Prominentester Fall in der Schweiz ist der ehemalige Trainer der Schweizer Fussball-Nati Köbi Kuhn, welcher 2013 im Alter von 69 Jahren an CLL erkrankte. Ihm geht es heute wieder gut. Doch nicht alle Patienten können jahrelang mit der Erkrankung leben. Weltweit sterben jedes Jahr rund 75'000 Menschen daran.
 

Weshalb wird die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) auch als Altersleukämie bezeichnet?

CLL ist die häufigste Leukämieform beim Erwachsenen, welche typischerweise bei Patienten ab einem Alter von 70 Jahren gestellt wird. Das liegt vor allem in der Natur der Blutbildung: Je älter der Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine fehlerhafte Zellteilung im Knochenmark auftritt.

Von CLL sind etwa doppelt so viele Männer betroffen wie Frauen. Hier spielt wahrscheinlich der hormonelle Unterschied zwischen Mann und Frau eine wesentliche Rolle.

Welche Anzeichen  können auf CLL hindeuten?

Bei etwa der Hälfte der Fälle ist es eine Zufallsdiagnose. Der Arzt macht aus anderen Gründen ein Blutbild, bei dem auffällt, dass die Lymphozytenzahl im Blut zu hoch ist. Der Patient hat zu diesem Zeitpunkt keine Symptome und wird, trotz Diagnose, meist über Jahre hinweg keine Therapie brauchen.

Bei Patienten, die schon unter Symptomen leiden, ist die CLL weiter fortgeschritten. Hier sind die CLL-Zellen im Knochenmark bereits ausgedehnter vertreten, was wiederum zu Blutarmut führt. Die Patienten fühlen sich müde, sind schneller ausser Atem, haben möglicherweise lang anhaltende Lymphknotenschwellungen und weitere unspezifische Beschwerden.

Sie haben eben erwähnt, dass eine CLL oft über Jahre «still» verläuft und keine Therapie notwendig ist. Ab welchem Zeitpunkt muss behandelt werden?

Vorweg: Eine frühzeitige Behandlung einer CLL, also bevor Beschwerden auftreten, bringt gemäss heutigem Wissensstand keine besseren Resultate mit sich und wirkt sich nicht positiv auf den langfristigen Krankheitsverlauf aus.

Die Krankheit kann über Jahre mit einer genügenden Gesamtblutbildung  koexistieren und der Patient hat keine Beschwerden. Erst wenn die Krankheit die gesunde Blutbildung einschränkt und Symptome auftreten, ist eine Therapie indiziert.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Die Standardtherapie ist eine Kombination aus zwei Wirkmechanismen. Einerseits der Immuntherapie und andererseits der klassischen, älteren Chemotherapie. Man spricht hier auch von Immunchemotherapie.

Die überwiegende Mehrheit der Patienten verträgt die Therapie gut und die CLL kann so weit zurückgedrängt werden, dass sie über Jahre hinweg keine Symptome mehr macht. Bei einigen CLL-Formen zeigt diese Therapieform keinen Erfolg und es kommen neue Medikamente zum Einsatz.

Mit diesen können jene Patienten mit bisher sehr schlechter Prognose, welche ungenügend auf die klassische Immunchemotherapie ansprechen, wesentlich besser und auch schonender behandelt werden. Für solche Patienten haben sich dank diesen Möglichkeiten die Aussichten ganz erheblich verbessert.

Bei Diagnosestellung werden die Marker in den CLL-Zellen gemessen. Welchen Nutzen haben diese Informationen für die Mediziner?

Nicht jede CLL ist gleich und anhand der Marker können wir die Prognose beurteilen.

Gleichzeitig können wir sehr viel genauer voraussehen, welche Therapie die besten Erfolgsaussichten hat. Bei einem Rückfall werden diese Marker in der Regel nochmals gemessen.

  • Im Gespräch mit Rosmarie Pfau
Rosemarie Pfau
Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation für Lymphombetroffene und Angehörige

Die Diagnose chronische lymphatische Leukämie (CLL), umgangssprachlich Altersleukämie, stellt die Betroffenen häufig vor grosse Unsicherheiten. Ausführliche Informationen helfen, die CLL besser zu verstehen. Rosemarie Pfau ist Gründerin und Präsidentin der «Schweizerischen Patientenorganisation für Lymphombetroffene und Angehörige, ho/noho – Lymphome.ch».

Welche Auswirkungen kann die Diagnose CLL auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen haben?

Wie jede Krebsdiagnose bringt auch eine CLL-Diagnose viele Unsicherheiten und Ängste mit sich. Da die CLL häufig im Rahmen einer Routineuntersuchung des Blutes festgestellt wird und die Patienten keine Symptome haben, kommt die Diagnose oftmals aus heiterem Himmel.

Diese Menschen fühlen sich subjektiv gesund und müssen lernen mit einer lebensbedrohlichen Diagnose zu leben, was für manche Betroffene sehr schwierig ist. Es gibt deshalb immer wieder Patienten, die sich damit nicht auseinandersetzen möchten und ihre Erkrankung verdrängen. Um Unsicherheiten und Ängste abzubauen, ist es jedoch hilfreich, sich über die CLL zu informieren.

Leukämie hört sich in erster Linie sehr bedrohlich an. Wenn man sich allerdings über Altersleukämie informiert, erfährt man zum Beispiel, dass man mit einer CLL über Jahre beschwerdefrei leben kann.

Sie haben eben erwähnt, dass Information hilft, Vorurteile abzubauen. Wie bekannt ist die CLL in der Bevölkerung?

Die CLL gehört zu den Lymphomen. Der Informationsstand über Lymphome und CLL ist in der Bevölkerung generell nicht sehr hoch. Wir führen deshalb jährlich anlässlich des Welt-Lymphom-Tages ein Patientensymposium durch.

Wir möchten auch die Bevölkerung für die unspezifischen Symptome eines Lymphoms und einer CLL sensibilisieren und damit Vorurteile abbauen, dass eine solche Diagnose gleich das Ende bedeutet. Heute stehen zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die ein längeres Überleben ermöglichen.

Wie lässt sich mit CLL eine gute Lebensqualität erreichen?

Grundsätzlich kann der Patient einen grossen Beitrag zur eigenen Lebensqualität leisten. Dazu gehören eine positive Grundhaltung, ausgewogene Ernährung und Bewegung. Das Gesamtbefinden kann dadurch deutlich verbessert werden.