Wie habt ihr den Sommer mit vier Söhnen verbracht?

Gian: Im Garten bei uns zu Hause, oder aber bei diversen Wanderungen. Eine davon war über sechs Stunden lang mit über 1000 Höhenmetern. Andrin war im Huckepack mit dabei, die grösseren drei gingen selbstständig.

Petra: Oft waren wir auch am Thunersee baden. Die beiden Älteren sind bereits recht selbstständig. Niculin hat diesen Sommer den Salto vom Dreimeter-Sprungbrett gelernt, Florin kann schwimmen. Jamin ist sehr mutig und braucht immer alle Augen, da er sich vor nichts scheut. Andrin liebt das Wasser und eifert den grösseren Brüdern nach.

Sind vier Buben so anstrengend, wie sich das anhört?

Petra: Es klingt anstrengender, als es ist. Die Älteren übernehmen bereits viel Verantwortung. Wenn Andrin hinfällt, stellt ihn einer der drei anderen wieder auf. Es ist nur so anstrengend, wie es auch anstrengend gemacht wird. Kinder sind nie kompliziert, sie werden es höchstens gemacht.

Sie wissen, wie das Gemüse im eigenen Garten wächst, wo das Fleisch herkommt, und sie fischen selber

Gian: Andrin läuft schon, seit er zehn Monate alt ist, und macht so die Umgebung unsicher, auch schnappt er sich schon den Bobbycar und kurvt damit ums Haus. Klar sollte man bei vier Buben überall gleichzeitig sein.

Petra: Es ist schön, zu sehen, dass die vier Jungs viel voneinander lernen und ihre Sozialkompetenz bereits sehr gross ist. Sie verstehen, dass man auch mal zurückstehen muss und nicht immer als Erster drankommt. Gefühle der Mitmenschen werden erkannt und ernst genommen.

Gian: Ich finde es für ein Kind sehr ideal, wenn es diese Kompetenzen innerhalb der Familie und mit Geschwistern lernen kann.

Da es bei mehreren Kindern unmöglich ist, die Augen immer überall zu haben, ist die Gefahr weniger gross, dass man zu Helikoptereltern wird. Und das halte ich für einen riesengrossen Vorteil für die Kinder, auch für ihr späteres Leben.

Petra: Mit Verlusten muss man rechnen, aber unser Haushalt ist entsprechend eingerichtet, und Kinder sollen entdecken dürfen. Gerade im Kleinkindesalter richten sie nie bewusst Schaden an.

Hat sich euer Alltag durch Kind Nummer vier nochmals stark verändert oder fällt der Zuwachs gar nicht mehr so ins Gewicht, und was macht ihr für eure Beziehung?

Gian: Es sitzt noch einer mehr am Tisch, aber stark verändert hat sich unser Alltag nicht. Von zwei auf drei fand ich persönlich viel anspruchsvoller.

Wir nehmen uns die Freizeit einfach, etwa wenn wir am Wochenende in der Jungfrauregion wandern gehen. Für uns kann es auch Freizeit sein, wenn die Kinder mit dabei sind.

Petra: Ich habe generell Mühe mit der Ansicht, Eltern müssten sich einmal pro Woche einen «kinderfreien Abend» nehmen. Eine Familie zu gründen, ist ja meist ein bewusster Entscheid. Da muss man sich bewusst sein, dass sich die folgenden 20 Jahre hauptsächlich um die Kinder drehen und dass die Liebe einer Beziehung vor allem die gemeinsame Liebe zu den Kindern ist.

Wir vermissen diese «Zweierkiste» nicht. Man muss lernen, an kleinen Pausen Freude zu haben; zum Beispiel mit einem Kaffee auf einem Bänkli zu sitzen und den Kindern beim Spielen zuzusehen, das ist für uns als Paar Glück und Genugtuung.

Die Frage, die man Eltern immer stellt, aber bei vier Kindern besonders gerechtfertigt ist: Wie kriegt ihr Beruf und Kinder unter einen Hut?

Petra: Das führt natürlich immer wieder zu Diskussionen und ist auch nicht der einfachste Punkt. Ich habe meine Arbeit als Pflegefachfrau zurückgestellt, und Gian arbeitet Vollzeit, übernimmt aber die Betreuung der Kinder, wenn ich arbeite.

Gian: Klar macht die Mutter dadurch mehr Kindererziehung, aber wir sind ein Team. Und klar macht Petra den grössten Teil der Hausarbeit, aber ich helfe, soweit ich kann.

Legt ihr Wert auf gesunde Ernährung?

Gian: Wir ernähren uns gesund, schon weil wir einen grossen Garten haben. Aber wir essen nicht nur Körnli, sondern worauf wir Lust haben. Da geht man auch mal in die Pizzeria, und am nächsten Tag gibt’s Apfelwähe aus eigenen Äpfeln. Wir kochen so, wie unsere Eltern schon kochten.

Petra: Grundsätzlich ist es uns wichtig, dass die ganze Ernährungspalette ausgeschöpft wird und wir den Jungs die Freude am Kochen und Essen weitergeben. Essen soll ein Genuss und nicht ein Müssen sein. Wir lassen die Kinder immer mitkochen, und so haben sie selber bereits grosse Freude am Kochen entwickelt.

Gian: Sie wissen, wie das Gemüse im eigenen Garten wächst, wo das Fleisch herkommt, und sie fischen selber.

Die Küchenarbeiten bieten den Kindern ein vielseitiges Lernfeld, sei es der Umgang mit heissen Platten, das Bedienen von Maschinen oder scharfen Messern und das Verarbeiten von verschiedensten Nahrungsmitteln.

Dabei gehört auch das Anfassen einer heissen Herdplatte oder das Sich-in-den-Finger-Schneiden dazu. Klar muss ich dafür immer genügend Pflaster im Haus haben!

Nicht immer wart ihr mit so viel Kinderglück gesegnet. Hat euch die Totgeburt eurer Tochter im Jahr 2010 als Familie geprägt?

Gian: Ich denke schon. Das war ein tiefer Einschnitt, wir mussten uns als Familie – und als Paar – neu orientieren. Das kommt in irgendeiner Form immer wieder hoch.

Petra: Man wird extrem demütig und dankbar dafür, vier gesunde Kinder zu haben. Und man weiss auch, wie schnell das Glück wieder weg sein kann.

Wir haben das gemeinsam gemeistert. Wir waren tolerant den Bedürfnissen des anderen gegenüber. Gian konnte sich im Sport körperlich an seine Grenzen bringen, und ich habe viel geweint oder mit Nahestehenden gesprochen. Es ist wichtig, den Partner in Ruhe zu lassen, aber den Weg zueinander nicht zu verlieren. Jeder Mensch trauert anders.

Wie soll es denn jetzt mit der Familienplanung weitergehen?

Beide (lachend): Die ist abgeschlossen!

Gian: Vier ist eine gute Zahl.

Petra: Ohne Kinder gibt’s keine Zukunft. Die Hoffnungsträger der Welt sind nicht wir, sondern unsere Kinder.