Das Schweizer Modell mit seinen drei Säulen der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge gilt international als vorbildlich.

Versicherte interessieren sich in der Regel für ihr Gesamteinkommen im Ruhestand. Wie dieses auf die verschiedenen Säulen verteilt ist, erkennt man erst beim zweiten Blick. Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn es geht um die Sicherstellung eines Ersatzeinkommens für verschiedene Ereignisse im Leben, insbesondere im Alter (Rente und/oder Kapital).

Starke Pensionskassen

Die berufliche Vorsorge (das BVG) soll zusammen mit der AHV/IV die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglichen. Die Pensionskassen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Sie sind keine anonymen Einrichtungen. Sie werden von Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern geführt und müssen sicherstellen, dass die beschlossenen Ertrags- und Leistungsziele realisiert werden. Im Zentrum steht die Aufgabe, die den Pensionskassen anvertrauten Gelder so zu bewirtschaften, dass die aktuellen und künftigen Leistungen langfristig gesichert sind.

Ändern sich die Rahmenbedingungen, müssen auch in den Pensionskassen zwingend Korrekturen vorgenommen werden. Die Verantwortlichen sind – letztlich im Interesse der Versicherten – verpflichtet, das finanzielle Gleichgewicht der Pensionskasse aufrechtzuerhalten.

Dabei müssen sie berücksichtigen, dass Versicherte an einem regelmässigen Gesamteinkommen im Ruhestand interessiert sind. Die Pensionskassen-Verantwortlichen sind sich dieser Herausforderungen bewusst. Im Interesse der Versicherten müssen sie die Stellschrauben an die Tatsachen anpassen, dass wir länger leben und das Angesparte weniger Zinsen abwirft.

Zentral ist dabei die Höhe des sogenannten Umwandlungssatzes. Mit diesem Prozentsatz wird das im Zeitpunkt der Pensionierung gebildete Altersguthaben in eine Rente umgewandelt. Der Umwandlungssatz muss die steigende Lebenserwartung und die zu erwartenden Renditen berücksichtigen. Viele Pensionskassen haben ihren Umwandlungssatz in den letzten Jahren deshalb gesenkt. Gleichwohl müssen die Pensionskassen ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Über die Altersvorsorge (AHV und BVG) soll der Versicherte rund 60 Prozent des letzten Bruttolohnes (bis 84000 Franken) erreichen. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, liegt das Leistungsniveau mit rund 71 Prozent immer noch weit über den 60 Prozent.  Durch die Senkung des Umwandlungssatzes wird auch eine in der beruflichen Vorsorge nicht vorgesehene Umverteilung von den jüngeren, aktiven Versicherten hin zu den Rentenbeziehenden reduziert.

Diese Korrektur ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Stabilität und Akzeptanz des Systems. Die unerwünschte Umverteilung beträgt gemäss Berechnungen der Oberaufsichtskommission BVG rund 7,1 Milliarden Franken pro Jahr.

Wenn immer möglich, erfolgen die Senkungen über einen längeren Zeitraum, und die Leistungskürzungen werden mit einer Verstärkung des Sparprozesses oder mit zusätzlichen Leistungen für die älteren Versicherten abgefedert. Schliesslich müssen auch diejenigen Pensionskassen, die insgesamt tiefere Umwandlungssätze als das gesetzliche Minimum (BVG) vorsehen, den Nachweis erbringen, dass sie die gesetzlichen Vorgaben einhalten.

Der Versicherte kann seine aktuelle Vorsorgesituation aufgrund des ihm von seiner Pensionskasse jährlich zugestellten Vorsorgeausweises beurteilen und bei Fragen bei der Pensionskasse anrufen. Mit einem freiwilligen Einkauf in seine Pensionskasse kann der Versicherte allenfalls auch seine Altersrente erhöhen.

Vermögensbewirtschaftung

Die Versicherten wollen ihre Vorsorgegelder professionell angelegt wissen. Diesbezüglich war das Anlagejahr 2017 für die Pensionskassen ein erfreuliches Jahr, und die erzielten Ergebnisse (je nach Anlagestrategie zwischen fünf Prozent und zehn Prozent) sind positiv zu würdigen.

Sie zeigen auch, dass die immer wieder erhobenen pauschalen Vorwürfe seitens der Finanzindustrie, die Pensionskassen-Verantwortlichen wären bezüglich Vermögensbewirtschaftung zu wenig professionell, nicht zutreffen.

Im Gegensatz zum individuellen Sparen kann in der kollektiven Vorsorge das Risiko bei gleichbleibendem Renditepotenzial auf alle Jahrgänge verteilt werden. Zudem erhöht diese Solidarität auch die Leistungen. Das zeigt ein Vergleich des auf dem individuellen Bankkonto gutgeschriebenen Zinses mit dem Zins auf dem Pensionskassen-Altersguthaben.

Fazit

Das Fundament unserer Altersvorsorge ist immer noch intakt, es ist aber zwingend an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Dazu braucht es dringend weitere harte, aber faire Diskussionen.