Sie haben im Februar Ihren 50. Geburtstag gefeiert. Wie fühlen Sie sich?

Die Knochen schmerzen, ich kann mich kaum noch beugen und so langsam denke ich über den Ruhestand nach (lacht). Das mit dem Ruhestand ist natürlich Unsinn, denn ich fühle mich trotzdem hervorragend. Am Sprichwort «Man ist so alt, wie man sich fühlt», ist durchaus etwas dran. Ich fühle mich jedenfalls nicht wie fünfzig. Obschon es ja keine Regel gibt, die besagt, wie man sich mit fünfzig fühlen soll. Ich geniesse meinen neuen Lebensabschnitt 50plus jedenfalls sehr. Viele Männer in Ihrem Alter geben sich betont jugendlich. Oh, das liegt mir überhaupt nicht. Gestandene Männer, die sich plötzlich wieder kleiden, als wären sie neunzehn, und auf jugendlich machen. Ich sehe sehr viele Vorteile an meinem Alter und versuche nicht mehr expizit jugendlich zu sein.

Was sind für Sie die Vorteile der goldenen Jahre?

Man meint, im Leben angekommen zu sein und entwickelt eine gewisse Gelassenheit. Ich weiss heute eher was ich möchte, ich glaube meine Stärken und Schwächen zu kennen. Und ich denke mir, dass ich nicht mehr alles mitmachen muss. Das Leben ist nicht mehr so angestrengt wie früher und ich bin auch mal etwas milder mit mir. Das heisst nicht, dass ich nachlässiger geworden bin – vielmehr nachsichtiger. «Mal z Füfi la grad sii!» Es ist ein gutes Gefühl und gibt einem Lebensqualität wenn man sich nicht mehr andauernd beweisen muss. Und wenn mich heute der Nachbarsjunge fragt, ob er mir die Einkäufe hochtragen kann, nehme ich das Angebot gerne an (lacht).

Gab es nie so etwas wie eine Midlife Crisis?

Doch, so zwischen dreissig und vierzig habe ich eine Krise gehabt. Besonders die Dreissiger fand ich ein schwieriges Alter – man ist nicht mehr jung und noch nicht alt, hat viele Erwartungen zu erfüllen und muss seinen Weg finden. An meinem vierzigsten Geburtstag hatte ich dann das Gefühl: Jetzt fängt mein Leben an. Mein Anspruch, überall dabei sein zu müssen und hip zu sein war mit vierzig an sich vorbei. Natürlich habe ich heute auch hin und wieder kleinere Krisen. Aber das ist auch gut so.

Merken Sie körperliche Einschränkungen?

Meine körperliche Leistungsfähigkeit nimmt schon ab. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich nie ein Hochleistungssportler war (lacht). Im Gegenteil – ich war nie richtig fit und habe nie besonders gerne Sport gemacht. Auf der Bühne hingegen merke ich, dass meine Leistungsfähigkeit unvermindert ist und ich problemlos zweistündige Konzerte geben kann. Auch wenn ich an einem Tag müder und unfitter bin – sobald ich auf der Bühne stehe, habe ich einen Adrenalinkick sondergleichen. Aber ja, das ein oder andere Zipperlein merke ich schon und bin etwas häufiger beim Arzt als früher. Glücklicherweise habe ich keine grösseren Baustellen.

Machen Sie sich heute mehr Gedanken über einen gesunden Lifestyle?

Gedanken ja. An der Umsetzung hapert es hingegen manchmal. Ernährung ist für mich ein ewiges Thema. Ich esse einfach sehr gerne und nehme leider auch sehr schnell zu. Nach eigenem Urteil bin ich ein Nikotin- und Kohlenhydratjunkie. Wenn ich allerdings alles essen würde, auf das ich Lust habe, wäre ich stark übergewichtig. Deshalb bin ich bei der Ernährung immer eher auf der Bremse und versuche, diese gemeinen Kohlenhydrate nur in Massen zu essen. Zum Asketen werde ich aber sicherlich nie. Ich bin Geniesser mit Leib und Seele.

Wie hat sich Ihre Musik im Laufe der Jahre verändert?

Ich habe mich über die Jahre sicherlich musikalisch immer weiterentwickelt, obschon ich mich stilistisch nie gross aus dem Blues rausbewegt habe. In den letzten Jahren sind in meine Musik kleine Nuancen Pop und Soul eingeflossen. Aber am Ende gehört mein Herz dem Blues. Mit meinem neuen Album schwenke ich wieder stärker auf meinen ursprünglichen Weg zurück – zum einfachen, rauen Blues. Ich denke schon, dass ich heute besser singe und spiele als früher. Das hat aber sicher auch damit zu tun, dass ich heutzutage mit hervorragenden Musikern zusammenarbeite, welche mich wunderbar zu tragen und zu unterstützen wissen.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Materielle Wünsche habe ich keine. Mein Hauptmotor und Wunsch ist es, weitermachen zu dürfen wie bisher. Ich bin vom Glück geküsst worden, dass ich meine Leidenschaft – die Musik – seit bald 40 Jahren ausleben darf. Ich wüsste nicht, was ich ausser Musik machen würde.