Herr Leutenegger, wie geht es Ihnen?

Mir geht es blendend – gesundheitlich, finanziell und moralisch.

Haben oder hatten Sie bisher gesundheitliche Probleme, die Sie bewältigen mussten?

1972, als ich im Viererbob von Pilot Jean Wicki bei den Olympischen Winterspielen in Sapporo die Goldmedaille gewann, hatte ich massive gesundheitliche Probleme.

«Im Alter sollte man dem Körper mehr Erholung gönnen.»

Ich kämpfte mit einer doppelten Lungenentzündung.

Da ging es um Leben und Tod. Auch nach einem schweren Militärunfall bei den Grenadieren in Losone habe ich um mein Leben gekämpft.

Worin besteht für Sie der grösste Unterschied zwischen Jung und Alt?

Wenn man älter wird, lässt das Gedächtnis etwas nach und sportlich kann man nicht mehr alles machen, was man möchte.

Worauf sollte man gerade im hohen Alter achten?

Man sollte dem Körper mehr Erholung gönnen, und nicht 24 Stunden im Tag auf Volldampf sein.

Sie sind jetzt 76 Jahre alt, vermögend und haben vieles im Leben erreicht. Wovor haben Sie speziell im Alter Angst?

Ich habe keine Angst vor dem Alter. Ich habe aber Mühe, einen Lift zu besteigen. Da bekomme ich Platzangst.

Was war Ihr bisher grösster Verlust in den vergangenen Jahren?

Das sind in erster Linie Todesfälle in der Familie, aber auch Todesfälle im Freundeskreis. Wenn jemand stirbt, den ich sehr gerne gehabt habe, ist das der grösste Verlust für mich.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie im Nachhinein vielleicht anders machen?

Ich blicke auf ein äusserst erfolgreiches Leben zurück, habe viel von der Welt gesehen und bin sehr schnell sehr reich geworden.

Zudem habe ich in fast 40 Filmen mitgewirkt und sportlich alles erreicht, was ich mir gewünscht habe. Mehr kann man im Leben nicht erreichen.

Gibt es eine Krankheit, mit der Sie sich speziell auseinandersetzen?

Ich habe meine erste Frau nach einem Gehirntumor verloren, und meine Tochter lag nach einem Reitunfall mit schweren Schädelverletzungen im Spital. Deshalb beschäftige ich mich immer wieder mit Schädelverletzungen.

Was würden Sie Ihrer Generation empfehlen, um die Lebensqualität im Alter zu erhalten?

Immer den Körper bewegen. Bewegung ist gerade im Alter sehr wichtig, und wenn es nur zehn Liegestütze am Morgen nach dem Aufstehen sind.

Was bereitet Ihnen Freude?

Wenn mir die Leute Respekt zollen für das, was ich in meinem Leben geleistet habe. Der Dank, der mir dafür entgegengebracht wird, freut mich immer wieder.

Fühlen Sie sich denn tatsächlich so alt, wie Sie heute sind?

Am Morgen, wenn ich aufstehe, habe ich manchmal das Gefühl, ein alter Mann zu sein. Das geht aber schnell vorbei. Spätestens am Mittag fühle ich mich wieder unglaublich jung und fit.