Die heutigen Senioren sind auch nach Aufgabe ihrer  Erwerbstätigkeit immer noch sehr aktiv. Was hat das für Auswirkungen auf  ihre finanzielle Lage?

Da die Pensionierten über viel Zeit verfügen, ist der Finanzbedarf für Reisen, Hobbys, Essen, Theater etc. oft mindestens gleich hoch oder sogar höher als vor der Pensionierung. Zudem wird durch die längere Lebenserwartung absolut gesehen mehr Geld benötigt. Gleichzeitig ist die Haupteinnahmequelle nicht mehr der Lohn, sondern eine im Vergleich tiefere Rente sowie Einkünfte aus dem Vermögen. Leider reichen Renten und Vermögenserträge häufig nicht aus, um alle Ausgaben zu decken. Das Vermögen muss für laufende Ausgaben angetastet werden – für viele Senioren eine unangenehme Erkenntnis!

Was raten Sie, um finanzielle Engpässe zu vermeiden?

Zu diesem Zweck müssen verschiedene Fragen, allenfalls in Zusammenarbeit mit einer Fachperson, geklärt werden: Wie lange reicht das Vermögen? Wie lange ist die Liegenschaft finanziell tragbar? Eine Vermögensverzehrplanung beziehungsweise ein Finanzplan mit Vermögensprojektion und verschiedenen Szenarien können hier weiterhelfen. In dieser Lebensphase wird auch der Tod zum Thema.

Wie kann man seine Angehörigen absichern?

Hier muss man sich zunächst darüber klar werden, wer mit «Angehörige» gemeint ist. Nach dem Ableben des Ehepartners, nach einer Scheidung oder auch aus anderen Gründen leben heute viele Senioren nicht mehr in traditionellen Familienverhältnissen. Demzufolge sind ihre «Angehörigen» oft nicht der Ehepartner oder die eigenen Kinder, sondern ein Lebenspartner, die Mitglieder der Alters-WG oder die Kinder beziehungsweise Enkelkinder ihres Lebenspartners. Die gesetzliche Erbfolge trägt den effektiven Verhältnissen in vielen Fällen nicht oder nur unzureichend Rechnung. Zur Absicherung dieser Fälle gibt es verschiedene Möglichkeiten durch Testament, Erbvertrag, Lebensversicherungen, Schenkungen zu Lebzeiten etc. Je nach Familien- und Vermögensverhältnissen ist es sinnvoll, sich diesbezüglich Rat bei einem Spezialisten zu holen, um die eigene Situation zu besprechen.

Viele Senioren fürchten sich davor, durch Krankheit oder Unfall die Selbstbestimmung
zu verlieren...

Tatsächlich wird mit zunehmendem Alter der Eintritt einer vorübergehenden oder dauernden Handlungsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls wahrscheinlicher. Deshalb ist es wichtig, dass man rechtzeitig folgende Punkte klärt: Wer besorgt meine persönlichen und finanziellen Angelegenheiten, wenn ich vorübergehend im Spital liege? Wer soll Auskunft und Zugang im Spital erhalten? Und wer kümmert sich um meine Finanzen, wenn ich langfristig in ein Pflegeheim muss? Hier ist eine Vollmachtregelung und ein Vorsorgeauftrag sinnvoll. Mit dem Instrument des Vorsorgeauftrags hat der Gesetzgeber übrigens 2013 eine gute Möglichkeit geschaffen, diese Situationen zu regeln. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist es sich Gedanken zu einer Patientenverfügung zu machen, die unter anderem regelt, wie die medizinische Versorgung in schwierigen Fällen ausgestaltet sein soll.

Über Krankheit, Sterben und Tod redet aber niemand gern...

Das ist richtig. Trotzdem ist es wichtig, dass man sich auch mit emotional anstrengenden Fragestellungen rechtzeitig auseinandersetzt, idealerweise unter Beizug eines Fachberaters. Die Praxiserfahrung zeigt, dass die verständliche Verdrängung oder ein Aufschub bei solchen Fällen fast immer zu mehr Komplexität, Aufwand und Kosten führt – und das möchte man doch tunlichst vermeiden.