War der typische Tierarzt früher ein Einzelunternehmer und befasste sich meist mit Pferden, Rindern und Schweinen, so behandeln Tierärztinnen und Tierärzte gegenwärtig immer mehr Klein- und Heimtiere.

Auch die Praxen sind zunehmend anders organisiert. Sie werden tendenziell grösser und beschäftigen mehrere Tiermedizinische Praxisassistentinnen. Praxisinhaber schliessen sich beispielsweise in grösseren Gemischtpraxen zusammen und betreuen sowohl Nutztiere, Kleintiere als auch Pferde.

Privat geführte Kleintierkliniken spezialisieren sich auf chirurgische Eingriffe. Andere Tierarztpraxen bieten Akupunktur und Homöopathie an oder sind in der Verhaltensmedizin tätig.

Die häufigste Praxisart ist heute die Kleintierpraxis, welche 45 Prozent aller Praxen ausmacht. 37 Prozent der in einer Praxis tätigen Tierärztinnen und Tierärzte arbeiten in einer Gemischtpraxis, welche sowohl Kleintiere als auch Nutztiere behandelt. Mit einigem Abstand kommen an dritter Stelle die Nutztierpraxen mit 9 Prozent.

Von der Registrierung bis zum Röntgen

Als klassische Kleintiere gelten Hund und Katze. Die Aufgaben der Kleintiermedizin sind heute enorm vielfältig. Für vertiefte Abklärungen werden die Tiere oft an Spezialisten überwiesen.

So gewinnen die Spezialisierungen, genau wie in der Humanmedizin, immer mehr an Bedeutung. Typische Tätigkeiten einer Kleintierärztin und eines Kleintierarztes sind heute:

  • Allgemeine Untersuchungen, Impfungen und Entwurmungen sowie die Identifikation und Registrierung der Tiere
  • Kastrationen und Sterilisationen
  • Röntgen und andere bildgebende Untersuchungen
  • Chirurgische Eingriffe
  • Abklärung von einfachen und komplizierteren inneren Erkrankungen
  • Zahnbehandlungen
  • Laboruntersuchungen
  • Beratung der Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer in Sachen Fütterung, Haltung, Zucht sowie Erziehungs- und Verhaltensfragen

Auch Reptilien, Amphibien, Fische und Vögel und die Tiere in den Zoos möchten medizinisch versorgt werden. Dies sind die Patienten der Wild-, Zoo- und Heimtiermediziner. Oft sind dies Kleintierärztinnen und Kleintierärzte, die sich für die Behandlung solcher Tiere weitergebildet haben.

Für diese Tiere sind häufig spezielle Kenntnisse über Anatomie, Behandlungsmöglichkeiten, aber auch betreffend Handling nötig.

Die klassische Medizin kann durch die Behandlung mit der Komplementärmedizin unterstützt werden. Tierärztinnen und Tierärzte sind heute in verschiedenen Fachgebieten der Komplementär- und Alternativmedizin tätig, insbesondere der Akupunktur, der Homöopathie, Phytotherapie und Osteopathie.

Wenn das Verhalten eines Tieres problematisch ist

Die Verhaltensmedizin ist ein Fachgebiet der Veterinärmedizin, das sich mit der Diagnose, der Behandlung und der Beratung bei Verhaltensproblemen von Tieren befasst. Die häufigsten Patienten sind Hunde, Katzen und Pferde.

Körperliche Erkrankungen können das Verhalten von Tieren beeinflussen; umgekehrt können krankhafte Verhaltensweisen körperliche Störungen verursachen. Verhaltensprobleme können das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier stark beeinträchtigen.

Die Verhaltensmediziner machen sich durch Gespräche mit den Tierbesitzern sowie Beobachtung und Untersuchung des Tieres ein Bild der Situation und empfehlen entsprechende Massnahmen oder Therapien individuell für das jeweilige Paar Mensch–Tier.

Andere Haltungsbedingungen

Wurden Pferde früher in der Regel von allgemeinen Nutztierärzten behandelt, haben sich heute einige Tierärztinnen und Tierärzte ganz auf die Behandlung von Pferden spezialisiert. Pferde werden meist als Freizeit- oder Sportpferde gehalten, die Wirtschaftlichkeit steht daher nicht im Vordergrund.

Änderungen in der Tierhaltung können auch zu anderen Anforderungen an die Tiermedizin führen. Pferde werden heute vermehrt in Gruppen und im Offenstall statt in Einzelboxen gehalten.

Durch die Gruppenhaltung entstehen unter Umständen andere Verletzungen und Krankheitsbilder.