Viele Hundebesitzer stehen früher oder später vor der Frage: Kastrieren, Ja oder Nein? Was raten Sie?

So pauschal kann die Frage nicht beantwortet werden. Die Entscheidung muss immer individuell vom Hundehalter getroffen werden. Studien haben gezeigt, dass eine frühe Kastration beim Rüden keine negativen Auswirkungen auf die Wesenszüge des Tieres hat.

Ganz im Gegenteil: Frühkastrierte Hunde sind in ihrem Leben länger verspielt und sind verträglicher mit ihren Artgenossen. Wenn man einen Rüden also nicht zum Züchten braucht, rate ich, ihn vor Pubertätsbeginn kastrieren zu lassen. Zu einem Zeitpunkt also, in dem viele Rüden ihr Machogehabe entwickeln und sexuell aktiv werden.

 

Bei der operativen Kastration werden die Hoden vollständig entfernt. Anders bei der chemischen Kastration. Wie funktioniert diese?

Bei der chemischen Kastration wird ein Hormon-Chip unter die Haut des Rüden eingesetzt. Dieser gibt kontinuierlich einen Wirkstoff ab, der den Rüden vorübergehend unfruchtbar macht. Das Einsetzen geschieht sehr schnell und ist kaum schmerzhaft, so dass hierfür keine Narkose erforderlich ist.

Ein grosser Vorteil des Chips liegt darin, dass seine Wirkung nur vorübergehend ist – nach etwa sechs bzw. zwölf Monaten, wenn sich das Hormon vollständig aufgelöst hat, nimmt der Hoden seine Hormonfunktion wieder auf und produziert Spermien. Die volle Wirkung des Chips tritt vier bis sechs Wochen nach dem Einsetzen ein.

 

Für wen eignet sich die chemische Kastration?

Für Hundehalter, welche unsicher sind, ob sie ihren Rüden kastrieren wollen. Erfahrungsgemäss haben Männer meist die grösseren Skrupel als Frauen, ihren Rüden kastrieren zu lassen. Ein grosser Vorteil liegt darin, dass der Chip nur vorübergehend wirkt und der Rüde damit auch zu einem späteren Zeitpunkt für die Zucht gebraucht werden kann.

Viele Hundebesitzer nutzen den Chip als eine Art «Probelauf», wenn sie herausfinden möchten, ob unerwünschte Verhaltensweisen wirklich hormonell bedingt sind und durch Kastration verschwinden.

Rüden, die ein Prostataproblem (bakterielle Prostatitis) haben, profitieren ebenfalls von einer chemischen Kastration.

 

Hat die chemische Kastration Nebenwirkungen?

In sehr seltenen Fällen kann es in den ersten Wochen nach Einsetzen des Implantates zu depressivem Verhalten kommen. Dieses verschwindet aber in der Regel wieder. Die chemische Kastration ist für den Rüden sehr gut verträglich.