Während noch vor drei Jahrzehnten die Senioren sich ab einem gewissen Alter zum Platz im Altersheim Gedanken machten, starten viele der heutigen Senioren ab siebzig nochmals richtig durch. Die höhere Lebenserwartung – gemäss neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik BfS 80.5 Jahre bei den Männern und 84.8 bei den Frauen – lässt das fortgeschrittene Alter zu einem eigenen Lebensabschnitt werden. Und diesen gilt es natürlich nach Belieben zu gestalten und mit Genuss zu leben. Die Umstände der höheren Lebenserwartung haben verschiedene Ursachen; die massiv verbesserte medizinische Versorgung und das gesteigerte Gesundheitsbewusstsein sind nur ein Teil davon, wenn auch ein wesentlicher. Zwar gibt es in dieser Altersgruppe kaum weniger Erkrankungen als früher. Die verbesserten medizinischen Möglichkeiten in hochentwickelten Ländern wie der Schweiz lassen jedoch eine bessere Erkennung und Behandlung der Krankheiten zu.

Surfen für jedes Alter

Eine Herzkreislauferkrankung muss heute nicht mehr unbedingt den Tod bedeuten. Durch den rechtzeitigen Einsatz von Stents oder Medikamenten kann ein Herzpatient wieder ein weitgehend normales Leben führen. Mit mehr Bewegung und einer Umstellung seiner Ernährung kann auch im fortgeschrittenen Alter viel für die Gesundheit getan werden. Prävention und Vorsorge in jeder Altersstufe ist dabei ein besonders wichtiges Element. Das Zentrum für Gerontologie ZfG an der Universität Zürich befasst sich in zahlreichen Forschungsprojekten mit ganz unterschiedlichen Themen des Alters. «Unsere Forschung ist in vielen Fällen sehr praxisbezogen und hat zum Ziel, die Lebensweise und Lebensqualität im Alter positiv zu beeinflussen», bestätigt Hans Rudolf Schelling, Geschäftsführer des ZfG. Zu den Forschungsprojekten gehören etwa «Altersgerechtes Internet», «Einstellungen zum Altersheim», das «Demenz-Barometer», aber auch das Thema «Wohnen im Alter». Dies ist wohl ein Schlüsselthema für alle Senioren. Denn das eigene Wohnumfeld ist etwas ganz individuelles, persönliches. Heute ist es üblich, solange wie irgend möglich sein Leben in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Sind aber unsere Wohnformen, ist unser Wohnungsbau auf die Altersgruppe der Senioren vorbereitet? Sind die Wohnungen denn barrierefrei und für reduzierte Mobilität gestaltet? Wichtige Fragen, die nicht nur von einer Stelle beantwortet werden können, sondern die interdisziplinäre Zusammenarbeit von vielen Beteiligten erforderlich macht.

Vertrauen und sich helfen lassen

Auch im privaten Kreis gilt es für Senioren, sich ein Umfeld zu schaffen, das die eigenständige, selbstbestimmte Wohnform möglichst lange zulässt. Ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn und regelmässige Kontakte mit Angehörigen kann viel Sicherheit bieten. Dies muss aber vorbereitet und auch zugelassen werden. Einem auf der Treppe gestürzten Senior kann erst spät geholfen werden, wenn der Schlüsseldienst zuerst die Wohnungstüre aufbrechen muss. Eigenständiges Leben im Alter heisst demnach auch Vertrauen und Hilfe zulassen, wenn Unterstützung gebraucht wird.