Rund 37000 Spitex-Fachpersonen...

...in schweizweit rund 500 lokalen und regionalen nicht gewinnorientierten Organisationen sorgen täglich dafür, dass auch kranke oder gebrechliche Menschen so lange wie möglich selbstständig in ihrer gewohnten Umgebung leben können.
 

Spitex-Leistungen können alle in Anspruch nehmen, unabhängig von Alter, Wohnort oder persönlicher Situation.
 

Aufgrund ihrer Versorgungspflicht nimmt die aus der Gemeindepflege entstandene Nonprofit-Spitex alle Aufträge wahr, auch solche mit kurzen Einsatz- und langen Wegzeiten. 82 Prozent aller Spitex-Klientinnen und -Klienten werden durch die Nonprofit-Spitex versorgt.

Einer von ihnen ist Othmar D.: Nach einer Herzoperation im Spital und anschliessendem Rehabilitationsaufenthalt in einer spezialisierten Klinik wollte der alleinstehende 72-Jährige möglichst bald wieder in seine Wohnung zurückkehren.

Er wird zweimal täglich von einer Pflegefachperson der örtlichen Spitex besucht: Sie wechselt den Verband, versorgt die Wunde, unterstützt ihn bei der Körperpflege, richtet die Medikamente, führt medizinische Kontrollen wie Blutzucker- und Blutdruckmessung durch und hilft bei der Mobilisation. Eine hauswirtschaftliche Mitarbeiterin hilft regelmässig bei der Wäsche und Reinigung, beim Einkaufen und Essenzubereiten.

Früherkennung und Prävention

Die Nonprofit-Spitex arbeitet nach dem Grundsatz der «Hilfe zur Selbsthilfe»: Sie baut auf den Ressourcen der Klientinnen und Klienten auf und leitet sie an, gewisse Tätigkeiten nach Möglichkeit selber zu erledigen. Auch bei Othmar D. hat die unterstützende Rolle der Spitex dazu beigetragen, dass er seinen Alltag schrittweise wieder selber bewältigen kann.

Die Arbeit der Nonprofit-Spitex erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen, dem Hausarzt / der Hausärztin, der Apotheke und weiteren involvierten Leistungserbringern. Die Spitex-Fachperson sieht den Klienten in seinem gewohnten Umfeld – häufiger und regelmässiger als der Hausarzt.

Sie kann dem Arzt wichtige Rückmeldungen geben, beispielsweise wenn sie beim Klienten unerwartete Symptome feststellt, worauf allenfalls frühzeitig entsprechende Massnahmen eingeleitet werden können. So leistet die Spitex einen wichtigen Beitrag zu Früherkennung und Prävention.

Hoher Digitalisierungsgrad

Die Kommunikation und der gesicherte Datenaustausch mit den involvierten Leistungserbringern erfolgen wenn immer möglich elektronisch, ebenso die Anmeldung, Zuweisung und Abrechnung.

Die meisten Spitex-Organisationen haben auf digitale Dokumentation umgestellt. Die Mitarbeitenden erfassen auf ihrem Smartphone oder Tablet die Weg- und Arbeitszeiten sowie die für die Pflege relevante Dokumentation. Auch die Pflegeplanung ist auf ihrem Gerät abrufbar, sodass jede Mitarbeiterin auf dem aktuellsten Informationsstand ist. Die Digitalisierung trägt dazu bei, dass die Spitex effizient und kostengünstig arbeiten kann.

Wer bezahlt was?

Spitex-Pflegeleistungen werden von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sowie der öffentlichen Hand bezahlt. Voraussetzung für einen Spitex-Auftrag ist eine ärztliche Verordnung.

Die Klientinnen und Klienten bezahlen den Selbstbehalt und die Franchise sowie in vielen Kantonen zusätzlich eine Patientenbeteiligung von maximal 15.95 Franken pro Tag.

Hingegen sind hauswirtschaftliche Dienstleistungen nicht kassenpflichtig und werden den Klienten verrechnet, wobei die Gemeinde oft einen Teil der Kosten übernimmt. Einige Krankenkassen bieten Zusatzversicherungen für Hauswirtschaftsleistungen an.

Weil die Menschen immer älter werden, wird die Nachfrage nach ärztlichen und pflegerischen Leistungen weiter zunehmen. Mit der gewollten Verlagerung zu mehr ambulanten Leistungen ist die Spitex gefragter denn je. Gleichzeitig werden ihre Aufgaben immer anspruchsvoller und komplexer, weil insbesondere ältere Personen häufig mehrfach erkrankt sind – und dennoch so lange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben möchten.

Wer kommt für die steigenden Pflegekosten auf? Dieses wichtige Thema beschäftigt auch die Politik. Im vergangenen Juli hat der Bundesrat seine Vorschläge für die Anpassung der Pflegefinanzierung vorgestellt. Darin wird eine Senkung der Krankenkassenbeiträge an Spitex-Leistungen um 3,6 Prozent vorgeschlagen.

Es braucht eine gesicherte Finanzierung

Spitex Schweiz kritisiert diesen Vorschlag scharf, weil er dem Grundsatz «ambulant vor stationär» widerspricht.

Der Dachverband fordert vielmehr eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge und damit eine Anpassung an die Kostenentwicklung aufgrund der immer komplexer werdenden Pflegemassnahmen und des umfassenderen Leistungsangebotes (beispielsweise 24-Stunden-Dienst, Kinderspitex, Psychiatrie-, Palliativ- und Onkologiepflege) sowie eine klare und verbindliche Regelung der Restfinanzierung der Pflegeleistungen durch die öffentliche Hand.

Die Nonprofit-Spitex wird sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf Bundesebene Gehör verschaffen.

Die nicht gewinnorientierte Spitex ist «das Original». Sie ist national anerkannt, breit verankert und geniesst in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und Wertschätzung.

Sie ist eine unverzichtbare, gesetzlich verankerte Säule des Schweizer Gesundheits- und Sozialsystems. Dies bestätigt auch der «Gemeinwohl-Atlas», der den gesellschaftlichen Nutzen von Organisationen und Unternehmen untersucht

 Die Spitex belegt seit mehreren Jahren einen Spitzenplatz. Ihre Bedeutung wird weiter zunehmen. Deshalb ist es wichtig, dass die Finanzierung von Spitex-Leistungen auch in Zukunft gesichert ist.