Die 87jährige Anna Güntensperger
hat drei Töchter, sechs Enkel und zwei Urenkel.

Frau Güntensperger, Sie haben in den 1960/ 70er Jahren Ihre drei Töchter grossgezogen. Was waren besondere Herausforderungen in der damaligen Zeit?

Ich musste damals alles von Hand waschen, Waschmaschinen gab es noch nicht.

Auch andere Haushaltsgeräte wie Staubsauger oder Geschirrwaschmaschine hatte ich nicht zur Verfügung.

Das war eine Menge Arbeit und heute kaum mehr vorstellbar. Gleichzeitig lag die Kindererziehung an mir alleine.

Damals herrschte noch eine klare Rollenaufteilung. Mein Mann arbeitete, ich kümmerte mich um die Kinder und den Haushalt.

Obschon die Zeit damals streng war, erinnere ich mich sehr gerne daran zurück. Ich konnte voll für meine Töchter da sein und hatte Zeit für sie.

Worin sehen Sie in der Kindererziehung die grössten Veränderungen zwischen der damaligen Zeit und heute?

Für Kinder waren die Verlockungen damals noch nicht so gross wie heute. Fernseher, Computer Handy – das gab es alles noch nicht.

Auch in den Lebensmittelgeschäften war das Angebot beschränkt, Spielsachen gab es nur begrenzt.

Heute herrscht überall ein Überangebot und die Kinder sind ständigen Verlockungen ausgeliefert.

Hier Grenzen zu setzen, ist für Mütter sicher sehr schwierig geworden.

Unsere Kinder waren damals sehr kreativ in ihrem Spiel und bei Wind und Wetter draussen. Mit dem zunehmenden Verkehr hat sich auch das geändert.

Mussten Ihre Töchter im Haushalt mithelfen?

Ich würde sagen wenig. Heute würde ich sie stärker in die Hausarbeit mit einbeziehen.  Sie mussten abtrocknen und hin und wieder durften sie im Migros- Auto einkaufen gehen.

Was ist für Sie das Wichtigste in einer guten Erziehung?

Mir war immer sehr wichtig, dass die Kinder Anstand lernen und Rücksicht aufeinander und auf ihre Mitmenschen nehmen.  

Es braucht in der Erziehung Regeln und eine gewisse Strenge. Das Wichtigste ist aber, dass man den Kindern viel Liebe schenkt.

Haben Sie Tipps für andere Mütter?

Damit halte ich mich normalerweise zurück (lacht). 

Ein Tipp habe ich jedoch: Geniesst eure Kinder und nehmt euch Zeit für sie. Die Kindheit ist so schnell vorbei und die verpasste Zeit lässt sich nicht mehr nachholen.

 


 

Maria Schällibaum, Jahrgang 1958 
hat eine Tochter (30) und einen Sohn (35)

Frau Schällibaum, Sie haben in den 1980 Jahren Ihre Kinder grossgezogen. Wie haben Sie die damalige Zeit erlebt?

Für mich war es die schönste Zeit überhaupt und ich denke noch heute gerne daran zurück. Ich musste nicht auswärts arbeiten gehen und hatte einfach Zeit für meine Kinder.

Ich war Hausfrau, Mutter und Ehefrau und konnte mich voll mit dieser Rolle identifizieren. Meinem Mann habe ich damit den Rücken freigehalten und er konnte sich beruflich weiterentwickeln. Für meinen Mann und mich war die Rollenaufteilung von Anfang an klar und ich hatte nie das Gefühl etwas zu verpassen.

Im Gegenteil, ich kann heute zurückblicken und sagen, dass ich die wertvolle Zeit mit meinen Kindern voll genossen habe.

Worin sehen Sie in der Kindererziehung die grössten Veränderungen zwischen der damaligen Zeit und heute?

Bei den heutigen Müttern sehe ich, dass sie oftmals zu viel möchten und dadurch gestresst sind. Die Ansprüche an Frauen haben sicher auch zugenommen.

Es wird erwartet, dass eine Frau arbeitet, eine gute Ehefrau und Mutter ist und gleichzeitig immer top aussieht. Das erzeugt eine Menge Stress und Druck. In meinem Bekanntenkreis hat damals kaum eine der Mütter gearbeitet.

Unsere Kinder waren viel draussen;  Computer, Fernseher oder Nintendo haben nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Die Verlockungen sind mit den neuen Medien sicher viel grösser geworden. Zudem hatten die Kinder damals weniger Hobbies und noch deutlich mehr freie Zeit. Heute habe ich manchmal den Eindruck, dass sich die Eltern über ihre Kinder definieren und sich gegenseitig mit möglichst vielen, beeindruckenden Hobbies übertrumpfen möchten.

Mussten Ihre Kinder im Haushalt mithelfen?

Viel zu wenig! Das würde ich heute anders machen und zum Beispiel „Ämtli“ verteilen.

Was ist für Sie das Wichtigste in einer guten Erziehung?

Das Wichtigste war für mich, die Kinder auf einen guten Weg zu bringen und sie zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen.  Natürlich gab es auch bei uns immer wieder kleinere und grössere Probleme.

Den Kindern zu vermitteln, dass man jederzeit für sie da ist und gemeinsam Lösungen finden kann, ist wichtig. Die Kindererziehung ist sicher eine der grössten Herausforderungen überhaupt. Auch wenn man immer zuhause ist, heisst das noch lange nicht, dass sich die Kinder automatisch gut entwickeln. 

Haben Sie Tipps für andere Mütter?

Es ist so eine kurze Zeit und diese muss man unbedingt geniessen. Mami-sein ist eine wundervoller Job und dessen muss man sich einfach bewusst sein!

 


 

Katrin, Jahrgang 1980  
hat zwei Kinder im Alter von 5 und 7 Jahren.

Katrin, Sie befinden sich aktuell mitten in der Kindererziehung. Wie erleben Sie diese Phase?

Ich bin sehr, sehr gerne Mutter! Kindererziehung ist eine tägliche Herausforderung und eine riesige Verantwortung. Aber es ist gleichzeitig auch die schönste Aufgabe der Welt. Ich habe mit meiner Familie den Sinn meines Lebens gefunden.

Worin sehen Sie in der Kindererziehung die grössten Herausforderungen in der heutigen Zeit?

Die Anforderungen an Mütter sind heute gewaltig. Wir sollen berufstätig sein,

privat alles unter einen Hut bringen, toll Aussehen und im Sport aktiv sein. Es lastet ein grosser Druck auf uns Frauen und es ist eine logische Folge, dass immer mehr Mütter ausgepowert sind. 

Für mich ist es ein grosses Privileg, dass ich 40 Prozent arbeiten darf; das sind meine Wellnesstage  (lacht).

Die Kindererziehung ist heute sicher nicht einfacher geworden. Unsere Kinder sind so vielen Versuchungen ausgesetzt und es ist an uns Eltern, ihnen Grenzen zu setzen.

Unsere Kinder dürfen zwar auch Zeit am I Pad verbringen oder etwas am Fernsehen schauen, aber nur mit klaren Regeln.

Man darf sich nicht vor den neuen Medien verschliessen, muss jedoch eine Balance finden. Und das ist nicht immer einfach. Computergames sind bei uns zum Beispiel Tabu.

Viel lieber machen wir Gesellschaftsspiele in der Familie oder  die Kinder spielen draussen.

Müssen Ihre Kinder im Haushalt mithelfen?

Wir haben seit einiger Zeit einen Ämtliplan und die Kinder sind mit grossem Eifer dabei. Mal schauen wie lange...(lacht)

Was ist für Sie das Wichtigste in einer guten Erziehung? 

Anstand, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz anderen gegenüber ist mir sehr wichtig.

Auch Tischmanieren gehören für mich zu einer guten Erziehung. Wir predigen unseren Kindern nicht nur Wertvorstellungen, sondern leben ihnen diese auch vor.

Haben Sie Tipps für andere Mütter?

Tipps zu geben finde ich  schwierig. Ich kann nur sagen, dass ich den Austausch mit anderen Müttern oftmals sehr hilfreich finde.  

Zudem muss man akzeptieren, dass es die perfekte Mutter nicht gibt. Ich gebe mir jeden Tag von neuem Mühe und habe manchmal auch Mühe. 

Mir in schwierigen Zeiten bewusst zu werden, dass alles nur eine Phase ist und vergeht, hilft mir sehr.