Wir arbeiten in vier Schichten. Gleichgültig, wie viel zu tun ist, haben immer zwei Hebammen Dienst. Bevor wir diesen antreten, wissen wir nicht, was uns bei der Arbeit erwartet. Geburten sind so individuell wie Menschen. Niemals wiederholt sich dieselbe Situation. Demzufolge ist unsere Arbeit kaum planbar.

Es ist mir wichtig, dass sich die werdenden Familien bereits während der Schwangerschaft gut aufgehoben fühlen.

Ausser wir sind für den Mitteldienst eingeteilt. Dieser beginnt um 8.15 Uhr. Gewöhnlich koche ich mir eine Kanne Tee, ordne die nötigen Unterlagen und beginne dann mit den regulären Schwangerschaftskontrollen.

Es ist mir wichtig, dass sich die werdenden Familien bereits während der Schwangerschaft gut aufgehoben fühlen. Als Hebamme habe ich die Kompetenz und das nötige Fachwissen, die Paare durch die Schwangerschaft zu begleiten und sie auf die Geburt und die Zeit danach vorzubereiten. Nicht zuletzt hierfür liegt dem Beruf der Hebamme ein vierjähriges Studium zugrunde.

Wenn ich dieselben Paare dann bei der Geburt wiedersehe, wird mir bewusst, wie der Kontakt während der Schwangerschaft das notwendige Vertrauen gefördert hat und die Unterstützung meinerseits vereinfacht. Ich gebe mir stets Mühe, die Betreuung den gegenwärtigen Bedürfnissen der Paare anzupassen.

Ich ermutige die werdenden Eltern, vorbereitete Strategien umzusetzen. Was zählt, ist jedoch der Moment und es ist von allen Beteiligten Flexibilität gefordert. Ebenso wichtig ist es, viel Geduld und Vertrauen in den natürlichen Prozess der Geburt zu haben.

Denn auch gerüstete Eltern können vorgängig nicht wissen, wie sie sich verhalten, wie sie mit den Wehen umgehen und wie sie das Geburtserlebnis wahrnehmen. Hinzu kommen Faktoren, welche wir alle wenig beeinflussen können.

Haben die Kontraktionen einen effektiven Einfluss auf die Eröffnung des Muttermundes? Findet das kindliche Köpfchen den Weg durch das mütterliche Becken? Verträgt es der Mann, seine Frau leiden zu sehen?

Ist das Kind einmal auf der Welt, sind die Schmerzen und die Anstrengung meist unmittelbar verschwunden und vergessen. Der Gesichtsausdruck der Eltern verändert sich schlagartig. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen und ihre Augen füllen sich mit Stolz und Liebe.

Oft erscheint es unvorstellbar, dass das Neugeborene im Bauch seiner Mutter zu diesem vollkommenen und einzigartigen Menschen herangewachsen ist und bis vor wenigen Minuten noch Platz darin hatte. Als eigentliches Wunder erachte ich jedoch die Perfektion und die Selbstverständlichkeit der körperlichen Abläufe und nicht zuletzt die emotionalen Entwicklungen aller Beteiligten.

Die Zeit, diesen Zauber zu geniessen, bleibt mir selten. Wenn ich nicht bereits zur nächsten Geburt gerufen werde oder eine notfallmässige Kontrolle durchführen soll, so habe ich eine Reihe an organisatorischen und administrativen Arbeiten zu erledigen. Hinzu kommen Reinigungs- und Ordnungsarbeiten, die oftmals von Hebammen zu erledigen sind.

Wenn der Dienst endet, am Abend oder manchmal im Morgengrauen, bin ich erschöpft. Bedeutend jedoch ist, dass ich auf intensive Stunden zurückblicke, in denen Kinder das Licht der Welt erblickt haben und Paare zu Eltern geworden sind.