«Impfungen sind oft das wirksamste Mittel, um sich vor übertragbaren Krankheiten zu schützen», betont Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Impfprogramme und Bekämpfungsmassnahmen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Das trifft auch für Masern zu. Impfungen sind aber nicht nur eine persönliche Massnahme, um sich und seine Kinder zu schützen, sondern auch ein Ausdruck solidarischen Verhaltens, wenn es darum geht, Krankheiten und Epidemien vorzubeugen. «Denn nicht geimpfte Personen bringen Menschen in Gefahr, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Kleinkinder, Schwangere oder Menschen mit einer Immunschwäche», warnt Masserey.

Schwere Komplikationen

Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit. Sie verursachen immer wieder Epidemien. Auch in der Schweiz. Deshalb müssen Personen, die nicht geimpft und mit Kranken in Kontakt gekommen sind, sicherheitshalber zu Hause bleiben. Nur so lassen sich weitere Übertragungen wirksam verhindern. Masern werden gerne unterschätzt: Es kann zu schweren Komplikationen und bleibenden Behinderungen kommen – oder sogar zum Tod, wie im Februar der Fall eines Kleinkinds in Berlin gezeigt hat. «Bis Ende 2015 soll die Schweiz masernfrei werden. Die Übertragung der Krankheit wird unterbrochen, wenn 95 Prozent der Bevölkerung zweimal geimpft sind oder die Krankheit durchgemacht haben», erläutert Virginie Masserey das Ziel der nationalen Masernstrategie des BAG, der sie als Projektleiterin vorsteht.

Tröpfcheninfektion

Masernviren werden durch Husten oder Niesen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Für eine Ansteckung reicht es bereits, wenn eine infizierte Person im gleichen Raum hustet oder niest. Auch über Oberflächen wie zum Beispiel Türgriffe oder andere Gegenstände kann das Masernvirus übertragen werden.

Besser impfen

Die häufigsten Komplikationen bei Masern sind Mittelohr- und Lungenentzündungen, in selteneren Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen. Dann wird auf jeden Fall ein Spitalaufenthalt notwendig. Sehr selten tritt Jahre nach einer Masernerkrankung eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) auf, eine entzündliche Krankheit des Gehirns, die immer tödlich verläuft. Bei Schwangeren besteht bei einer Ansteckung das Risiko einer Fehlgeburt. Bei Kindern im Schulalter treten in rund zehn Prozent der Fälle ernsthafte Komplikationen auf, die einen Spitalaufenthalt erfordern. Trotz bester medizinischer Versorgung in Europa endet die Krankheit bei einer von 3000 Erkrankungen mit dem Tod. «Die Komplikationen treten bei einer Erkrankung an Masern viel häufiger auf als schwere Nebenwirkungen aufgrund einer Impfung gegen Masern», betont Masserey. In den letzten Jahren sind bei der Durchimpfung der Bevölkerung grosse Fortschritte erzielt worden. Um die Zielmarke zu erreichen, bedarf es gemäss BAG aber weiterer Anstrengungen bezüglich Aktionen für die Überprüfung des Impfstatus und niederschwelliger Impfangebote.