Sandra Studer, welches sind für Sie die schönsten Facetten am Muttersein?

Ich bin ein Herdentier und finde es einfach schön, eine Familie um mich zu haben. Kinder inspirieren, fordern und lehren dich, vorgefasste Meinungen umzustossen. Zudem muss ich immer jemanden um mich haben, den ich herzen und knuddeln kann.

... aber manchmal können Kinder auch ganz schön anstrengend sein. Welches sind für Sie die grössten Herausforderungen bei der Kindererziehung?

Jedes Kind, auch wenn es aus demselben Stall kommt, hat seine eigenen Stärken, seine charakterlichen Ausprägungen, seine Schwachpunkte. Diese anzunehmen und positiv in die Erziehung einzubinden, empfinde ich jeden Tag als eine Herausforderung.

Kinder wollen Grenzen ausloten und daher brauchen sie manchmal auch sehr klare Leitplanken. Da ich nicht so gerne erziehe, empfinde ich das als eher anstrengend.

Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder Aufgaben im Leben finden, die sie erfüllen und glücklich machen.

Dass die Wärme einer Familie Boden gibt. Dass man Menschen um sich haben muss, denen man vertrauen kann und die man liebt. Und damit auch den Menschen ausserhalb des Familienkokons mit Respekt begegnen kann. Anstand und ein bisschen Demut sind mir wichtig, auch wenn die Begriffe aus der Mode gekommen sind. Kinder, die alles haben, sollen lernen, das auch wertzuschätzen.

Kinder, Karriere, Haus und Haushalt – daneben sehen Sie immer blendend aus ... wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Naja, manchmal ist der Hut wirklich nicht gross genug. Aber wenn es passt, ist es, weil ich einen Mann habe, der mit mir an einem Strick zieht, weil ich Unterstützung von Grossmüttern und Tanten habe und schliesslich eine Betreuungsperson da ist, die meine Kinder seit vielen Jahren kennt.

Aber auch bei mir geht manches schief, die Nerven liegen mal blank und meine Kinder könnten die Mama wohl ab und zu auf den Mond schiessen. Aber im Grossen und Ganzen ist es eine Sache der Organisation und der Motivation, sich Freiräume für einen Beruf zu schaffen, den man liebt.

Und welche Freiräume schaffen Sie sich, um aufzutanken?

Ich zwinge mich, etwas Sport zu treiben und immer mal wieder an die frische Luft zu gehen. Seit letztem Jahr habe ich Autogenes Training entdeckt. Eine unglaublich effiziente Methode, um die Batterien aufzuladen und Belastungen positiv umzupolen.

Die Kinder werden grösser und gehen ihre eigenen Wege. Was verändert sich für Sie dadurch am meisten?

Ich empfinde stark, wie die Körperlichkeit meines Mutterseins abgenommen hat. Keine Schwangerschaften, kein Stillen mehr, kein Herumtragen der Kleinen. Ich habe ein Stück Freiheit zurück, auch wenn ich die Babyzeit sehr genossen habe.

Jetzt finde ich es wunderbar, mitzuerleben, wie die Kinder selbständig werden, eigene Meinungen bilden, ihren Weg gehen und die Welt entdecken. 

Vielen Müttern fällt das Loslassen von ihren Kindern schwer. Wie ist das bei Ihnen?

Das fällt mir nicht schwer. Solange ich weiss, dass alle immer wieder gerne zurückkommen und mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Vor allem bei meinen Teenagern finde ich das wunderschön.

Zu sehen, wie sie langsam zu Persönlichkeiten werden und ein eigenes Leben aufbauen. Und dabei auch Dinge hinterfragen, die wir ihnen mitgegeben haben – auch wenn das manchmal für die erschöpften Eltern ätzend ist (lacht).

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag mit der Familie aus?

Das Schönste ist, wenn wir abends in Vollbesetzung am Tisch sitzen und und jeder erzählt von seinem Tag. Die Zeit danach gehört unseren beiden kleinen Mädchen, die wir ins Bett bringen. Und dann kommen wir meistens noch mit den Grossen zusammen, diskutieren und chillen, wie mein Sohn sagen würde.

Da bei unseren Kindern ein grosser Altersunterschied ist, kommen da zwei Welten zusammen, denen wir beiden gerecht zu werden versuchen.

Was bedeutet Ihnen gesunde Ernährung?

Wir essen alle wahnsinnig gerne. Ich bin mit einer Mutter gross geworden, die immer sehr aufwändig und gesund gekocht hat. Ich kann da nicht gleich mithalten, aber auch bei mir kommt viel Gesundes auf den Tisch.

Welchen Stellenwert haben für Sie Sauberkeit und Hygiene?

Nur so viel: Im Kindergarten sind die Kinder vor mir weggerannt, weil mich meine spanische Tante, die bei uns lebte, immer mit einem Wässerchen parfümierte. Ich bin nachhaltig traumatisiert, aber da ist schon etwas hängen geblieben. Ich mag es auch sauber und wohlriechend (lacht).

Helfen Ihre Kinder im Haushalt mit?

Natürlich. Vom Tischdecken über Abwaschen bis zu Babysitten und Rasenmähen ist alles in dosierten Portionen dabei. Sie überanstrengen sich aber nicht.

Welche Wünsche haben Sie für sich und Ihre Familie für die Zukunft?

Ich hoffe auf viel gemeinsame Zeit. Auf ein paar Reisen, die wir noch machen möchten. Und ich wünsche mir, dass meine Kinder Aufgaben im Leben finden, die sie erfüllen und glücklich machen. Und das geht alles nicht, ohne gesund zu bleiben. Das ist mein grösster Wunsch.