Es reicht ein plötzliches Geräusch und Ihre Katze rennt weg. Trotz Eingewöhnungszeit und viel Zuneigung erschrickt sie bei jeder hastigen Bewegung, jedem Nieser und jedem lauten Ton. So eine übermässige Schreckhaftigkeit muss nicht sein.

Durch Beobachtung kann man einiges über den Gemütszustand des Vierbeiners erfahren. Ist die Ursache erst einmal gefunden, kann der ängstlichen Fellnase geholfen werden.

Mythos Katze

Das Verhältnis des Menschen zu seiner Hauskatze ist seit jeher viel beachtet und beinahe schon ein Mythos. Schmusekatzen zeigen ein grosses Repertoire an Verhaltensweisen; mal schnurren sie, miauen, mal reagieren sie zaghaft und manchmal wird gar gefaucht.

Ob gemütlich eingerollt auf dem Fenstersims in der Sonne oder schnurrend ums Bein streichend, die Hauskatze gilt von Natur her als vielfältiges Wesen, das lebhaft oder zurückhaltend sein kann.

Prägende Erfahrungen

Grundsätzlich verfügen Katzen über den Flucht- und Überlebensinstinkt, der zu einem gewissen Misstrauen beiträgt. Frau Anneli Muser, Präsidentin der Schweizerischen Tierärztlichen Vereinigung für Verhaltensmedizin (STVV), erklärt: «Einerseits sorgen Gene dafür, ob die Katze später zum Draufgänger oder Angsthasen wird.

Zudem spielen bei der Entwicklung frühe und späte Lernerfahrungen eine grosse Rolle.» Man weiss, dass das Kitten zwischen dreieinhalb und sieben Lebenswochen eine sensible Phase durchlebt in der das Gehirn bestimmte Lernerfahrung durch machen muss. Hier findet zudem die Sozialisierung statt. «Es kann sein, dass ein Katzenjunges mit wenig menschlichem Kontakt in diesen sensiblen Perioden seiner Entwicklung als erwachsene Katze denn auch im Umgang mit dem Menschen eher mit Scheu reagiert», meint Muser weiter.

Auch spätere Lernerfahrungen beeinflussen das Zusammenleben mit dem Menschen prägen; zum Beispiel kann ein Leben in einem lautstarken Familienumfeld mit lauter Musik, Türgeknalle, wo ständig gestritten wird, das Tier ebenfalls negativ prägen. So können schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit zur besonderen Schreckhaftigkeit eines Vierbeiners beitragen.

Wann reagieren

Veränderungen im Zuhause, ein Umzug, Gäste, Lärm, schlechte Erfahrungen mit Menschen sind einige der typischen Gründe für Stress bei Hauskatzen. Ein besorgniserregendes Verhalten liege gemäss Muser erst dann vor, wenn das Tier auf nicht gefährliche Reize aus dem Umfeld ungewöhnlich stark reagiere, zum Beispiel durch längeres Verkriechen oder Unsauberkeit.

Dabei sollte man jedoch beachten, dass jede Katze ihren eigenen Stresslevel hat; was die eine bereits stört, ist für die andere Hauskatze kein Problem. Es sei deshalb wichtig, die Katze gut zu beobachten und sich im Zweifelsfalle Rat vom Verhaltensmediziner zu holen.

Tipps für scheue, schreckhafte Katzen

Vermeiden Sie allzu laute Musik, hektische Bewegungen oder zuschlagende Türen. Gerade bei einem Katzenneuankömmling hilft ein stressfreies Umfeld, sich in Ruhe einzugewöhnen. Am besten lernen Sie Ihre Samtpfote durch das gemeinsame Spiel kennen und bauen so Vertrauen und Bindung auf. Und vergessen Sie nicht, Ihrem Katzenliebling den nötigen Frei- und Rückzugsraum zu geben.

Katzenneuankömmlinge verkriechen sich besonders gern, um aus der Sicherheit ihres Versteckes zuerst einmal alles in Ruhe zu beäugen. Dabei sollte der Zugang zu Wasser und Futter stets gewährleistet sein.

Vertrauen aufbauen

Es mag so scheinen, dass es im Leben einer Katze nur um Futter, Auslauf, Spielen und Schlafen geht. Doch weit gefehlt. Die innige Beziehung zwischen Tierhalter und Haustier und das gegenseitige Wechselspiel von Gefühlen und Emotionen steht im Mittelpunkt.

Dies bedingt ein gegenseitiges tiefes Vertrauen. Der Aufbau von Vertrauen braucht viel Geduld und Ruhe. Liebevolle, zutrauliche Worte sind im Umgang mit einer scheuen Katze essenziell. Auch Muser sieht das Verständnis des Menschen für das Tierverhalten als wichtigsten Wert. «Mit Geduld und Zuneigung kommt man überall weit», betont sie abschliessend.