wir mussten Wohnung und Auto der Familie anpassen, und wenn man es genau nimmt, ist unser Auto schon wieder zu klein, wenn wir alle auf einmal wegfahren möchten.

Alltag bei Familie Tschanz
Unsere Kinder jedenfalls kommen nicht zu kurz. Sie können Sport betreiben und musizieren. Avenches hat so viel zu bieten, sodass sie selbständig unterwegs sein können und wir nicht Taxidienst verrichten müssen. Fürs Musizieren reichen ein paar Treppenstufen, und schon sind sie in meiner Musikschule, die ich seit 15 Jahren leite. Ich habe das Glück, dass ich zu Hause arbeite, sodass ich meine Frau zwischen zwei Schülern im Haushalt oder mit den Kindern unterstützen kann. Wir sind zwar beschäftigt, aber auch beinahe immer als Eltern im Doppelpack zu Hause. Ich denke, wenn man die persönlichen Prioritäten im Leben kennt, ist vieles möglich. Familie und Musik sind mein Lebensinhalt, und die Tatsache, dass ich diese verbinden kann, macht mich glücklich!
Natürlich läuft nicht immer alles völlig reibungslos. Da war beispielsweise der Besuch im Europapark! Wir hatten mächtig Spass, aber ich muss sagen, es wäre viel einfacher gewesen, wenn die Kinder alle gleich alt wären. So aber hat jedes andere Interessen, und die Kleinen haben auch nicht überall Zutritt. Da sind zwei Erwachsene ganz schön gefordert. Aber das sind kleine Probleme, die gelöst werden können.

Musik und Kinder
Ich liebe mein Familienleben, das mich immer wieder inspiriert zu neuen Songs. Sicher mit ein Grund, dass meine Fangemeinde und die treusten Konzertbesucher selber Eltern sind. Eltern zu sein – davon bin ich überzeugt – ist wohl etwas vom Schönsten und Interessantesten im Leben. Jeden Tag gibt es etwas Neues, das uns fordert, überrascht und beglückt. Den Sinn meines Lebens brauche ich schon lange nicht mehr zu suchen. Er lebt bei mir zu Hause, und dies gleich neunfach.

Wenn ich werdenden Eltern einen Tipp auf den Weg geben darf, dann diesen: «Hört auf euer Bauchgefühl, verliert nicht den gesunden Menschenverstand, wenn ihr mit Ratschlägen überhäuft werden solltet, schliesslich wissen die Menschen um uns herum ja immer alles besser. Habt bloss keine Angst, Fehler zu machen, denn was sind schon Fehler? Nur Fehler, aus denen wir nichts lernen und die wir wiederholen, sind wirklich Fehler. Habt Mut zu entscheiden, denn ihr trägt die Verantwortung und ihr fühlt, was für eure Kinder am besten ist.»