Mit einem Testament könne man über sein Leben hinaus etwas Sinnvolles bewirken, schreibt beispielsweise die Krebsliga Schweiz auf ihrer Internetseite. An Informationsveranstaltungen informieren Vertreter der Krebsliga, wie die ihr anvertrauten Mittel eingesetzt werden. «Mit einem Vermächtnis an Greenpeace pflanzen Sie heute einen Samen, der irgendwann in der Zukunft erblüht. Es trägt Ihre Ideale weiter und hilft, all jene zu schützen, die unseren Planeten ihre Heimat nennen», wiederum hält die Umweltorganisation auf ihrer Website fest. Der neue Greenpeace Testament-Ratgeber könne dazu beitragen, den Nachlass und den eigenen Willen klarer zu regeln.

Kirchen im Abwind

«Gemeinnützige Organisationen beurteilen Legate zunehmend als attraktive und professionell zu erschliessende Spendenquelle», sagt Professor Markus Gmür vom Verbandsmanagement Institut (VMI) der Universität Freiburg. Die traditionell dominante Rolle der Familie stehe heute in Bezug auf das Sterben in Frage. Zudem ortet Gmür eine abnehmende Legitimation bei den Kirchen. Nicht-kirchliche Organisationen zwischen Staat, Markt und Familie würden möglicherweise eine grössere Bedeutung einnehmen. «Wenn der entstehende Raum zwischen Staat, Kirche und Familie nicht sinnvoll durch gemeinnützige Organisationen ausgefüllt wird, könnten Wirtschaftsunternehmen diese Lücke für sich entdecken. So könnte es zu einer Kommerzialisierung des Sterbens kommen.»

Lange Tradition

Der sich öffnende Diskursraum um die Vermögensübertragung im Todesfall führt dazu, dass gemeinnützige private Organisationen sich zunehmend daran beteiligen. Sie substituieren dabei teilweise eine Rolle, die traditionell die Kirchen innehatten. Dabei haben Schenkungen eine lange Tradition. In der jüdisch-christlichen Tradition ist eine öffentliche Schenkung als Solidaritätsverpflichtung der Vermögenden gegenüber den Bedürftigen als Geschöpfe Gottes zu verstehen. In der Tradition der griechischen Antike diente die öffentliche Schenkung ebenfalls als Solidaritätsverpflichtung gegenüber Bedürftigen zur Sicherung des Zusammenhalts im politischen Gemeinwesen. In der Tradition der römischen Antike war mit der öffentlichen Schenkung die Chance verbunden, über den Tod hinaus im Gedächtnis der Nachgeborenen zu verbleiben.

Grosse Konstanz

Um seine Hinterlassenschaft zu regeln, gibt es verschiedene Optionen – unter anderem die Gründung einer Stiftung, die einen testamentarisch vorgegebenen Zweck erfüllt, oder Zustiftungen beziehungsweise Legate an bereits gemeinnützig tätige Organisationen. «Legate sind häufiger bei grösseren gegenüber kleineren Hilfswerken, Dachverbänden gegenüber Sektionen und kirchennahen Hilfswerken», konstatiert Markus Gmür. Gegenwärtig erhalten gemeinnützige Organisationen in der Schweiz aus Legaten geschätzte 120 bis 150 Millionen Franken jährlich. Gemessen an der Summe der jährlich vererbten Vermögen ist dies weniger als ein Prozent. Die Zivilgesellschaft partizipiert bislang noch kaum. «Es zeigen sich grosse Unterschiede bezüglich der Bedeutung von Legaten, wenn man einzelne Organisationen miteinander vergleicht», betont Gmür. Auffallend sei dagegen die Konstanz über den gesamten Untersuchungszeitraum sowie die eher geringen Unterschiede zwischen den Teilbereichens des Hilfswerkesektors.