Die Vielfalt von Familien

Die Mehrheit der Familien ist noch immer als «traditionelle Familie» konstituiert – mit zwei Eltern und Kindern, aber es gibt in unserer Gesellschaft auch neue Formen von Familien: Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien, die besonders von den jüngeren Generationen gut akzeptiert sind.

Für diese neuen Familienformen fehlen oft die gesetzlichen Grundlagen, damit jeder Partner gut abgesichert ist. Was sich auch stark verändert hat, ist der Anstieg von Einzelhaushalten.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die grösste Herausforderung für die heutigen Familien ist die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
 

Frauen sind immer häufiger erwerbstätig – heute sind es fast 80 Prozent. Dies bedeutet, dass vier von fünf Frauen arbeiten.
 

Weil viele Ehepaare beziehungsweise Eltern sich trennen, bedeutet das auch, dass immer mehr Frauen gezwungen sind, ihr Arbeitspensum zu erhöhen. Man sieht, dass die erforderlichen Rahmenbedingungen dazu oft fehlen. Die Frauen bürden sich immer mehr auf … die Aufgaben im Haushalt, die Kinderbetreuung und die berufliche Arbeit (auch wenn sich die Situation langsam verbessert).

Das Angebot von Tagesbetreuungsstrukturen ist in den Kantonen sehr unterschiedlich. Die grossen Städte, wie Genf oder Zürich, haben viel höhere Quoten als beispielsweise die Städte der Zentralschweiz. Auch die Unterschiede in der Finanzierung zwischen den Kantonen sind bedeutend.

In der Stadt Zürich entspricht die Unterstützung zugunsten der Eltern 66 Prozent, im Kanton Waadt dagegen nur 38 Prozent. In Ländern wie Deutschland, Österreich oder Frankreich variiert die Familienunterstützung zwischen 14 und 25 Prozent.

Leider bietet das Modell der Finanzierung von Tagesbetreuungsstruk­turen keine Anreize für Personen, die arbeiten. Die Frauen haben oft kein steuerliches Interesse, mehr als 60 Prozent zu arbeiten, da die Erhöhung der Erwerbstätigkeit auf 80 bis 100 Prozent progressive Mehrkosten verursachen kann. Es ist wichtig, eine Politik zu för­dern, die das Nebeneinander von Familie und Beruf erlaubt.

Die Kommunikation innerhalb der Familie

Früher gab es eine Zeit, in der die Informationen und die Moral einseitig übermittelt wurden. Die Eltern vermittelten den Kindern ihr Wissen und ihre Werte. Heutzutage ist das Wissen rasch überholt und die jungen Generationen hinterfragen die Werte der Gesellschaft, besonders die religiösen Werte.

Die junge Generation bevorzugt zunehmend die sozialen Medien als Informations­quelle. Sie findet dort einen grossen Teil der Informationen (ob richtig oder falsch) und sie teilt diese (oder nicht) mit ihren Eltern. Die Kommunikation ist nicht mehr einseitig, sondern mehrseitig geworden.

Deshalb scheint es uns wichtig, dass die Eltern in Bezug auf die sozialen Medien ausgebildet werden, damit sie diese neue Welt der Kommunikation verstehen (auch wenn einige diese als überflüssig erachten). In diesem Bereich sind die Kinder – auch die kleinen – «lernfähiger» als ihre Eltern, und das vielleicht erstmals in der Geschichte der Menschheit.

Ausserdem hat sich das soziale Leben in der Familie gewandelt. Die Zeit, welche Familienmitglieder mit sozialen Medien verbringen, hat die kollektive Zeit mit der Familie reduziert. Hingegen erlaubt diese «digi­tale Welt» auch Kontakte mit Familienmitgliedern über (weite) Distanzen, was vor 20 Jahren noch nicht möglich war.

Die intergenerationelle Solidarität

In unserer Gesellschaft leben heute manchmal vier Generationen zusammen. Im Pensionsalter von 64 oder 65 Jahren beträgt die Lebenserwartung heute noch mehr als 20 Jahre.

Diese Gruppe der älteren Personen hat noch viele Kompetenzen anzubieten und unsere Gesellschaft sollte diese viel besser nützen. Wir betrachten es als grosse Herausforderung, dass ältere und jüngere Personen in Zukunft verstärkt voneinander profitieren.