Michael In Albon
Jugendmedien­schutz-Beauftragter der Swisscom

Wir haben Eveline Hipeli, Medienpädagogin, Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin, und Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom, befragt.

Welche positiven Aspekte haben die neuen Medien für unsere Kinder?
Michael In Albon: Mehr als man denkt: Spiele fördern das Lernen sehr stark, indem Kinder begreifen, dass man auch verlieren kann. Aber auch das Gewinnen ist sehr wertvoll, sie schöpfen Selbstvertrauen. Dann lernen sie logisches Denken, indem sie in der Interaktion mit Computern die Funktionsweise von diesen Geräten annehmen müssen und so eine wichtige Denkstruktur verinnerlichen.

Eveline Hipeli: Die digitalen Medien haben das Potenzial, viele Dinge im Alltag zu erleichtern, sie sind praktisch und machen auch einfach Spass. Wir tauchen mit ihrer Hilfe in andere Welten ein, können Informationen blitzschnell beschaffen, stellen unsere Talente vor einem grossen Publikum im Internet zur Schau und trainieren unsere Geschicklichkeit in Videospielen. Selbstverständlich gibt es Risiken, die sich durch sie ergeben können.

Wie lässt sich Medienkompetenz bei Kindern schulen?
Eveline Hipeli:  Die Förderung von Medienkompetenz sollte im Idealfall bereits dann beginnen, wenn das Kind seinen ersten Kontakt mit einem Medium macht: Vom ersten Buch im Krabbelalter bis hin zum Smartphone im Jugendalter. Den Kids von heute steht in der Regel ein breites mediales Equipment zur Verfügung. Sie sehen, wie ihre Eltern die Medien zu Hause nutzen und möchten dies natürlich auch tun. Damit ein Kind die positiven Aspekte aller Medien erfahren kann, sollte es Schritt für Schritt schon von klein auf den Umgang begleitet erlernen.
 

Eveline Hipeli
Medienpädagogin, Kommunikationswissenschaftlerin und Autorin

Michael In Albon:  Nehmen wir als Beispiel das Fahrradfahren: Zuerst geht das Kind mit einem Laufrad, dann benützt es ein normales Velo mit Stützrädern, die Hand des Vaters noch am Sattel, damit nichts passiert. Mit einiger Übung lernt das Kind die Bewegungen zu koordinieren und kann fahren. Beim Internet ist es ebenso: Kinder beobachten und imitieren die Erwachsenen. Wenn man den Kindern vorlebt, ihnen zeigt, was gut ist und was nicht, und die Grenzen immer mehr öffnet, können sie die neue Welt risikoarm und Schritt für Schritt erleben.

Welchen Beitrag können Eltern dazu leisten?
Michael In Albon:  Meiner Meinung nach machen es sich viele Eltern zu leicht, indem sie Smartphone und Tablet wie Ritalin einsetzen. Quengeln die Kinder, setzt man ihnen einen Bildschirm vor die Nase und es ist Ruhe. Aber das kann es nicht sein. Kinder sollen nicht alleine ins Internet, nicht unbegleitet spielen, nicht mit den vielen Eindrücken alleine, gelassen werden. Andererseits darf man auch die Eltern nicht alleine, lassen mit dieser Aufgabe. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie sie sich in medienerzieherischen Fragen fit machen können. Kurse, Info-Broschüren und Web-Plattformen bieten sehr wertvolle Informationen und Tipps.

Eveline Hipeli: Das Wichtigste ist in jedem Fall das Begleiten des Kindes bei seinen Medienerfahrungen und immer wieder ins Gespräch zu kommen – ganz ungezwungen. Zum Beispiel, indem man gemeinsam ein Buch liest, ein Videogame spielt oder gemeinsam ins Kino geht. Und natürlich gehört dazu auch, dass Eltern bestimmte Abmachungen zur Mediennutzung für oder noch besser mit ihren Kindern treffen.