Ich möchte ein Haustier. Wie gehe ich vor?

Frank Weber: Zuerst muss ich mir überlegen, was für Voraussetzungen ich für ein Haustier habe. Was kann ich einem Tier bieten? Welche Tierart interessiert mich und kann ich der artgerechten Haltung gerecht werden?

Es gibt ganz klare Voraussetzungen, die gewisse Tiere ausschliessen: Wenn ich 80 Jahre alt wäre, muss ich mir um die Anschaffung eines Welpen keine Gedanken machen. Oder als Allergiker macht es keinen Sinn, sich Kleintiere wie Kaninchen in der Wohnung zu halten. Auch die Wohnsituation spielt eine Rolle: Wer im fünften Stock ohne Lift lebt, muss sich überlegen, ob er sich einen 50-Kilo-Hund anschaffen möchte. Was, wenn der Hund kurzweilig nicht laufen kann?

Man muss sich sowohl die positiven als auch negativen Aspekte der jeweiligen Tierart anschauen und sich für ein Tier entscheiden, dass zur eigenen Lebenssituation passt. Um das herauszufinden, empfehle ich Ferienbetreuung: Wenn man eine Woche lang auf den Hund des Nachbars aufpasst, findet man schnell heraus, ob man sich einen Alltag mit Hund vorstellen kann. Vor allem Menschen ohne Tiererfahrung empfehle ich eine solche Ferienbetreuung.

 

Zucht, Tierheim, Internet. Wo findet man das Haustier, das zu einem passt?

Ich befürworte ganz klar den Weg ins Tierheim. Da bekommt man Tiere in Notlagen, denen man ein gutes Zuhause bieten kann. In einem guten Tierheim wird man umfänglich beraten, in einer Zoohandlung hingegen reicht es, Geld auf den Tresen zu legen und man kann ein Tier mit nach Hause nehmen. Ein Tierheim prüft Interessenten auf Herz und Nieren, dort wird nicht leichtsinnig gehandelt.

 

Wie erkennt man ein vertrauenswürdiges Tierheim?

Am wichtigsten ist, dass man beim Betreten des Tierheims ein gutes Gefühl hat. Das Heim muss sauber und ordentlich sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein armes Tierheim ist. Ich sag immer: Ordnung kostet nichts. Der Zustand der Tiere und ihre Unterkunft sagt auch viel über das Heim aus. Sind viele kranke unter ihnen, soll man misstrauisch werden.

Man soll bei einem Tierheim aber nicht vorschnell urteilen und sich Zeit nehmen, sich umzusehen. Die Pfleger sollten einen offenen Umgang mit ihrem Tierheim und den Besuchern pflegen. Ein Tierheim soll nichts zu verstecken haben.

 

Wann soll man beim Tierkauf skeptisch werden?

Wenn die Umgebung, in der das Tier lebt, schmuddelig aussieht oder wenn das die Tierpfleger tun. In einem kompetentem Tierheim verkauft man nicht einfach Hunde. Der Interessent soll mit dem Hund zuerst allein spazieren gehen, ihn vielleicht einen Tag mit nach Hause nehmen.

Man darf nicht vergessen: In einem Tierheim leben Tiere, sie je nachdem ein schlimmeres oder weniger schlimmes Schicksal hinter sich haben. Pfleger und Tierschützer, die solche Situationen schönreden, sind nicht kompetent. Ich bin Fan vom Worst-Case-Szenario. Ich möchte den Menschen auf das Schlimmste vorbereiten. Wenns gut kommt, gibt es nur positive Überraschungen. Aber man muss wissen, worauf man sich einlässt.

Bei Rassehunden soll man skeptisch werden, wenn die Hunde günstig verkauft werden. Generell muss man wissen: Es gibt bei Tiere keine Schnäppchen. Vor allem ein Zuchthund hat seinen Preis. Zudem muss man für Rassehunde nicht immer zum Züchter, denn auch für Rassehunde gibt es Nothilfestellen.

 

Aus Deutschland hört man immer wieder von der Welpen-Mafia. Gibt es die in der Schweiz auch?

Davon gehe ich aus. Die Hunde-Mafia ist auch im Internet aktiv. Tausende von Welpen werden ständig im Internet angeboten. Auffällig sind die Anbieter, die zeitgleich verschiedene Rassewelpen im selben Alter anbieten.

 

Mit welchen Problemen ist der Tierschutz in Europa derzeit am meisten beschäftigt?

In Deutschland hat man meiner Meinung nach grosse Mühe mit der Durchsetzung der Tierrechte im Kampf gegen Tierquälerei und artungerechte Haltung. Auch im Punkto Tierversuche hat sich nichts getan. Das grosse Problem ist die mangelnde Achtung der Tiere. Ein Tier ist keine Maschine, wird weltweit aber so behandelt.


TV-Tierfreund und -schützer Frank Weber.