Tipps und weitere Informationen zum Thema Demenz

Ist ein naher Angehöriger an Alzheimer erkrankt oder sind Sie selbst betroffen, finden Sie hier nützliche Ratschläge http://demenz-spezial.de/

Wieso haben Sie Ihren Vater nicht in ein Pflegeheim gegeben?

Mein Vater hatte in seinem Leben vor ein paar Dingen Angst, wie zum Beispiel arm oder krank zu sein oder eben in ein Heim zu müssen. Dementsprechend hab ich ihn vor drei Jahren zu mir geholt.

Hat die Krankheit Demenz Ihren Vater verändert?

Er hat lange dafür gebraucht, die Krankheit anzunehmen. Doch seit er offensiv damit umgeht, lebt er entspannter damit. Ich denke, die Krankheit hat den wahren Rudi Assauer zum Vorschein gebracht. Seine Freunde wussten, dass er einen liebevollen Kern besitzt, doch nun ist dies auch für jeden Anderen sichtbar. Man muss bedenken, dass die durchschnittliche Dauer der Alzheimer-Krankheit, nach der Diagnosenstellung, etwa sieben Jahre beträgt. Mein Vater erkrankte vor rund zehn Jahren und es geht ihm erstaunlich gut. Zwar nimmt sich die Krankheit jeden Tag ein bisschen, doch sein Zustand ist seit zwei Jahren relativ konstant. Natürlich gibt es Situationen, in denen sich sein Reaktionsvermögen verlangsamt oder man das Gefühl hat, ‹hier stimmt etwas nicht›, aber im Grunde genommen ist er immer noch der Alte. Er war immer ein Kämpfer, der sich nicht unterkriegen lässt.

Welche Rolle spielt der Fussball in seinem Leben?

Eine grosse. Wenn man den Betroffenen in dem bestärkt, was er machen möchte, dann kann dieses Leben lebenswert sein. Mein Vater führt ein selbstbestimmtes Leben und er hat seinen Willen. Den soll er auch durchsetzen, so lange er es noch kann. Das Leben ist ja nicht vorbei. Die Zeit in der man nichts mehr machen kann – falls sie kommt –, ist ja noch lang genug. Daher ist es wichtig, den Alzheimer-Kranken an den Dingen teilhaben zu lassen, die ihm Spass machen. Über solche Gedächtnisinseln erreicht man die Betroffenen nämlich am Besten. Bei meinem Vater ist das bis heute der Fussball. Wir sehen uns regelmässig Spiele an, die er angeregt kommentiert – selbst wortlos, durch Handgesten oder Augenrollen.

Wie sieht Ihr gemeinsamer Alltag aus?

Unser bisheriges Zusammenleben ähnelt dem einer WG – von Pflege kann man noch nicht sprechen, auch wenn ich ihm in einigen Dingen zur Hand gehen muss.  Sicherlich braucht er mittlerweile mehr Energie für alltägliche Sachen, doch er holt sich die Kraft aus dem Schlaf heraus. Wir entscheiden gemeinsam, was wir machen. Egal ob wir Fussball schauen, Veranstaltungen besuchen, fernsehen oder Besuch empfangen – jeder Tag ist eine Wundertüte.

Und Ihr eigenes Leben?

Jeden Tag erfreue ich mich daran, dass es ihm noch so gut geht und er mich morgens anlächelt. Viele fragen mich, ob ich überhaupt noch mein eigenes Leben lebe – aber Alleinerziehende fragt man auch nicht danach.
Die Betreuung ist ein 24-Stunden-Job, ob für ein Kind oder einen Angehörigen. Es ist ein gesellschaftlicher Denkfehler, dass man zwischen diesen Dingen unterscheidet. Ich habe mich aus freien Stücken für diesen Schritt entschieden – mit allen Konsequenzen. Und es war eine gute Entscheidung.