Palliative Care trägt massgeblich dazu bei, diesen Wunsch zu erfüllen. Menschen mit unheilbaren oder chronischen Krankheiten erhalten dank dieser Betreuungsform bis zum Tod möglichst viel Lebensqualität. «Unser Ziel ist es, den Menschen individuell auf seinem letzten Weg zu begleiten und ihm Lebensqualität zu schenken», sagt Barbara Steiner, Leiterin der Fachstelle Palliative Care der Spitex Zürich. Palliative Care steht für «lindernde Pflege». Dabei geht es um viel mehr als um Pflege. «Die Arbeit in der Palliative Care umfasst viele Aspekte: Kompetente medizinische Versorgung, aufmerksame und individuell ausgerichtete, vorausschauende Pflege. Je nach Fall beinhaltet sie auch psychische, soziale oder spirituelle Betreuung der Patienten und eine Begleitung der Angehörigen», so Steiner. Palliative Care kämpft nicht gegen die Krankheit. Stattdessen ermöglicht sie ein besseres Leben mit der Krankheit.

Wünsche und Vorstellungen respektieren

Individualität wird in der Palliative Care gross geschrieben. Ziel ist es, frühzeitig mit den Patienten und deren Angehörigen über die letzte Lebenszeit zu sprechen. Vorausschauend und etappenweise entscheidet der schwer kranke Mensch dann mit, wie er seinen letzten Lebensabschnitt gestalten möchte. «Mit der Palliative Care soll auf die Bedürfnisse der Patienten umfassend eingegangen werden. Ihre Vorstellungen und Wünsche bestimmen das Vorgehen. Palliative Care befähigt Menschen, den letzten Lebensabschnitt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten», so Steiner.  

Gut eingespieltes Betreuungsteam ist wichtig

Damit die Patienten optimal betreut werden können, ist ein gut eingespieltes Betreuungsteam zentral. «Wir arbeiten eng mit Fachleuten aus Medizin, Pflege, Haushaltshilfe, Physiotherapie, Ergotherapie, Sozialarbeit, Psychologie und Seelsorge zusammen. Freiwillige und Angehörige ergänzen den Helferkreis.»  All diese Menschen bilden ein Netzwerk, welches den Betroffenen und deren Angehörigen Sicherheit bietet. Es hilft dem schwer kranken Menschen, die Auswirkungen der Krankheit besser zu verstehen und anzunehmen. Das Netzwerk der Palliative Care entlastet aber auch die Familie und den Freundeskreis.

Austausch ist wichtig

Auch für die Betreuungsteams ist der Austausch untereinander enorm wichtig. «Wir erleben immer wieder sehr schwere Situationen, die auch für uns belastend sind. Hier ist es wichtig, dass wir als Team gut funktionieren und miteinander darüber sprechen können», erklärt Barbara Steiner.  Besonders die Pflege von  Demenzkranken, die sich nicht mehr ausdrücken können und oftmals schwankende Launen haben, erfordere sehr viel Geduld und Feingefühl.
Die schönen Seiten an ihrem Beruf streicht Barbara Steiner aber klar heraus: «Wir erhalten von Seiten der Angehörigen und der Betroffenen viel Offenheit und Wohlwollen. Die Leute schätzen uns sehr und sind unglaublich dankbar.  Wir können in diesen so vielfältigen Begegnungen für uns persönlich, aber auch für unsere tägliche Arbeit viel lernen  und erkennen.»  Belastet die ständige Konfrontation mit dem Tod nicht enorm? «Die Konfrontation mit dem Tod kann sicher belastend sein. Es entsteht aber bei uns Fachpersonen auch ein gewisses Vertrauen im  Umgang mit den verschiedenen Phasen des Sterbens und mit dem Tod.  Die Herausforderung ist aber oft  vielmehr die Konfrontation mit dem Leben. Achtsam das Leben zu leben und zu geniessen im Wissen, dass wir sterben, das bleibt  doch letztlich für alle Menschen eine  besondere Herausforderung», so Barbara Steiner abschliessend.