Brigitte Keller, wie kann man sich die Tätigkeit des Medizinproduktetechnologen vorstellen?
Alle Instrumente, die mit dem Patienten in Berührung kamen, sind von krankmachenden Keimen zu befreien und deren Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. In einem Spital werden diese Apparate und Geräte aus den verschiedenen Bereichen, OPs und Abteilungen, an eine zentrale Stelle geliefert.

Hier werden die Instrumente gereinigt, zerlegt, wieder zusammengesetzt, in einen hochsterilen Bereich gebracht und dort verpackt, versiegelt und steril aufbereitet. Die Technologen arbeiten in spezieller Schutzausrüstung; der Arbeitssicherheit kommt ein hoher Stellenwert zu.

Verantwortungsvoll sind auch die kontinuierlichen meist elektronisch durchzuführenden Qualitätskontrollen.

Wie viele Instrumente werden nach einem Eingriff gereinigt?
Das ist jeden Tag anders und von Notfällen und den jeweiligen Behandlungen abhängig. Entsprechend müssen die Mitarbeiter sehr flexibel sein.

Vom Beinbruch bis zur Herz-OP ist ja alles möglich, es gibt hunderte verschiedene Instrumente, die man kennen muss.

Allzu zartbesaitet sollte man für diesen Beruf wohl nicht sein?
Das ist richtig, obwohl die Instrumente bereits grob gereinigt angeliefert werden. Aber natürlich können sie Gewebestücke enthalten.

Manche werden von Hand gewaschen; je nach Hersteller wird auch mit besonderen Waschmaschinen gereinigt und, wo notwendig, mit dem Mikroskop überprüft.

Wird dieser Qualitätskontrolle heute stärkere Bedeutung beigemessen?
Die Qualitätsansprüche sind in den letzten 20 Jahren stark gestiegen, denn die Operationen wurden komplexer, und damit auch die Instrumente. Heute kommen meist Mehrweggeräte zum Einsatz, das Material ist sehr kostenintensiv.

Nebst der Hygiene kommt der Wartung und Funktionskontrolle eine stärkere Bedeutung zu, was nun 2018 zur neuen Grundausbildung in Medizintechnologie.

Welche Vorbildung ist dazu nötig?
Die abgeschlossene obligatorische Schulzeit mit guten Leistungen im Bereich Naturwissenschaft und natürlich ein technisches Interesse. Die dreijährige Lehre mit EFZ-Abschluss vermittelt ein breites Allgemeinwissen, in der man die Berufsschule und überbetrieblichen Kurse besucht und gleichzeitig im Lehrbetrieb ausgebildet wird.

Per 2018 werden 30 bis 35 Ausbildungsplätze in der Deutsch- und 15 bis 20 in der Westschweiz geschaffen. 2019 kommen im Tessin fünf bis acht Plätze dazu. Fachkräfte sind äusserst gesucht.