Dr. Trallalla heisst in Wirklichkeit Regula Stucki und ist Spitalclownin. «Es ist immer ein besonderer Moment, wenn ich die Zimmer der kleinen Patienten betrete. Ausser ein paar medizinischen Informationen vom Pflegepersonal weiss ich nie, was mich erwartet», sagt sie. Deshalb hat Dr. Trallalla auch kein fixes Programm, sondern lässt sich auf jedes Kind individuell ein.«Es gibt immer wieder lustige Begegnungen mit den Kindern. Da war etwa ein Junge, der anfänglich Dr. Trallalla überhaupt nicht sehen wollte und mir geradeaus sagte, dass er Clowns hasst. Nachdem ich ihn mit einigen Tricks überrascht hatte, wollte er mich gar nicht mehr gehen lassen und meinte zum Abschied: Tschüss lieber Clown.» Tatsächlich reagieren die kleinen Patienten sehr unterschiedlich auf den Spitalclown. Manche sind still und zurückhaltend, andere lachen oder bringen ihren Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Es ist denn auch gar nicht das Ziel der Spitalclowns, die Kinder und Eltern um jeden Preis zum Lachen zu bringen. «Viel wichtiger ist es, dass wir den Kindern und Eltern Momente bescheren, in denen sie vergessen können, dass sie im Spital sind.

Meine Clownnase schützt mich

Oft bekomme ich von Eltern zu hören, dass sie ihr Kind seit langem wieder fröhlich gesehen haben.» Der Auftritt von Dr. Trallalla sieht immer wieder ganz unterschiedlich aus – je nach Situation. «Wurde ein Kind etwa gerade operiert, bin ich ganz ruhig und pantomimisch. Bei anderen Kindern wiederum wird musiziert und es geht die Post ab.» Ist es nicht manchmal schwierig, in ernsten Situationen lustig zu sein? «Meine Clownnase und meine Rolle schützen mich. Dennoch gibt es natürlich immer wieder Geschichten, die eine nicht loslassen. Da hilft es, dass ich mich mit meinen Kollegen austauschen kann.» Regula Stucki hat als Spitalclownin ihre Berufung gefunden. «Als ich im Jahr 1997 einen Film über Spitalclowns sah, wusste ich sofort: Das ist es, was ich machen will.» Bis sie ihren Traum verwirklichte, vergingen jedoch nochmals acht Jahre. Als sie 2005 erfuhr, dass die Stiftung Theodora Spitalclowns sucht, nahm sie allen Mut zusammen, bewarb sich und wurde aufgenommen.

Ausbildung zum Traumdoktor

«Unsere Traumdoktoren – wie wir die Spitalclowns auch nennen, abgeleitet vom französischen ‚docteurs Rêves‘ – haben  bereits einen artistischen Hintergrund. Sie sind beispielsweise Kleinkünstler, Musiker oder Kabarettisten. Wer Traumdoktor werden möchte, absolviert bei uns eine zweijährige Ausbildung mit verschiedenen theoretischen und praktischen Modulen», sagt dazu Othmar Bamert, Kommunikationsleiter der Stiftung Theodora. Denn die Spital-Artisten brauchen feine Antennen, viel Fingerspitzengefühl, grosses Improvisationskönnen sowie medizinische Kenntnisse. Diese Elemente sind auch die Kerngebiete der Ausbildung zum Spitalclown.

Ärzte und Pflegepersonal machen mit

Nach der Grundausbildung müssen die Artisten ein Praktikum absolvieren, bei dem sie von einem ausgebildeten Spitalclown begleitet und bewertet werden. Entstanden ist die gemeinnützige, rein spendenfinanzierte Stiftung Theodora aus einer persönlichen Erfahrung des Gründers André Poulie. Als Kind musste er nach einem Unfall mehrere Monate im Spital verbringen. Die aufmunternden Besuche seiner Mutter Theodora brachten ihm dabei viel Freude und Abwechslung vom tristen Spitalalltag. Mit dieser Vision und im Andenken an ihre Mutter gründeten André und sein Bruder Jan Poulie im Jahr 1993 die Stiftung Theodora. Seither erfreuen sich Traumdoktoren sowohl bei Kindern, Eltern, aber auch bei den Ärzten und beim Pflegepersonal grosser Beliebtheit. «Es kommt manchmal sogar vor, dass Ärzte und Pflegepersonal spontan mitimprovisieren», weiss Bamert.

Strahlende Kinderaugen

Spitalartisten finden heute internationale Verbreitung. In vielen Spitälern und Behinderteninstitutionen sind sie fix in die Spitalorganisation eingebunden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Spitalartisten,  Ärzten und Pflegepersonal ist denn auch zentral. «Vor der Tour werden die Traumdoktoren ausführlich gebrieft. Das ist wichtig, damit die Artisten wissen, wie sie mit dem Kind umgehen können und was sie im Spitalzimmer erwartet», so Othmar Bamert, Dr. Trallalla ist mit ihrer Tour für heute fertig. An diesem Nachmittag hat sie wieder für viele strahlende Kinderaugen und für einen Moment der Unbeschwertheit gesorgt. «Was gibt es schöneres, als Kinder glücklich zu machen?», sagt sie und zieht ihre rote Nase ab.