Der Mensch im Mittelpunkt

Der Wunsch von älteren Menschen ist klar: Sie möchten so lange wie möglich «daheim»bleiben. Niemand zieht freiwillig ins Pflegeheim. Wenn aber der Betreuungsaufwand steigt, die Mobilität schwindet oder bestimmte Fähigkeiten abnehmen, ist ein geregelter Tagesablauf gefährdet.
 

Einsamkeit und soziale Isolation führen zu psychischer Belastung.
 

Sturz- und Brandrisiko gefährden den Alltag der älteren Menschen. Oft kann die woanders lebende und beruflich stark engagierte Familie nur ungenügende Unterstützung bieten. Auch die täglich ambulante Unterstützung der Spitex stellt alleine keine optimale Lösung mehr dar.

Es braucht also mehr Angebote zwischen ambulanter und stationärer Pflege: Liegenschaften mit betreuten Wohnungen. Diese altersgerechten Appartements fördern die Erhaltung der Mobilität und sozialer Kontakte.

Gleichzeitig ist die Sicherheit durch angepasste Infrastruktur sowie hausintern verfügbarer Pflege und Betreuung garantiert. Auch bei zunehmendem Pflegebedarf müssen die Bewohner ihr rollstuhlgängiges Zuhause nicht verlassen und können durch das anwesende Personal betreut werden.

Eine 24-stündige Notrufbereitschaft mit sofortiger Interventionsmöglichkeit bietet Sicherheit. Zudem ermöglicht die örtliche Nähe mehrerer Wohnungen eine bessere Effizienz und den gezielten Einsatz durch das knapper werdende Pflegepersonal.

Die Zukunft der Alterspflege

Die Bedürfnisse von betagten Menschen sind klar: Sie wollen Dienstleistungen und Serviceangebote an ihrem Lebensort «aus einer Hand». Die Institutionen müssen sich den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.

Curaviva Schweiz hat deshalb das Wohn- und Pflegemodell 2030 lanciert. Dieses Modell geht nicht mehr von Pflegeinstitutionen als die zentralen Infrastrukturen aus, sondern von Dienstleistungsanbietern, die den Kunden ein selbstbestimmtes Leben im bevorzugten Wohnumfeld ermöglichen.

Integrale Bestandteile dieser Betreuungsumgebung sind eine medizinische Grundversorgung, begleitende Dienstleistungen und Freizeitangebote. Nebst ambulanten und stationären Pflegeangeboten gewinnt das betreute Wohnen in dafür geeigneten Appartements an Bedeutung.

Fehler im System

Die Problematik des heutigen Systems zeigt sich im Bereich der Altenpflege besonders beim betreuten Wohnen: Das bestehende Finanzierungssystem sieht entweder «Wohnen und Pflege zu Hause» oder «Heimaufenthalt» vor.

Wer aus gesundheitlichen oder familiären Gründen nicht mehr in seiner Wohnung bleiben kann, muss also ins Pflegeheim. Das passiert oft zu früh: Studien zeigen, dass in der Schweiz ein Drittel der Heimplätze mit Bewohnern der tiefsten Pflegestufen besetzt sind – mit einem Pflegeaufwand von maximal einer Stunde pro Tag.

Die Wohnform des «betreuten Wohnens» wäre für diesen Fall ein sehr attraktives Angebot – und erst noch das kostengünstigste.

Wenn ein Eintritt ins Alters- oder Pflegeheim hinausgezögert werden soll, müssen rollstuhlgängige Wohnungen mit Leistungen in der Pflege kombiniert angeboten werden.

Das Angebot des betreuten Wohnens greift dann (und wirkt gegenüber einem vorzeitigen Heimeintritt kostendämpfend), wenn aufgrund altersbedingter Defizite der punktuelle Einsatz der Spitex nicht mehr ausreicht und das soziale Netz (Angehörigenpflege) nicht nah genug vorhanden ist.

Insbesondere Personen mit leichter Demenz vermögen einen kleinen Haushalt im betreuten Wohnen länger zu führen, wenn sie über grundpflegerische Leistungen, kontrollierte Medikamenteneinnahme, Mittagstisch, hausinternen Notruf, Brandmeldeanlage und einen Zentrumsleiter als Anlaufstelle einen sicheren Rahmen haben.

Es ist dieses feinmaschige Betreuungsnetz, welches für eine bestimmte Patientengruppe die kostengünstige Zwischenlösung zwischen reiner Spitex und Heimeintritt bedeutet.

Solche Angebote sind sehr gefragt, aber heute über die Ergänzungsleistungen (EL) nicht bezahlbar: Damit die nötigen Investitionen in Angebote von «betreutem Wohnen im Alter» vorgenommen werden, sind minimale Mietzinse zwischen 2000 und 2500 Franken pro Monat nötig. Auch wenn dies als relativ hoch erscheint, kann im Vergleich zu den durchschnittlichen Kosten eines Heimaufenthalts mit diesen Ausgaben bis zu 50 Prozent der EL-Kosten eingespart werden.

Fehlanreize beheben

Die Ergänzungsleistungen (EL) helfen da, wo unter anderem AHV- und IV-Renten, weitere Einkommen sowie das Vermögen nicht ausreichen, um die minimalen Lebenskosten zu decken. Es handelt sich um bedarfsabhängige Versicherungsleistungen und nicht um Sozialhilfe.

Wir wissen heute, dass heimbedingte Kosten für die Entwicklung der EL-Ausgaben massgebend sind. Heute bezieht die Hälfte der in Alters- und Pflegeheimen wohnenden Personen EL.

Auch der Bundesrat hat erkannt, dass aufgrund der Vollfinanzierung des Heimaufenthalts unter Umständen nicht alle Betreuungsmöglichkeiten zu Hause ausgeschöpft werden.

Es besteht bei mangelndem Vermögen der Druck, zu früh ins Alters- und Pflegeheim einzutreten, weil dann – im Gegensatz zum Aufenthalt in betreuten Appartements – die Finanzierung über EL gewährleistet ist.

Die Politik ist nun gefordert, diesen Fehlanreiz zu beheben und Lösungen zu finden, welche den Bedürfnissen von betagten Menschen entsprechen. Curaviva Schweiz und Senesuisse engagieren sich stark in diesem politischen Prozess, um im Rahmen der Pflegefinanzierung bedürfnisorientierte und finanziell tragbare Lösungen zu bewirken.