Die Elterntrainerin (Mutter von zwei Kindern im Alter von 16,5 und 15 Jahren) und Bloggerin von www.elternplanet.ch Kathrin Buholzer rät, wieder vermehrt praktische Dinge zu schenken

Weihnachtszeit ist für Kinder die Zeit der Geschenke. Wie erleben Sie das?

Inzwischen ist es ja nicht mehr nur die Weihnachtszeit, in der geschenkt wird, sondern das ganze Jahr hindurch finden sich ständig irgendwelche Anlässe, an denen Kinder beschenkt werden.

Etwas überspitzt formuliert wird heute jeder verlorene Zahn, jede bestandene Schwimmprüfung, jede gute Note oder jedes Fussballtor mit einem Geschenk belohnt. Hinzu kommen Geschenke im Supermarkt, im Kindermenü oder bei Sportanlässen.

Kinder werden mit Geschenken überflutet. Ich finde, wir sollten vielmehr vom materiellen Schenken Abstand nehmen und stattdessen unsere Kinder mit Zeit und gemeinsamen Erlebnissen verwöhnen.

Kann man Kindern denn tatsächlich zu viel schenken?

Ja! Einerseits kann man zu viel, andererseits einfach auch im falschen Moment schenken. Kinder, die ständig beschenkt werden, können sich manchmal gar nicht mehr so richtig freuen oder haben immer etwas zu kritisieren. Das frustriert dann nicht nur das Kind, sondern vor allem auch jene, die geschenkt haben.

Zu schön ist doch die Vorstellung von glänzenden Kinderaugen unter dem Weihnachtsbaum. Die Realität sieht dann häufig anders aus …

Oh ja. Aus «O du fröhliche» wird nicht selten eine Päckchenschlacht, in der das einzelne Geschenk überhaupt nicht gewürdigt wird. Gleichzeitig entwickeln die Kinder etwas Unersättliches.

Es heisst dann häufig nicht mehr: «Juhui, dieses Geschenk habe ich mir schon lange gewünscht. Sondern vielmehr: Ich hätte aber lieber das Pony mit der schwarzen Mähne oder das blaue Auto anstatt das rote …»

Wie können Eltern den Wünschen der Kinder gerecht werden und Enttäuschungen unter dem Weihnachtsbaum vermeiden?

Ich bin der Meinung, dass man nicht angestrengt versuchen sollte, das Kind vor jeder Enttäuschung zu bewahren.

Im Gegenteil. Kinder müssen lernen, mit Enttäuschungen umzugehen, und sich damit abfinden, dass nicht alles immer sofort erhältlich ist. Um die Vorfreude auf Weihnachten zu wecken, finde ich es sinnvoll, wenn die Kinder einen Wunschzettel machen. Manche der Wünsche gehen dann in Erfüllung, andere bleiben ein Wunsch.

Haben Sie Tipps, wie sich bei Weihnachtsgeschenken Mass halten lässt?

Mein Motto bei den Geschenken ist: «Weniger ist mehr.» Ein Weihnachtsbaum, unter dem eine Fülle an Päckchen liegt, lässt sich zwar gut auf Instagram präsentieren, die meisten Kinder sind damit aber überfordert.

Vielmehr würde ich die Geschenke auf mehrere Tage verteilen. Schliesslich feiert man ja meist mehrmals Weihnachten. Auch kann man ein Happening aus den Geschenken machen.

Also diese zum Beispiel in der Wohnung verstecken. Ebenso kann ein Geschenk in mehrere Pakete aufgeteilt werden. Besonders Lego oder Playmobil eignen sich hierzu hervorragend. Auch für den Adventskalender ist das übrigens eine gute Idee.

Was halten Sie davon, Kinder mit «Praktischem» zu beschenken?

Früher war es normal, dass man Kindern zu Weihnachten zum Beispiel einen neuen Skianzug, Winterschuhe oder einen warmen Pullover geschenkt hat. Heute sind sich die meisten Kinder gewohnt, dass sie diese Dinge selbstverständlich bekommen.

Ich finde, hier kann man ruhig wieder etwas zurückgehen und sich besinnen, was denn ein praktisches Geschenk wäre.