Die Geschichte des Samichlauses, wie wir ihn kennen, geht auf Nikolaus, den Bischof der Stadt Myra, im Südwesten der Türkei, zurück. Viele Sagen und Legenden ranken sich um den Mann mit weissem Bart, der die Leute bestrafte, aber auch beschenkte.

Lob und Tadel für die Kinder

Kein Wunder, hatten Kinder und sogar Erwachsene lange Zeit Angst vor dem Samichlaus. Denn der Tadel soll nicht bloss mit Worten, sondern auch mit der Fitze erfolgt sein. Unverbesserliche Missetäter sollen sogar in den Sack gesteckt worden sein.

Die braven Kinder wurden aber reich beschenkt. «Auch heute ist bei manchen Leuten immer noch eine gewisse Angst vor dem Samichlaus erkennbar», sagt Hansruedi Thali. Er muss es wissen, denn er ist mit 55 Dienstjahren einer der wohl dienstältesten, aktiven Samichläuse der Schweiz.

Diese Angst muss aus der Kindheit kommen. Früher war es auf dem Land üblich, dass der Samichlaus alle Häuser und Höfe besuchte und den Kindern im Auftrag der Eltern die Leviten gelesen hat.

Wir spüren wieder ein vermehrtes Interesse der Eltern an einem Besuch des Samichlauses

Heute haben die Samichläuse, die vielerorts in St.-Nikolaus-Gesellschaften organisiert sind, ein viel freundlicheres Gesicht. Sie wollen zum einen die jahrhundertealte Tradition wahren, zum anderen die Besuche in den Familien aufrechterhalten. «Wir spüren wieder ein vermehrtes Interesse der Eltern an einem Besuch des Samichlauses», erklärt Hansruedi Thali. Er koordiniert unter anderem die Besuche und die Routen von Chlaus und Schmutzli, ist aber nach wie vor auch selber als Chlaus unterwegs.

Chlausgesellschaften – Vereine mit Tradition

Die St.-Nikolaus-Gesellschaften haben oft eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. Das scheint historisch bedingt, denn der Samichlaus ist im christlichen Glauben verankert. Deshalb ist die Chlaustradition besonders in ländlichen Regionen der Schweiz verwurzelt.

Der Chlauseinzug gilt auch heute noch in manchen Gemeinden als eines der grössten Volksfeste im Jahr. Begleitet von Schellen, Geisselchlöpfern und einer Heerschar von Schmutzlis und Dienern zieht der Chlaus aus dem Wald ins Dorf, begeht verbunden mit Musik und Markt den Anfang der Adventszeit.

Der moderne, urbane Samichlaus wird heute von den Eltern per Mail oder Doodle auf den gewünschten Zeitpunkt bestellt. «Kein Kind sollte heute Angst haben vor dem Samichlaus», betont Hansruedi Thali. «Aber die Erziehungsfehler der Eltern können wir auch nicht ausbessern.»

Ein Samichlausbesuch ist heute ein Treffen in der Familie, etwa mit Gotte oder Götti; und zuletzt darf das Selfie mit Samichlaus und den Kindern auch nicht fehlen.