Rolf Knie, darf ich Sie überhaupt schon auf Ihre goldenen Jahre ansprechen oder fühlen Sie sich dafür noch zu jung?
Doch, das dürfen Sie. Ich bin mitten in meinen goldenen Jahren. Ein tolles Alter.

 

Wären Sie denn nicht lieber wieder jünger?
Nein, man soll sein Alter akzeptieren. Dann ist es eine gute Zeit.

 

Wie meinen Sie das?
Ich bin dankbar dafür, dass ich so gesund bin. Aber das hat viel mit der Einstellung zu tun. Die muss stimmen. Ich muss heute keinem mehr etwas beweisen. Ich gehöre nicht mehr als Clown auf die Bühne. Das habe ich akzeptiert.

 

Zurzeit machen Sie mit Ihrem Sohn Gregory den Weihnachtszirkus Salto Natale. Fehlt Ihnen die Bühne nicht?
Gar nicht! Ich könnte auf der Bühne nur noch verlieren. Besser werde ich nicht mehr.

 

Den Zirkus führen Sie mit Ihrem Sohn. Können Sie nicht loslassen oder könnte Gregory das alleine nicht?
Doch, er käme an seine Grenzen, aber er könnte das. Ich arbeite halt noch gerne mit jungen Leuten zusammen. Die halten mich jung.

 

 

Sie sind jetzt 64-jährig. In welchen Momenten fühlen Sie sich alt?
Beim Golfen, beim Tennis, beim Fussballspielen im Garten. Die Lunge macht nicht mehr so mit wie früher.

 

Und wann fühlen Sie sich richtig jung?
Im Kopf bin ich noch sehr frisch. Das merke ich beim Zirkusmachen. Da meinen die anderen bei der Sitzung manchmal: ‚Ach, jetzt kommt der alte Sack und labert wieder was.’ Und dann zeige ich es ihnen. Das ist mein Ehrgeiz. Und das Arbeiten habe ich dank meiner Disziplin nicht verlernt.

 

Wie halten Sie Ihren Kopf fit?
Indem ich gegen die virtuelle Demenz ankämpfe. Während die Jungen heute alles auf ihrem Computer und auf dem Telefon speichern, schalte ich noch meinen Kopf ein.

 

Was tun Sie in Ihren goldenen Jahren anders als davor?
Ich lebe bewusster und schöner. Ich bin demütig geworden, dankbar für alles

 

Sie kickten beim FC Zürich, absolvierten die Handelsschule, waren Clown, traten im Fernsehen auf, sind Maler, Bildhauer und mittlerweile Zirkus-Produzent. Was konnten Sie am besten?
Ganz klar: Fussball. Ich spielte als rechter Flügel beim FCZ, bis ich 18-jährig war, und war Junioren-Nationalspieler. Als ich dann meinen Bruder sah, der schon beim Zirkus war und die schönen Mädchen kriegte, während bei mir alles dem Sport untergeordnet war, kriegte ich Panik.

 

Und dann?
Dann schmiss ich die Schule und den Fussball hin. Mein Vater war mir nicht wegen der Schule böse, sondern wegen dem Fussball. Ich war richtig gut. Später sah ich Kollegen von mir im Europacup oder in der Nati spielen. Da dachte ich bei manchen: ‚Meine Güte! Diese Pfeife spielt jetzt in der Nati!’

 

Trauern Sie der Zeit nach?
Nein, ich trauere gar nichts nach.

 

Haben Sie Vorsätze fürs neue Jahr?
Nein. Ich gehe jedes Jahr am 31. Dezember um fünf vor Mitternacht mit meinem Sohn an einen stillen Ort zum Reden. Seit er einjährig war.


Was wollen Sie noch erleben?
Ich habe eine extreme innere Unruhe, weil ich mit meiner Zeit noch so viel anstellen will. Im Januar mache ich in Thailand drei lebensgrosse Elefanten-Skulpturen. Und irgendwann will ich drei Monate mit Gorillas im Busch leben.