Die Kleintiermedizin hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Auf der einen Seite bietet neue Infrastruktur wie Computertomographie/Magnetresonanztomographie und Ultrasonographie bessere Möglichkeiten zur Diagnosefindung. Auf der anderen Seite stehen vermehrt spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte, die die optimalen, meist massgeschneiderten Therapien einleiten können.

In der Schweiz hat sich ein System etabliert, in dem an der Basis die grundversorgenden Kleintierarztpraxen stehen. Diese arbeiten in enger Zusammenarbeit mit regionalen Kleintierkliniken, welche weitergehende Untersuchungen und Therapien anbieten können. Überregional existieren wenige grosse Kleintierkliniken, die ganz verschiedene Spezialisierungen vereinen – von der Bildgebung, der inneren Medizin über die Chirurgie bis hin zur Dermatologie und Augenheilkunde.

Selbstverständlich wird während 24 Stunden über 365 Tage ein gut funktionierender Notfalldienst angeboten. Zuoberst an dieser Pyramide steht die Universität mit den beiden Tierspitälern in Bern und Zürich. Hier wird neben der Klinik auch Lehre und Forschung betrieben.

Im europaweiten Vergleich liegt die Vetsuisse-Fakultät in den vordersten Rängen, was sich auch im extrem hohen Qualitätsstandard der Tiermedizin in der Schweiz zeigt. Die grössten Erfolgsfaktoren für diese Qualität sind die hervorragende Ausbildung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Spezialisten und Allgemeinpraktikern.

Fundierte Beratung von hoher Qualität

Mit dem im Studium erworbenen Wissen treten die jungen Tierärztinnen und Tierärzte in den Beruf ein. Für eine gute Qualität in der Tiermedizin ist anschliessend eine regelmässige Fort- und Weiterbildung unabdingbar. Neben der Weiterbildung zum Titel Fachtierärztin/Fachtierarzt für Kleintiere existieren verschiedene Spezialisten-Titel auf europäischem beziehungsweise amerikanischem Niveau.

Für jede Tierbesitzerin und für jeden Tierbesitzer ist eine tierärztliche Vertrauensperson von grösster Bedeutung. Diese bietet eine fundierte Beratung zu Fragen wie Parasitenbekämpfung, Impfung, Kastration und Fütterung. Beim Besuch in der Kleintierpraxis wird jedes Tier, unabhängig ob Impfung, Konsultation oder Notfall, vom Kopf bis zum Schwanz genauestens untersucht.

Nur so kann eine optimale Betreuung der tierischen Patienten gewährleistet werden. Neben der Kontrolle des Felles und der Ohren wird ein besonderes Augenmerk auf die Zähne, den Kreislauf, die Verdauung, das Gangwerk und das Gewicht gelegt. Diese regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen sind von grosser Wichtigkeit, da sich anbahnende Probleme wie Parasitenbefall, Kreislaufbeschwerden oder Übergewicht früh erkannt werden können.

Vermehrt werden auch Hunde und Katzen mit Verhaltensproblemen vorgestellt, welche jeweils direkt an einen spezialisierten Verhaltensmediziner weitergeleitet werden können. Heute verfügt die Kleintiermedizin über ein Angebot an unzähligen modernen Therapiemöglichkeiten.

In der Dermatologie helfen neue Medikamente in der Behandlung von Hautausschlägen oder Juckreiz, in der Chirurgie haben sich minimalinvasive Methoden mit kleinstmöglicher Gewebeschädigung etabliert, komplizierte Knochenoperationen oder Operationen am offenen Thorax sind Routineeingriffe geworden und in der Kardiologie werden Herzschrittmacher und Ballonkatheter eingesetzt.

Enorme Fortschritte wurden in der Tumorbekämpfung erzielt. Mit einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie kann vielen Tieren geholfen werden. Ein grosses Angebot bietet die Komplementär- und Alternativmedizin.

Tierärztinnen und Tierärzte mit entsprechender Zusatzausbildung stellen mit der Akupunktur, der Homöopathie und der chinesischen Medizin viele zusätzliche Therapieformen zur Verfügung.

Im Zentrum steht das Tierwohl

Natürlich hat sich die Tiermedizin auch in anderen Disziplinen wie Pferdemedizin, Nutztier- und Geflügelmedizin stark entwickelt. Im Zentrum der tierärztlichen Bemühungen stehen die Tiergesundheit, das Tierwohl und der Tierschutz. Durch optimale Haltungsformen kann die Gesundheit markant verbessert und der Medikamenteneinsatz drastisch reduziert werden.