Die Diagnose der Unfruchtbarkeit kann für ein Paar ein grosser Schock sein. Die Infertilität kann als Kränkung und Verletzung wahrgenommen werden, und oft fühlen sich Paare in dieser Situation allein gelassen. Dabei ist die Zahl der Betroffenen höher als man denkt.

Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft beträgt unter optimalen Bedingungen etwa 25% pro Zyklus. Über ein Jahr liegt die kumulative Chance für eine Schwangerschaft bei etwa 95%. Sollte es in dieser Zeit zu keiner Schwangerschaft kommen, ist es empfehlenswert, einen Facharzt aufzusuchen. Frauen über 35 sollten dies bereits nach einem halben Jahr tun, da mit steigendem Alter die Fruchtbarkeit langsam abnimmt.
Die Gründe für die Unfruchtbarkeit sind vielfältig. Die häufigste Ursache bei Männern ist eine Störung der Samenzellbildung. So weiss man heute, dass Rauchen oder übermässiger Alkoholkonsum die Qualität der Samenzellen beeinflusst. Aber auch Entzündungen, Krampfadern am Hoden oder ein Hormonungleichgewicht können Ursachen sein.

Die häufigsten Gründe der Unfruchtbarkeit bei der Frau sind Störungen der Eizellreifung und der Ovulation, sowie des teilweisen oder kompletten Verschlusses des Eileiters. Aber auch Endometriose oder Fehlbildungen der Gebärmutter können die Ursache sein. Bei einer Störung der Eizellreifung und ausbleibender oder unregelmässiger Menstruation liegen oft Hormonstörungen vor. So kann zum Beispiel eine unbehandelte Unterfunktion der Schilddrüse ein Grund für eine verminderte Fruchtbarkeit sein. Eine Schilddrüsenunterfunktion der Mutter beeinflusst zudem die Entwicklung des Kindes im ersten Schwangerschaftstrimester negativ.
Wenn Paare nicht auf natürlichem Weg zu einer Schwangerschaft kommen, stehen verschiedene medizinische Möglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von einer Hormongabe zur Sicherstellung der Eizellreifung, über eine Insemination, bei der die Samenzellen direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht werden, bis hin zur künstlichen Befruchtung (IVF) der Eizellen.

Für eine IVF-Behandlung werden durch Hormone die Eierstöcke stimuliert, so dass mehrere Eizellen heranreifen. Die Hormone, die dazu verwendet werden, sind identisch mit den körpereigenen Hormonen und können biotechnologisch hergestellt werden. Der Vorteil daran ist, dass diese frei von Fremdproteinen, dafür aber auch kostenintensiver sind.

Die durch die IVF-Methode gereiften Eizellen können, mithilfe eines mikrochirurgischen Eingriffs, vom Arzt punktiert und künstlich mit den Samenzellen des Mannes befruchtet werden. Nach drei bis fünf Tagen werden dann bis zu drei befruchtete Eizellen über einen Katheter zurück in die Gebärmutterhöhle gebracht. Die übrigen Eizellen können tiefgefroren werden und stehen für einen späteren Zyklus zur Verfügung.

Die Erfolgschancen dieser Behandlung sind vergleichbar mit der natürlichen Empfängnisrate. Die durchschnittliche Schwangerschaftsrate nach IVF liegt in der Schweiz bei 24%, variiert aber zwischen den IVF-Zentren erheblich. Da mehr Eizellen anfallen, als für einen Zyklus nötig sind, können z.B. noch drei weitere Versuche gemacht werden. Die Erfolgschancen liegen bei etwa 61%.