Lys Assia, wie geht es Ihnen heute?

Eigentlich nicht so gut, ich habe letzte Nacht kaum geschlafen. In den letzten Monaten hatte ich verschiedene Spitalaufenthalte, habe einen komplizierten Wirbelbruch erlitten, einen Herzschrittmacher bekommen. Deshalb muss ich verschiedene Medikamente nehmen und fühle mich darum nicht mehr so sicher auf den Beinen. Ganz klar, ich spüre die Zeichen des Älterwerdens.

Was bedeutet Ihnen das eigenständige Wohnen?

Ich wurde zu oft betrogen und ausgenützt, nur weil ich eine ältere Dame bin

Es ist wichtig für mich, ein eigenständiges Leben zu führen, auch wenn ich alleine bin und oft eine gewisse Einsamkeit verspüre. Mit zunehmendem Alter und schwindenden Kräften wird die körperliche Mobilität natürlich ein Thema. Fast noch wichtiger als die Mobilität empfinde ich aber die geistige Flexibilität. Ich bin sehr froh, dass ich da noch ganz gut dabei bin.

Lässt man sich im Alter denn auch helfen?

Aber sicher! Ich bin froh, wenn mich etwa meine Enkelin abholt, dann kann ich mit den Hunden raus. Allein mag ich nicht mehr weitere Strecken gehen. Oder sie hilft mir mit dem Internet. Für mich ist es wichtig, dass ich derjenigen Person, die mir hilft, auch vertrauen kann. Ich wurde zu oft betrogen und ausgenützt, nur weil ich eine ältere Dame bin.

Alarmeinrichtungen für Senioren vermitteln ein Gefühl der Sicherheit. Ist das ein Thema für Sie?

Ja, ich habe mir eine solche Alarm-Uhr gekauft. Da muss ich im Notfall nur draufdrücken und schon wird die gespeicherte Telefonnummer alarmiert. Ich trage sie nicht immer am Handgelenk, habe sie aber meist neben dem Bett griffbereit. In den nächsten Tagen will ich sie einmal ausprobieren, ob das auch wirklich klappt mit dem Alarm.

Haben Sie Vorkehrungen für Ihren Nachlass getroffen?

Mit diesem Thema befasse ich mich intensiv. Ich möchte alles rechtzeitig geregelt haben. Da ist es wichtig, von einer neutralen Person des Vertrauens beraten zu werden. Das sollte man machen, bevor man unter dem Boden ist. So habe ich auch eine Stiftung eingerichtet, mit der man viel Gutes tun kann.

Haben Sie eine Patientenverfügung gemacht?

Nein, das habe ich bisher als noch nicht notwendig empfunden. Wenn ich jetzt beispielsweise ernsthaft an Krebs erkranken würde, wäre das sicher ein Thema für mich.

Was erfreut Sie heute besonders in Ihrem Alltag?

Ich geniesse die schönen Dinge, frische Blumen, eine schöne Einrichtung, ein schönes Bild oder auch schöne Menschen. Auch meine beiden Hunde machen mir täglich Freude. Schon in meiner jungen Karriere habe ich mir auch von einer kleinen Gage immer etwas Schönes geleistet, das mir Freude bereitete.

Wie wichtig sind Erinnerungen an die schönen Momente des Lebens?

Ja, ich denke gerne an die Höhepunkte meiner Karriere zurück. Es ist aber nicht so, dass ich mir die Filme meiner grossen Auftritte immer wieder anschaue, ganz im Gegenteil. Ich habe erst kürzlich auch meine Sammlung von Schellackplatten meiner Lieder verschenkt.

Wie möchten Sie gerne in Erinnerung bleiben?

Es tut mir schon gut, wenn sich die Leute an mich und meine Karriere erinnern. Aber heute hat kaum mehr jemand Zeit, an früher zu denken. Persönlich würde es mich stolz machen, wenn es jemandem einfallen würde, einen kleinen Weg oder eine Gasse nach mir zu benennen. Dann gerät man auch in einigen Jahrzehnten nicht ganz in Vergessenheit.