Sie sind Tierpsychologe und Trainer. Wofür braucht ein Tier einen Psychologen?

Heini Meier: Ein Tierpsychologe arbeitet ähnlich wie ein Psychologe für Menschen. Ich muss den Hund, mit dem die Halter zu mir kommen, kennenlernen und verstehen, bevor ich den Besitzern Ratschläge erteilen kann, wie sie mit dem Tier arbeiten sollen. Ein Hund kann man nur dann erfolgreich trainieren, wenn man ihn kennt. Zu diesem Verständnis kann ich beitragen.

 

Man sagt gern, dass man zuerst den Hundehalter erziehen muss, bevor man den Hund erzieht. Stimmt das?

Von diesem Spruch halte ich nicht viel. Nicht jeder Mensch wird als Hundespezialist geboren. Viele möchten einen Hund, weil sie ein Haustier haben wollen, wissen aber eigentlich nicht, wie man mit dem Tier umgeht. Den Menschen muss ich dann nicht erziehen, sondern ich muss ihm erklären, wie er das mit dem Hund anstellt. Natürlich muss man den Menschen auch auf den Hund sensibilisieren, das erfolgt aber zusammen mit dem Hund. Ohne geht es nicht.


Welche Probleme haben Tierhalter mit ihren Hunden am häufigsten?

Die Probleme der Hundehalter haben sich in den letzten Jahren seit den neuen Gesetzen in der Schweiz verändert. Ich höre häufig, dass Hundehalter mit ihren Vierbeinern Schulen und Kurse besucht haben, die Hunde ihnen aber ausserhalb der Schule nicht gehorchen. Die meisten machen dann den Fehler und versuchen den Hund mit Hilfe von Futter zu erziehen. Dabei kann ein Hund so nicht effektiv erzogen werden. Man muss verstehen, was der Hund für ein Tier ist und dass er auf sein Herrchen hören soll, weil der Mensch in dieser Beziehung das Alphatier ist, nicht weil es Guetzlis als Belohnung gibt. Die gibt es in der Natur schliesslich auch nicht.


Welche Hunde müssen trainiert werden?

Jeder Hund. Natürlich gibt es welche, die einfacher zu erziehen sind als andere. Jagdhunde zum Beispiel oder Labradore. Der Belgische Schäferhund oder Terrier sind etwas temperamentvoller. Aber auch da gibt es Ausnahmen: Derzeit betreue ich vier Labradore, die teilweise aggressiv auf ihre Besitzer reagieren. Menschen denken oft, dass sie sich einen sogenannt einfach erziehbaren Hund kaufen können und sich der Rest dann von alleine ergibt. Das ist ein Irrtum. Auch kleine Hunde müssen trainiert werden, sogar die sogenannten Schosshunde.

 

Warum soll man seinen Hund erziehen?

Weil ein Hund sonst grenzenlos lebt. Ein Hund passt sich nicht automatisch dem Menschen an, das muss man ihm beibringen. Gute Erziehung ist auch wegen der Gesetze wichtig: Die Auflagen werden immer strenger. Man sieht immer mehr Hunde an der Leine und wenn ein Hund gut erzogen ist, kann man ihn auch frei laufen lassen. Am wichtigsten ist aber, dass ein Hund gegenüber Menschen nicht aggressiv sein darf. Auch das gilt sowohl für grosse, als auch für kleine Hunde.

 

Wie lange muss man mit seinem Hund trainieren?

Zu mir kommt man in der Regel zwei, drei Stunden, dann weiss man, wie man mit seinem Hund arbeiten muss. Natürlich kann die Beratung in Einzelfällen auch länger dauern. Dass das aber meistens so schnell geht bei mir, hat einen einfachen Grund: Früher hatte ich häufig Kunden die mir sagten, sie müssten ihr Tier einschläfern, wenn es sich nicht bald besser zu benehmen weiss. Weil ich nicht der Richter über Leben und Tod sein wollte, musste ich eine schnelle Methode finden, um Hund und Besitzer zu helfen. Deshalb habe ich diese schnelle Methode entwickelt.

 

Heini Meier ist der bekannteste Hundetrainer der Schweiz. Über ihn sind mehrere Filme erschienen, unter anderem der Dokumentarfilm «Hundeflüsterer» oder «der Hundecoach». Er schrieb auch das Buch «Menschenkunde für Hunde - Hundekunde für Menschen». Meier arbeitet in der Schweiz und im Ausland. Mehr zu Heini Meier und seiner Arbeit unter www.heinimeier.com.