Die nächste Generation schaut ganz anders fern als die älteren Semester. Schliesslich haben Jugendliche alle ihr Smartphone oder Tablet zur Hand, wenn sie vor dem Fernseher sitzen. Die Werbung überbrücken sie mit Facebook, den Tatort, politische Sendungen oder Sportübertragungen kommentieren sie auf Twitter. Sie nehmen an Umfragen teil, geben Rückmeldungen und stellen Fragen, die live eingeblendet werden. Schauspieler googeln sie rasch und bei 'Wer wird Millionär' hilft Wikipedia nach.

Je jünger, desto häufiger

Dieses Phänomen nennt man Second Screen, also die Nutzung eines zweiten Bildschirmes zum laufenden Fernsehprogramm. Die Tendenz ist stark zunehmend und je jünger die Nutzer sind, desto häufiger tun sie es. Gemäss einer Onlinebefragung der Firma Management tools nutzten bereits Ende 2013 rund 76 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer beim Fernsehkonsum parallel ein internetfähiges Gerät, fast die Hälfte hatte bereits einmal während einer laufenden Sendung Zusatzinformationen dazu online abgerufen und 30 Prozent hatten schon auf eine Aufforderung des Senders eine bestimmte Website aufgerufen.

Spezielle Angebote

Inzwischen gibt es sogar verschiedene spezielle Second-Screen-Angebote: Die Dokumentation 24h Jerusalem des Schweizer Fernsehens SRF erzählte einen Tag lang Geschichten aus dem Schmelztiegel Jerusalem und lieferte synchron die passenden Web-Inhalte. Je nachdem, wo man im Film gerade steckte, synchronisierte man die Website und landete beim passenden Multimedia-Inhalt. Diverse soziale Netzwerke oder Apps haben sich auf Diskussionen zu laufenden Sendungen spezialisiert oder werden von Fernsehsendern bereitgestellt und dienen der Zuschauerbindung – und neuen Werbeplattformen. Denn die Werbeindustrie hat an diesem Phänomen ebenfalls ein grosses Interesse. So kann sie ihre Botschaften direkter und individualisiert vermitteln und bucht beispielsweise bestimmte Suchbegriffe, die zu einer Sendung passen, bei Google AdWords. Auch erweist sich der Second Screen als probates Mittel gegen Zapping, wie die Studie Mobile Barometer von SevenOne Media und Interrogare bestätigt: Ungeduldige Zuschauer überbrücken Werbepausen nun seltener mit einem Wechsel des TV-Senders, sondern eher mit persönlichen Recherchen im Internet und auf dem Second Screen.